Eigentlich hatten die europäischen Automobilhersteller das Jahr 2035 als fixes Enddatum für den Verbrennungsmotor in ihre Strategien gemeißelt. Doch im Februar 2026 vollzieht Brüssel eine Kehrtwende: Statt eines Totalverbots wird nun über eine 90-prozentige CO2-Reduktion debattiert. Was nach einem Sieg für die Technologieoffenheit klingt, entwickelt sich für Mercedes-Benz zum strategischen Albtraum. CEO Ola Källenius warnt vor einer massiven Marktverunsicherung und explodierenden Kosten.
Planungssicherheit ade: Die Gefahr der „geöffneten Tür“
Auf der Vorstellung der neuesten S-Klasse am 6. Februar 2026 fand Mercedes-Chef Ola Källenius ungewöhnlich deutliche Worte zur aktuellen EU-Politik. Obwohl er selbst lange für einen „Realitätscheck“ der Elektro-Ziele geworben hatte, kritisiert er nun die Art und Weise der Aufweichung. Das Problem: Die EU hat die Tür für Verbrenner nach 2035 zwar einen Spalt breit geöffnet, aber die genauen Spielregeln bleiben im Unklaren.
Für einen Konzern, der Modellzyklen über ein Jahrzehnt im Voraus planen muss, ist dieses „Vielleicht“ teurer als ein klares „Nein“. Källenius befürchtet, dass Kunden den Kauf neuer Fahrzeuge aufschieben, bis Klarheit herrscht, was den Markt auf dem Weg ins nächste Jahrzehnt schrumpfen lassen könnte.
„Es besteht ein großes Risiko, dass der Markt auf dem Weg dorthin schrumpft. Eine klare Linie ist für die Industrie lebensnotwendig.“ – Ola Källenius, CEO Mercedes-Benz (Februar 2026)
Doppel-Investitionen: Die Milliarden-Falle
Die Lockerung zwingt Mercedes und Konkurrenten wie Porsche oder VW zu einer kostspieligen Doppelstrategie. Geld, das bereits fest für Batterietechnik, Software und neue E-Plattformen eingeplant war, muss nun zurück in die Verbrenner-Entwicklung fließen. Denn: Wer nach 2035 noch Benzin- oder Dieselmotoren (auch als Plug-in-Hybride) verkaufen will, muss die extrem strengen Euro-7-Normen erfüllen, die ab November 2026 greifen.
Diese Motoren werden komplexer und teurer als je zuvor. Während US-Riesen wie Ford und General Motors bereits Milliardenverluste durch den Rückbau ihrer Elektro-Pläne vermelden, droht europäischen Herstellern eine ähnliche Effizienz-Falle.
Vergleich: Die Kosten der Strategie-Wende 2026
| Hersteller | Ursprüngliche Strategie | Neue Entwicklung (Feb. 2026) | Geschätzte Mehrkosten / Verluste |
|---|---|---|---|
| Mercedes-Benz | Electric Only (wo möglich) | Weiterentwicklung S-/E-Klasse Verbrenner | Hohe F&E-Splittung |
| Porsche | 718 & Macan nur elektrisch | Neue Verbrenner-Nachfolger geplant | Verzögerungen im Ramp-up |
| Ford (USA) | EV-Fokus | Rückkehr zu Hybrid/ICE | ca. 20 Mrd. $ (über mehrere Quartale) |
| General Motors | Voll-Elektrifizierung | Stopp von Zuliefererverträgen | ca. 6 Mrd. $ |
Abschied vom „Jellybean“-Design: Die optische Korrektur
Neben der Technik korrigiert Mercedes auch die Optik. Die oft kritisierte „Eiform“ (Jellybean-Style) der EQ-Modelle, die primär auf maximale Aerodynamik getrimmt war, wird zurückgefahren. Zukünftige elektrische Modelle der C- und E-Klasse sollen wieder wie klassische Mercedes-Limousinen aussehen, um konservative Käufer nicht zu verschrecken.
Experten von Transport & Environment schätzen jedoch, dass trotz der Lockerungen rund 85 % des Marktes nach 2035 rein elektrisch sein werden – allein schon aus Kostengründen bei der Produktion. Die Frage bleibt, ob Mercedes die restlichen 15 % mit teuren Euro-7-Hybriden profitabel bedienen kann.
Fazit: Ein teurer Kompromiss für die Mobilitätswende
Die Aufweichung des Verbrenner-Aus 2035 ist kein reiner Segen für die deutsche Autoindustrie. Sie ist ein Warnsignal für instabile politische Rahmenbedingungen. Während Tesla und chinesische Hersteller wie BYD sich konsequent auf eine einzige Technologie konzentrieren, wird Mercedes gezwungen, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Das Ergebnis könnte eine Schwächung der globalen Wettbewerbsfähigkeit sein, während man in Brüssel noch über die exakten CO2-Prozentpunkte streitet.




