Elektroquatsch Folge 49: Tesla unter Druck, VWs Gefühle beim autonomen Fahren und der ID.Polo
In der 49. Folge des Elektroquatsch Podcasts, aufgenommen kurz vor Weihnachten am 18. Dezember, werfen Nico Pliquett und Constantin Hoffmann einen umfassenden Blick auf den Jahresendspurt der Elektromobilität. Von rechtlichen Hürden für Tesla in Kalifornien über philosophische Fragen bei VW bis hin zu harten Zahlen bei Ford – die Themenlage ist dicht.
Tesla: Zwischen Autopilot-Sorgen und Robotaxi-Fortschritten
Die Folge beginnt mit einer kontroversen Meldung aus den USA: Tesla droht in Kalifornien ein vorübergehender Verkaufsstopp. Hintergrund ist eine Einschätzung der kalifornischen Verkehrsbehörde DMV, die die Bezeichnungen "Autopilot" und "Full Self-Driving" (FSD) als irreführende Werbung einstuft. Tesla hat nun Zeit, die Namensgebung zu begründen, andernfalls könnte die Händlerlizenz für 30 Tage entzogen werden.
Gleichzeitig gibt es technologische Lichtblicke aus Texas. In Austin wurden erstmals Tesla Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer gesichtet. Elon Musk bestätigte, dass Tests nun ohne Insassen durchgeführt werden. Auch für Europa gibt es spannende Neuigkeiten:
- Model Y "L": Eine Langversion des Model Y wurde von der niederländischen RDW für Europa genehmigt. Es wird vermutet, dass dieses Modell aus Shanghai importiert wird und möglicherweise schon im ersten Quartal 2026 erscheint.
- Giga Berlin: Tesla plant offenbar eine Investition von 100 Millionen Euro, um die Zellproduktion in Grünheide hochzufahren, auch wenn die vollständige wirtschaftliche Produktion in Europa laut Reuters noch Herausforderungen birgt.
- Zuverlässigkeit: Im Consumer Report des Wall Street Journal landete Tesla erstmals in den Top 10 der zuverlässigsten Marken, wobei das Model Y als zuverlässigstes Elektroauto gelistet wurde.
Autonomes Fahren: Waymo expandiert, VW philosophiert
Während die Google-Tochter Waymo eine massive Finanzierungsrunde über 15 Milliarden US-Dollar anstrebt und die Expansion nach London und Tokio plant, geht Volkswagen in Wolfsburg einen anderen Weg. Der Konzern startet Testfahrten mit einem autonomen Forschungsfahrzeug ohne Lenkrad und Pedale. Kurios: Auf dem Beifahrersitz sitzt ein Sicherheitsfahrer mit einem Joystick.
Die Podcaster zeigen sich skeptisch gegenüber VWs Fokus. Anstatt primär das technische Problem des Fahrens zu lösen, konzentriert sich VW auf Leitfragen wie: "Wie verbringen Menschen ihre Zeit im Fahrzeug?" und "Was sind die Gefühle dabei?". Nico und Constantin kritisieren dies als potenzielles Ablenkungsmanöver, da grundlegende Software-Probleme oft noch nicht gelöst seien.
Der ID.Polo: Rückkehr eines Namens
Volkswagen bringt den legendären Namen Polo zurück – elektrisch. Der ID.Polo steht in den Startlöchern für 2026 und soll die Einstiegsmobilität ab 25.000 Euro bedienen. Das Modell basiert auf der weiterentwickelten MEB+ Plattform und wird in Spanien (Pamplona) produziert. Die technischen Eckdaten:
- Leistung: Startet bei 116 PS, über 135 PS bis hin zu 226 PS in der Top-Version.
- GTI-Version: Der ID.Polo GTI kommt mit 226 PS (nur 15 PS mehr als die nächstkleinere Version) und Frontantrieb.
- Batterie & Laden: Kleine Versionen erhalten 37 kWh (bis 90 kW Ladeleistung), größere Modelle 52 kWh (bis 130 kW Ladeleistung).
- Reichweite: Bis zu 594 km nach WLTP in der besten Konfiguration.
Personalbeben und Strategiewechsel
Bei Porsche und im VW-Konzern gibt es Bewegung: Oliver Blume gibt seine Doppelrolle auf und konzentriert sich ab Jahresende voll auf Volkswagen. Porsche richtet sich indes neu aus und setzt in Märkten wie China wieder stärker auf Verbrenner und Hybride, da der EV-Markt dort für deutsche Hersteller stagniert.
Auch bei Mercedes-Benz endet eine Ära: Chefdesigner Gordon Wagener verlässt das Unternehmen nach 30 Jahren. Sein Nachfolger wird Bastian Baudi von AMG. Zudem kündigt Mercedes die elektrische V-Klasse (VAN.EA) für März 2026 an.
Ein dramatischer Kurswechsel vollzieht sich bei Ford. Aufgrund schwächelnder E-Auto-Verkäufe und einer geänderten politischen Lage in den USA schreibt der Konzern rund 19,5 Milliarden US-Dollar ab. Der Nachfolger des F-150 Lightning sowie ein neuer Elektro-SUV wurden gestrichen; der Fokus verschiebt sich massiv auf Hybride.
Kurzmeldungen aus der Branche
- Audi: Der E5 (ein Audi ohne Ringe für den chinesischen Markt) wurde in Deutschland gesichtet. Er bietet starke Technik, ist aber vorerst nicht für Europa geplant.
- Smart: Der Smart #2, ein Nachfolger des Fortwo, wurde bestätigt und kehrt zu den Wurzeln als Zweisitzer zurück.
- Skoda: Die Marke feiert ein Rekordjahr und plant mit dem "Epic" ebenfalls einen Kleinwagen auf ID.Polo-Basis.
- Mercedes-Benz Charging: In Sindelfingen wurde ein neuer Premium-Ladepark mit 300 kW Ladepunkten eröffnet.
- Lucid & Rivian: Lucid plant ein Mittelklassemodell für 50.000 Dollar, während Rivian Level-4-Autonomie ankündigt.
Trotz vieler Herausforderungen blickt der VDA optimistisch auf das Jahr 2026 und erwartet steigende Verkaufszahlen bei Elektroautos in Deutschland.


