Elektroquatsch Folge 50: Jubiläum, Jahresrückblick und die Lage der Autoindustrie
In der 50. Jubiläumsepisode des Elektroquatsch Podcasts blicken Nico Pliquett und Constantin Hoffmann auf ein bewegtes Jahr 2025 zurück. Mit über 250.000 Hörern im ersten Jahr feiert das Duo einen Meilenstein und nutzt die Gelegenheit für eine Sonderepisode. Im Fokus stehen die persönlichen Tops und Flops des Jahres sowie umfangreiche Neuigkeiten aus der Welt der Elektromobilität, von Teslas Robotaxi Plänen bis hin zu strategischen Kehrtwenden bei Volkswagen.
Jahresrückblick: Die Tops und Flops 2025
Ein zentrales Thema der Jubiläumsfolge ist die persönliche Bilanz der beiden Moderatoren. Bei den Flops herrscht Einigkeit über den frustrierenden Stand der Infotainment Systeme deutscher Hersteller wie Porsche und Audi, die trotz größerer Bildschirme oft noch ruckeln und nicht mit der Smartphone Welt mithalten können. Ein weiterer Kritikpunkt ist die deutsche Debatte um autonomes Fahren. Während Tesla und Waymo in den USA faktenbasierte Fortschritte machen, verliert sich die Diskussion hierzulande oft in theoretischen Szenarien und fehlenden praktischen Umsetzungen seitens der traditionellen Hersteller. Besonders schwer wiegt zudem das politische Hin und Her bezüglich der E Auto Förderung. Die Unsicherheit durch angekündigte, aber nicht umgesetzte Prämien hat den Markt spürbar gelähmt und Käufer verunsichert.
Auf der positiven Seite, den Tops, stehen technologische Lichtblicke. Die funktionale Qualität der Tesla Full Self Driving Software (FSD) konnte vor Ort überzeugen und lässt auf zukünftige Entwicklungen hoffen. Auch die Erneuerung der gesamten Tesla Modellpalette wurde thematisiert, wenngleich hier die Meinungen auseinandergingen, ob die Updates als Top oder aufgrund fehlender großer Innovationen eher als Flop zu werten sind. Hoffnungsträger für die deutsche Industrie bleiben kommende Modelle wie der BMW iX3 oder der Mercedes GLC, die den Anschluss an die chinesische Konkurrenz wiederherstellen sollen.
Tesla: Robotaxis, Patente und Expansion
Tesla dominiert weiterhin die Schlagzeilen mit diversen Entwicklungen. Ein Video eines Tesla Mitarbeiters zeigte kürzlich eine Fahrt im Robotaxi mit einer Katze, was die Fortschritte der Technologie unterstreicht. Passend dazu sucht das Unternehmen in Kalifornien nun offiziell nach Sicherheitsfahrern und schult dafür Produktionsmitarbeiter um. Auch die App wurde für das Robotaxi Erlebnis mit neuen Animationen und Feedback Funktionen aktualisiert. Elon Musk deutete zudem an, dass FSD bald in den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügbar sein könnte.
Technisch interessant ist ein neues Patent für eine spezielle Windschutzscheiben Struktur. Mikrokegel sollen hierbei Lichteinfall schlucken und Kameras vor Blendung schützen, unterstützt von einer elektromechanischen Blende. Bei der Ladeinfrastruktur gibt es ebenfalls Neuerungen. Die V4 Supercharger könnten zukünftig auf die Displays an den einzelnen Säulen verzichten und stattdessen auf ein zentrales Bezahlterminal setzen. Dies spart Kosten und reduziert die Wartungsanfälligkeit, wobei die Nutzung der App weiterhin favorisiert wird.
Volkswagen: Strategiewechsel und interne Zweifel
Der Volkswagen Konzern sorgt mit fundamentalen Strategieänderungen für Aufsehen. Der Direktvertrieb für Elektroautos, das sogenannte Agenturmodell, wird beendet. VW kehrt zur unternehmerischen Stärke der Händler zurück, da das parallele System aus Verbrenner Vertrieb und Agenturmodell zu komplex und ineffizient war. Gleichzeitig kündigte Markenchef Thomas Schäfer an, dass Kleinwagen wie der Polo zukünftig nur noch elektrisch erscheinen werden, da Verbrenner in diesem Segment durch EU Abgasnormen unrentabel werden.
Im Bereich der Batterieproduktion meldet VW Fortschritte aus der Gigafactory Salzgitter. Technikvorstand Thomas Schmall betonte, dass man preislich bereits auf dem Niveau chinesischer Importzellen liege, sofern man die Zölle und Transportkosten einbeziehe. Allerdings gibt es auch interne Reibungspunkte. Eine Umfrage unter 3.000 Audi Entwicklern offenbarte große Skepsis gegenüber der Zusammenarbeit mit Rivian. Viele Mitarbeiter trauen dem Joint Venture die erfolgreiche Umsetzung der neuen Software Architektur nicht zu und bewerten die operative Geschwindigkeit des eigenen Konzerns kritisch.
Marktübersicht: Mercedes, BMW und Infrastruktur Debatten
Auch bei anderen Herstellern ist viel Bewegung. Mercedes verschärft seinen Sparkurs und muss in den USA aufgrund des Diesel Skandals erneut Zahlungen in Millionenhöhe leisten. Die Stimmung intern wird als angespannt beschrieben. BMW hingegen treibt die Elektrifizierung voran. Das Stammwerk in München wird komplett auf E Autos umgestellt, und Erlkönige des iX1 mit 800 Volt Technik wurden gesichtet. Porsche zieht sich derweil in China aus dem eigenen Ladenetz zurück und schließt rund 200 Stationen, was die schwierige Lage deutscher Premiumhersteller auf dem chinesischen Markt verdeutlicht.
Abschließend wurde eine kontroverse Studie des BDEW diskutiert, die den staatlich forcierten Ausbau der Ladeinfrastruktur als potenzielles Milliardengrab bezeichnet. Die Kritik lautet, dass der Bedarf überschätzt werde, da ein Großteil der Ladevorgänge privat stattfindet, und viele öffentliche Säulen unrentabel seien oder technisch veralten. Ein Wintertest von Green NCAP zeigte zudem, dass chinesische Modelle wie der BYD Sealion 7 bei Kälte effizienter arbeiten als europäische Konkurrenten wie der Cupra Born.


