In der 52. Ausgabe des Elektroquatsch Podcasts blicken wir auf eine Woche zurück, die vor Neuigkeiten kaum atmen konnte. Von überraschenden Preisstrategien bis hin zu technologischen Richtungswechseln bei deutschen Premiumherstellern – hier sind die Highlights.
Tesla: Modellpflege und Strategieanpassungen
Tesla dominiert erneut die Schlagzeilen. Still und heimlich wurde in Deutschland eine neue Model Y Variante eingeführt: "Maximale Reichweite Hinterradantrieb". Mit einem Preis von 46.990 € liegt sie nur knapp unter der Premium-Allrad-Variante, bietet aber beeindruckende 600 km (WLTP) Reichweite.
Blickt man nach China, erhält das Model Y dort endlich das langersehnte Interieur-Update: Der graue Dachhimmel ist Geschichte und weicht einem komplett schwarzen Innenraum, inklusive Dashboard-Leiste und einem auf 16 Zoll gewachsenen Display.
Gleichzeitig gibt es Wirbel um die Giga Factory Berlin. Berichte über eine mögliche Schließung oder Drosselung aufgrund von Lagerbeständen auf dem Flughafen Neuhardenberg wurden im Podcast stark angezweifelt. Die Produktionszahlen bleiben hoch, auch wenn ein Großteil der Fahrzeuge exportiert wird (u.a. nach Kanada, Indien und Israel).
Eine wichtige Änderung betrifft die Software: FSD (Full Self-Driving) ist ab sofort nicht mehr zum Kauf verfügbar, sondern nur noch im Abonnement. Dies deutet auf einen langfristigen Shift hin zu "Recurring Revenue" und einer breiteren Testbasis für die KI.
Der Markt bewegt sich: Kampfpreise und Retro-Charme
Während Tesla die Preise stabil hält, greift Dacia radikal an. Durch eine Rabattaktion fällt der Preis für den Dacia Spring auf unglaubliche 11.900 €. Damit wird Elektromobilität so günstig wie nie zuvor in Deutschland.
Volkswagen hingegen setzt auf Nostalgie. Der kommende "ID. Polo" (ID.2) wurde mit einem Retro-Display gezeigt, das einen klassischen Tachozeiger simuliert. Im Podcast sorgte dies für Diskussionen: Ist das eine nette Spielerei für Traditionalisten oder ein Rückschritt in der intuitiven, digitalen Darstellung von Geschwindigkeit?
Auch SAP setzt ein massives Zeichen: Ab 2026 werden nur noch reine Elektroautos als Dienstwagen zugelassen. Der Grund ist simpel: Laut Fuhrparkchef sind E-Autos mittlerweile in der Gesamtkostenrechnung (TCO) günstiger als Verbrenner.
Mercedes stoppt Level 3 – vorerst
Eine der größten Überraschungen der Woche kommt aus Stuttgart. Mercedes-Benz wird das Level 3 System (Drive Pilot) in der kommenden S-Klasse (ab 2026) nicht weiterführen. Das System, das als technologisches Aushängeschild galt, erwies sich als "Nebelkerze" mit zu vielen Einschränkungen (nur Autobahn, nur bis 95 km/h, nur bei gutem Wetter). Stattdessen konzentriert sich der Konzern nun auf robuste Level 2+ Systeme und langfristig auf echtes Level 4, ähnlich dem Ansatz von Tesla, Waymo und den chinesischen Herstellern.
Kuriose Euro NCAP Bewertungen
Für Kopfschütteln sorgten die aktuellen Euro NCAP Auszeichnungen. Die Kategorisierung wirkt willkürlich. Die Hosts vermuten, dass Kategorien geschaffen wurden, um möglichst viele Gewinner zu produzieren, was die Vergleichbarkeit für Konsumenten erschwert:
- Best Small Family Car: Mercedes CLA
- Best Large Family Car: Tesla Model 3 (obwohl fast baugleich zum CLA)
- Best Small SUV: Tesla Model Y
- Best Large SUV: Smart #5 (obwohl das Model Y länger ist)
Ladeinfrastruktur: Warnung vor Unwirtschaftlichkeit
Abschließend gab es ernste Worte von Alpitronic-CEO Philipp Senoner. Er warnte, dass die Auslastung öffentlicher Schnelllader in Europa derzeit nur bei 2 bis 8 Prozent liegt. Dies gefährdet die Wirtschaftlichkeit der Betreiber massiv. Die Lösung sieht er nicht in noch mehr Ladeparks an Autobahnen, sondern in einer besseren Abdeckung in Städten und einer höheren Anzahl an E-Autos, insbesondere auch im LKW-Bereich.


