Hongqi in der Sackgasse: Importeur-Aus nach schleppendem Start
Die Luxusmarke Hongqi zieht in Deutschland die Reißleine. Wie der bisherige Partner Hedin Automotive bestätigte, gehen der chinesische Automobilriese FAW und die schwedische Handelsgruppe künftig getrennte Wege. Der Grund ist so simpel wie schmerzhaft: Die prestigeträchtigen Modelle der „Roten Fahne“ fanden auf dem deutschen Markt bisher kaum Käufer. Während Hedin in anderen europäischen Märkten weiterhin für Hongqi aktiv bleibt, will die Marke den deutschen Vertrieb nun selbst in die Hand nehmen.
Der Start vor rund zwei Jahren war hochemotional: Mit dem massiven Elektro-SUV E-HS 9, der preislich bei stolzen 80.000 Euro ansetzte, wollte man das Premium-Segment aufmischen. Doch der Plan, ein flächendeckendes Händlernetz in deutschen Metropolen zu etablieren, ging nicht auf. Bis heute blieb es bei vereinzelten Standorten wie dem Showroom in Schwetzingen. Die mangelnde Sichtbarkeit und eine Produktpalette, die trotz günstigerer Modelle wie dem EH7 oder dem HS5 (ab 42.000 Euro) die deutschen Kunden nicht überzeugen konnte, führten nun zum Bruch.
Eigenvertrieb als letzte Chance für die Expansion
Hongqi folgt mit dem Schritt in den Eigenvertrieb dem Beispiel anderer chinesischer Hersteller, die nach ersten Gehversuchen mit Partnern mehr Kontrolle über Preisgestaltung und Markenauftritt gewinnen wollen. Das Timing ist kritisch: Auf der IAA 2025 verkündete die Marke ehrgeizige Ziele. Bis 2028 sollen 15 neue Elektro- und Hybridmodelle in Europa eingeführt werden. Ohne eine funktionierende Vertriebsstruktur in der größten Volkswirtschaft Europas sind diese Pläne kaum realisierbar.
"Wir haben uns getrennt. Hongqi wird die Rolle des Importeurs in Deutschland nun selbst übernehmen, um die Marke gezielter zu positionieren."
Die FAW-Gruppe, zu der Hongqi gehört, verfehlte 2025 ihr globales Absatzziel von einer halben Million Fahrzeugen nur knapp (ca. 460.000 Einheiten). Dennoch bleibt der Druck hoch. Designchef Giles Taylor betonte bereits mehrfach, dass ein eigenes Produktionszentrum in Europa das „oberste Ziel“ sei, um Zölle zu umgehen und die Lieferketten zu optimieren. Ob Deutschland dabei als Standort eine Rolle spielt, ist nach dem aktuellen Vertriebs-Debakel jedoch fraglicher denn je.
Hongqi Modell-Check: Anspruch vs. Realität
| Modell | Segment | Preis (ca.) | Status in Deutschland |
|---|---|---|---|
| E-HS 9 | Luxus-Elektro-SUV | ab 80.000 € | Wenig Zulassungen, Image-Träger |
| EH7 | Elektro-Limousine | ab 50.000 € | Neu im Portfolio |
| HS5 | Mittelklasse-SUV | ab 42.000 € | Preiseinstieg, kaum Präsenz |
Für Hedin Automotive bedeutet die Trennung eine weitere Verschlankung des Portfolios, nachdem man bereits 2024 die Importeursrolle für BYD in Deutschland abgeben musste. Die Gruppe konzentriert sich nun verstärkt auf Marken wie Mercedes-Benz, Hyundai und den Newcomer Xpeng. Für Hongqi hingegen beginnt jetzt das Experiment "Direktvertrieb" – in einem Markt, der für chinesische Luxusmarken derzeit so hart umkämpft ist wie nie zuvor.



