Hyundai in Europa: Strategische Ruhe statt Zulassungs-Hektik
Der europäische Automobilmarkt gleicht derzeit einem Hochdruckkessel: Regulierung, schwankende Nachfrage und der aggressive Vormarsch chinesischer Marken setzen die etablierten Player unter Zugzwang. Doch Hyundai-Europachef Xavier Martinet sendet im Gespräch mit der Automobilwoche ein Signal der Stabilität. Trotz stagnierender Neuzulassungen (ca. 535.000 Einheiten in Kern-Europa) sieht er die Marke hervorragend aufgestellt – vor allem, weil man die CO2-Ziele aus eigener Kraft und ohne externe Emissions-Pools erreicht hat.
Besonders im Fokus steht die "Gesundheit" des Geschäfts. Martinet betont, dass Hyundai sich bewusst von künstlich aufgeblähten Zulassungszahlen distanziert. In Deutschland wurde der Anteil an Eigenzulassungen 2025 gezielt auf etwa 30 Prozent reduziert. Das Ziel ist klar: Weg von taktischen Tageszulassungen, hin zu echten Privatkunden, bei denen die Marke bereits einen starken Marktanteil von 4,7 Prozent hält.
Fünf neue Modelle in 18 Monaten
Auch wenn der Absatz kurzfristig stabil bleiben soll, bereitet Hyundai im Hintergrund den nächsten großen Sprung vor. Innerhalb der nächsten anderthalb Jahre rollt eine Produktoffensive mit fünf neuen Modellen in den wichtigen Segmenten B (Kleinwagen) und C (Kompaktklasse) an. Während 2026 als Jahr der Konsolidierung gilt, erwartet Martinet ab 2027 spürbare Volumeneffekte durch die neuen Baureihen.
"Wettbewerb ist kein Risiko, sondern ein Ansporn – solange die Bedingungen fair bleiben. Wir punkten durch Design, Service und die Breite unseres Antriebsportfolios."
Gegenüber der neuen Konkurrenz aus Fernost gibt sich Martinet selbstbewusst. Hyundai müsse sich nicht verstecken, da man mit einer etablierten Service-Infrastruktur und einer hohen Markentreue punkten könne. Dennoch erkennt er an, dass der Preisdruck zunimmt. Die Antwort darauf ist eine engere Verzahnung mit dem Handel.
Der Faktor Mensch: Händler-Rendite und Margen-Streit
Ein wunder Punkt bleibt das Verhältnis zum stationären Handel. In Deutschland lag die durchschnittliche Händlerrendite 2025 bei mageren 0,85 Prozent – ein Wert, der deutlich unter dem europäischen Schnitt liegt. Hyundai hat auf die Kritik reagiert und die Grundmarge von sechs auf acht Prozent angehoben. Ein wichtiger Schritt, um die Partner bei Laune zu halten, denn für Martinet sind kurze Wege zum Service der entscheidende Vorteil gegenüber reinen Online-Playern.
Hyundai Performance-Check: Deutschland vs. Europa
| Kennzahl (2025) | Europa (Gesamt) | Deutschland |
|---|---|---|
| Neuzulassungen | ~ 535.000 (Stagnation) | 94.000 (- 3 %) |
| Marktanteil | 4,7 % (Privatmarkt) | 3,3 % (Gesamt) |
| Händlerrendite | Über Deutschland-Niveau | 0,85 % |
| Eigenzulassungsquote | Sinkend | ~ 30 % |
Für die kommenden zwei Jahre lautet das Motto: Durchhalten und Modernisieren. Hyundai setzt darauf, dass die Kunden den Wert eines funktionierenden Aftersales-Netzwerks schätzen lernen, wenn die ersten "Billig-Stromer" aus China ihre ersten Werkstattbesuche benötigen. Mit der anstehenden Modelloffensive ab 2027 will man dann wieder zum Angriff auf die Marktanteile übergehen.



