Klartext von Ionity: Stimmungskiller in Berlin und beim VDA
Jeroen van Tilburg, CEO des europäischen Schnellladenetz-Marktführers Ionity, findet deutliche Worte für die aktuelle Lage der Elektromobilität in Deutschland. In einem Interview mit dem Tagesspiegel kritisierte er die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) sowie den Verband der Automobilindustrie (VDA) für "verwirrende Signale". Diese mangelnde Klarheit bei der Antriebstechnologie der Zukunft verunsichere sowohl Investoren als auch Verbraucher – eine laut van Tilburg "gefährliche Mischung".
Die Konsequenz aus der Unzufriedenheit mit der Lobby-Arbeit: Ionity ist aus dem VDA ausgetreten. Der Ladesäulenbetreiber sieht seine Interessen nun besser im Verband E-Mobility Deutschland vertreten. Laut van Tilburg liegt das Problem nicht an der Technik oder der Ladeinfrastruktur, sondern an der politisch befeuerten, verhaltenen Stimmung im Land.
Zufriedene Fahrer und der Kosten-Check
Trotz der lautstarken Debatten um das Verbrenner-Aus zeichnet der Ionity-Chef ein positives Bild der Praxis: Ganze 92 Prozent der Elektroautofahrer seien mit ihrer Entscheidung zufrieden. Er plädiert dafür, die Erzählung zu ändern: E-Autos fahren schlicht besser und sind bei den Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) oft schon heute günstiger als Diesel oder Benziner.
Besonders für Flottenbetreiber, Taxis und Lkw sieht van Tilburg einen schnellen Marktwandel voraus, sobald die Kostenvorteile flächendeckend erkannt werden. Seine Warnung an die heimische Industrie ist deutlich: "Sollten die deutschen Autohersteller nicht mitziehen, müssen sie den chinesischen Anbietern das Feld überlassen."
Wirtschaftlichkeit: 70 Prozent der Schnelllader noch unprofitabel
Die aktuelle Auslastung der Ladesäulen in Deutschland liegt bei lediglich 15 Prozent – zu wenig, um die hohen Fixkosten effizient zu verteilen. Europaweit arbeiten derzeit etwa 70 Prozent der Schnelllader unprofitabel. Dennoch blickt Ionity optimistisch in die Zukunft: Das operative Ergebnis (EBITDA) ist seit drei Jahren positiv, und ein Gesamtergebnis in den schwarzen Zahlen wird innerhalb der nächsten Jahre erwartet.
| Ionity Strategie-Check | Ziel bis 2030 / Status Quo |
|---|---|
| Investitionsvolumen | ca. 600 Millionen Euro |
| Geplante Ladepunkte | 13.000 Einheiten |
| Neuer Fokus | Urbaner Raum (Einkaufszentren, Taxis) |
| Megawatt-Laden | bis zu 600 kW pro Ladepunkt |
Die Zukunft: 300 Kilometer Reichweite in 8 Minuten
Ionity setzt technologisch neue Maßstäbe und integriert das Megawattladen in sein Netzwerk. Mit der HYC 1000 Säule von Alpitronic können kompatible Fahrzeuge mit bis zu 600 kW laden. Das bedeutet: 300 Kilometer zusätzliche Reichweite in unter acht Minuten. Während die ersten Pilotstandorte in Frankreich stehen, folgt in Kürze der erste deutsche Megawatt-Standort im westfälischen Werne.
Neben den Autobahnen rückt nun der urbane Raum in den Fokus. Ionity will Schnellladen dort ermöglichen, wo Menschen ohne eigene Wallbox leben – etwa beim wöchentlichen Einkauf oder für Fahrdienstleister wie Uber. "Die Zukunft ist um die Ecke", so van Tilburg.
"Es ist nicht die Infrastruktur, die bremst. Es ist die verhaltene Stimmung, die durch politische Erzählungen befeuert wird. Wir müssen wieder über den Fahrspaß und die überlegene Effizienz sprechen."
Real-World-Impact: Was das für dich bedeutet
Für dich als Nutzer bedeutet die Ionity-Strategie vor allem mehr Komfort in der Stadt. Die Zeiten, in denen man nur an der Autobahn schnellladen konnte, neigen sich dem Ende zu. Wenn die 600-kW-Säulen flächendeckend kommen, wird das Laden nicht mehr länger dauern als ein herkömmlicher Tankvorgang – vorausgesetzt, dein Auto kann diese gewaltigen Ströme auch verarbeiten.



