Zeitenwende beim Ladeinfrastruktur-Spezialisten Jolt Energy: Unter der neuen Führung von CEO Jörg Lohr verabschiedet sich das Unternehmen endgültig von Autobahn-Ambitionen. Die neue Devise lautet „Urbanes High-Power-Charging“ (HPC). Mit batteriegestützten Schnellladern will Jolt gezielt die Lücken in Metropolregionen schließen und Pendler dort abholen, wo sie parken – mitten in der Stadt.
Bestandsaufnahme: Qualität vor Quantität
Nach seinem Amtsantritt im September 2025 hat Jörg Lohr bei Jolt Energy aufgeräumt. Sein Fazit ist ehrlich: Das Konzept war frühreif, aber die Umsetzung mangelhaft. Vor allem bei der Uptime und der allgemeinen Zuverlässigkeit der Ladepunkte gab es Defizite. Lohr stellt nun klar, dass nachhaltiger Erfolg nicht durch Investorenmillionen, sondern durch zufriedene Kunden entsteht. Der Fokus verschiebt sich daher von einer aggressiven Expansion hin zu einem stabilen, hochverfügbaren Netzwerk.
Die neue Standort-Strategie: Pendler im Visier
Jolt gibt den Kampf um die Autobahnen bewusst auf. Gegen Riesen wie Ionity oder Fastned will man nicht antreten. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf große Ballungsräume wie das Ruhrgebiet oder München. Die Logik dahinter: Es ist effizienter, 30 Ladepunkte in einer Stadt zu betreiben, als jeweils einen in 30 verschiedenen Städten.
Besonders im Fokus stehen die Pendlerachsen. Ziel ist es, Fahrern ohne eigene Wallbox zu Hause eine verlässliche Lademöglichkeit auf dem täglichen Heimweg zu bieten. Dabei setzt Jolt auf eine Mischung aus Standorten an Tankstellen (wie Esso) und Flächen auf öffentlichem Grund.
Technik-Check: Unabhängigkeit von ADS-TEC
Bisher war Jolt untrennbar mit der Batterietechnik von ADS-TEC Energy verbunden. Diese ermöglichte schnelles Laden (bis zu 320 kW) auch an einfachen Niederspannungsanschlüssen – ideal für enge Innenstädte. Doch Lohr bricht dieses Dogma nun auf:
- Batterie-Lösung: Bleibt Kernbestandteil für Standorte mit schwachem Netz.
- Direktanschluss: Überall dort, wo Mittelspannung verfügbar ist, wird künftig auf klassische HPC-Säulen ohne Pufferakku gesetzt.
- Hardware-Agnostik: Jolt prüft alternative Lieferanten aus Europa und Asien (z.B. ABB oder XCharge), um die Abhängigkeit zu reduzieren.
Wirtschaftlichkeit durch Werbedisplays
Ein kontroverses Thema bleiben die großen Digital-out-of-Home (DOOH) Displays an den All-in-One-Säulen. Während andere Anbieter an diesem Modell scheiterten, sieht Lohr hierin einen essenziellen Erlöskanal. Voraussetzung sei jedoch eine professionelle Vermarktung und eine garantierte Funktionsfähigkeit der Screens. Die Displays sollen künftig sogar ein Kriterium bei der Hardware-Auswahl werden: Wer keine Bildschirme bietet, fliegt aus dem Portfolio.
Jolt Energy Tarife & Daten (Stand Feb. 2026)
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Ladeleistung | Mindestens 150 kW (HPC) |
| Preisspanne | 0,45 € bis 0,79 € pro kWh (je nach Abo) |
| Fokus-Regionen | Berlin, München, Ruhrgebiet, Hamburg |
| Technik | Batteriegestützt (Niederspannung) & Klassisch (Mittelspannung) |
Forderungen an die Politik
Lohr spart nicht mit Kritik an den politischen Rahmenbedingungen. Er fordert mehr Kontinuität und eine klare Kommunikation pro Elektromobilität. Besonders der eingeschränkte Zugang zu öffentlichen Flächen in den Kommunen sei ein Hemmschuh. Private Investoren müssten die gleichen Chancen erhalten wie kommunale Versorger, sofern sie strikte Qualitätskriterien (Uptime) erfüllen.
Fazit: Konsolidierung als Chance
Jolt Energy positioniert sich als spezialisierter "Asset Heavy" Betreiber. Das bedeutet: eigene Flächen, eigene Hardware, eigene Verantwortung. In einem Markt, der sich gerade massiv konsolidiert, könnte genau dieser klare Fokus auf urbane Zentren und Pendlerströme der Schlüssel zur Profitabilität sein, die das Unternehmen noch für 2026 anstrebt.




