Blockade im Mieterland: Warum die Wallbox am Stellplatz auf sich warten lässt
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in deutschen Mehrparteienhäusern gilt als das "Nadelöhr" der Mobilitätswende. Eine aktuelle Befragung des Energiedienstleisters Ista zeigt nun das ganze Ausmaß der Herausforderungen: 63 Prozent der Entscheider in der Wohnungswirtschaft sehen in der technischen Machbarkeit die größte Hürde, dicht gefolgt von wirtschaftlichen Bedenken wie hohen Investitionskosten (56 %) und einer unklaren Amortisationsdauer.
Besonders kritisch wird das "Henne-Ei-Problem" bewertet: Mieter zögern beim E-Auto-Kauf wegen fehlender Lademöglichkeiten, während Vermieter erst investieren wollen, wenn ein deutlicher Bedarf angemeldet wird. Aktuell rechnen die Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre mit einem Ladebedarf von lediglich elf Prozent ihrer Mieterschaft.
Private Vermieter als Vorreiter – Kommunale hinken hinterher
Die Studie macht deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmensformen sichtbar. Private Wohnungsunternehmen treiben den Markt derzeit am stärksten voran:
- Private Unternehmen: 62 % verfügen bereits über Ladeinfrastruktur in mindestens einer Liegenschaft.
- Genossenschaften: 52 % haben bereits erste Projekte umgesetzt.
- Kommunale Unternehmen: Mit 48 % bilden sie derzeit das Schlusslicht beim Ausbau.
Interessant: Während bislang personalisierte 1-zu-1-Wallboxen dominieren, planen 60 Prozent der Genossenschaften künftig verstärkt auf (halb-)öffentliche Ladepunkte zu setzen, um die Effizienz der Stellplätze zu steigern.
"Vermeintlich hohe Kosten und lange Amortisationsdauern fordern die Branche heraus. Der 'Masterplan Ladeinfrastruktur 2030' setzt hier zwar an, aber Unternehmen müssen jetzt zukunftssichere Konzepte entwickeln, um Fördermittel rechtzeitig abzugreifen." – Christoph Klinck, Ista/Chargemaker.
Datenlücken verhindern wirtschaftliche Planung
Ein oft unterschätztes Problem ist die mangelnde Datengrundlage in den Bestandsliegenschaften. Nur 42 Prozent der Befragten kennen die tatsächliche Netzanschlussleistung ihrer Gebäude. Noch prekärer ist die Lage bei der Lastgangmessung: Lediglich 22 Prozent wissen, wie stark das Stromnetz vor Ort tatsächlich bereits ausgelastet ist. Ohne diese Daten ist die Installation intelligenter Lastmanagementsysteme, die das Netz vor Überlastung schützen, kaum möglich.
Die größten Hürden beim Ladeausbau im Vergleich
| Hürde | Anteil Nennungen (%) |
|---|---|
| Technische Machbarkeit | 63 % |
| Hohe Investitionskosten | 56 % |
| Geringer Mieterbedarf | 55 % |
| Brandschutzvorgaben | 52 % |
| Mangelnde Daten (Lastgang) | 78 % (Nicht-Wissen) |
Fazit: Gesetzlicher Druck als stärkster Treiber
Obwohl die Wirtschaftlichkeit oft angezweifelt wird, zwingen regulatorische Anforderungen wie das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) und die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) vor allem kommunale Träger zum Handeln. Langfristig könnte die Ladeinfrastruktur jedoch zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden: Fast jedes zweite private Wohnungsunternehmen sieht im Ladepunkt bereits heute eine signifikante Marktwertsteigerung der Immobilie.



