Geheimprojekt Phoenix: Nutzt Mercedes bald Geely-Technik für günstige E-Autos?
In der Automobilbranche brodelt die Gerüchteküche: Plant Mercedes-Benz den radikalen Bruch mit der Tradition, Fahrwerks- und Elektronikarchitekturen rein in Deutschland zu entwickeln? Berichten des asiatischen Fachportals 36kr zufolge arbeitet der Stuttgarter Autobauer unter dem Codenamen "Phoenix" an einer neuen globalen Plattform für kompakte Elektroautos. Das Brisante daran: Die technische Basis soll angeblich von Geely stammen.
Der Kostendruck steigt: Geely als technischer Geburtshelfer?
Obwohl Geely-Gründer Li Shufu seit Jahren einer der größten Einzelaktionäre von Mercedes-Benz ist, hielt sich der Technologietransfer bisher in Grenzen (abgesehen vom Smart-Joint-Venture). Die neue Strategie könnte dies ändern. Kern der Spekulationen ist die GEEA 4.0 (Geely Electronic & Electrical Architecture). Diese Plattform gilt als extrem kosteneffizient und technologisch hochmodern – zwei Faktoren, bei denen Mercedes im Einstiegssegment unter massivem Druck steht.
Laut Insiderberichten sollen Mercedes-Entwickler bereits Machbarkeitsstudien im Geely-Entwicklungszentrum in Hangzhou Bay durchgeführt haben. Ziel sei es, die Kostenkontrolle der Chinesen mit dem Premium-Anspruch der Schwaben zu verheiraten. Es wäre das erste Mal, dass Mercedes die Hoheit über eine Kernplattform primär nach China verlagert.
Dementi aus Stuttgart: Alles nur erfunden?
Mercedes-Benz reagierte prompt und deutlich auf die Berichte. Gegenüber der CnEVPost ließ das Unternehmen verlauten, dass die Meldungen über eine Zusammenarbeit an der Phoenix-Plattform "erfunden und unwahr" seien. Offiziell setzt Mercedes weiterhin voll auf die eigene MMA-Plattform (Mercedes Modular Architecture), die gerade erst im neuen CLA debütiert ist.
| Plattform | Status | Fokus |
|---|---|---|
| MMA (Inhouse) | Aktiv / Marktstart | CLA, GLA, GLB (High-End Entry) |
| Phoenix (Geely-Basis) | Gerücht / Dementiert | Maximale Kostenoptimierung |
| GEEA 4.0 (Geely) | Serienreif in China | Skalierbare E/E-Architektur |
Warum die Gerüchte dennoch einen Kern haben könnten
Auch wenn Mercedes aktuell dementiert, passt das Szenario in die langfristige Strategie. Konzernchef Ola Källenius hat das Forschungs- und Entwicklungszentrum in China zum "globalen Hauptsitz für Kompaktfahrzeuge" befördert. Zudem hat Mercedes die Entscheidung, die A-Klasse komplett zu streichen, revidiert. Ein Nachfolger ist bestätigt – und genau hier könnte eine kostengünstige Kooperations-Plattform ab 2030 wirtschaftlich Sinn ergeben, da die MMA-Architektur sehr komplex und teuer in der Produktion ist.
"Die Fahrzeugarchitektur von Geely bietet erhebliche Vorteile bei der Kostenkontrolle – ein Faktor, den Mercedes im hart umkämpften Kompaktsegment nicht ignorieren kann."
Sollte "Phoenix" doch Realität werden, wäre dies ein Eingeständnis, dass deutsche Ingenieurskunst im Preiskampf gegen chinesische Effizienz alleine nicht mehr ausreicht. Vorerst bleibt es jedoch beim offiziellen Nein aus Stuttgart, während man die Markteinführung der MMA-Modelle forciert.



