Mercosur-Fiasko: Wie die „BYD Changzhou“ VW in Bedrängnis bringt

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Mercosur-Fiasko: Wie die „BYD Changzhou“ VW in Bedrängnis bringt

Während das EU-Mercosur-Abkommen Anfang 2026 durch eine Entscheidung des EU-Parlaments in eine langwierige juristische Sackgasse geraten ist, schafft China Tatsachen: Die Ankunft des Riesenfrachters „BYD Changzhou“ in Argentinien markiert den Beginn einer neuen Ära. Mit massiven Marktanteilsgewinnen und zollfreien Importen überrennen chinesische Stromer die Bastionen der deutschen Automobilindustrie in Südamerika.

Zárate, Argentinien, Februar 2026: Ein weißer Riese schiebt sich in den Hafen. Die „BYD Changzhou“, ein Frachter mit Platz für über 7.000 Fahrzeuge, symbolisiert das, was Branchenkenner das „Mercosur-Fiasko“ nennen. Während sich Europa durch die Blockade des Freihandelsabkommens selbst lähmt, rollen tausende chinesische Elektroautos zollfrei auf einen Markt, den Volkswagen und Co. jahrzehntelang als ihr „Wohnzimmer“ betrachteten.

Selbstblockade in Brüssel: Der Mercosur-Deal vor dem Aus?

Eigentlich sollte 2026 das Jahr des Aufbruchs werden. Nach 25 Jahren Verhandlungen wurde das EU-Mercosur-Abkommen im Januar 2026 in Asunción feierlich unterzeichnet. Doch die Freude währte kurz: Nur wenige Tage später stimmte das EU-Parlament dafür, den Vertrag dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorzulegen. Experten rechnen mit einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren – eine Ewigkeit in der schnelllebigen E-Mobilitätsbranche.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Entscheidung als „geopolitisch bedauerlich“ und warnte vor dem Verlust der Glaubwürdigkeit als Handelspartner. In der Grauzone zwischen Unterzeichnung und Ratifizierung entsteht ein Vakuum, das Peking dankbar füllt.

„Statt Klarheit für Freihandel zu schaffen, sendet das Parlament ein Signal der Verunsicherung und Selbstblockade. Die EU sabotiert damit ihre eigenen Handelsziele.“ – Hildegard Müller, Präsidentin des VDA (Februar 2026)

Chinas Siegeszug in Zahlen: 10 % Marktanteil in Rekordzeit

Die Geschwindigkeit, mit der Marken wie BYD und GWM den südamerikanischen Kontinent erobern, ist atemberaubend. In Brasilien, dem größten Markt der Region, dominieren chinesische Hersteller mittlerweile die Segmente für Elektroautos (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) mit einem Marktanteil von fast 85 % innerhalb dieser Kategorien.

Kennzahl 2023 2025 (Ist) 2030 (Prognose)
Marktanteil China-Marken (Brasilien) 2,3 % ca. 10 % 20,0 %
Zulassungen BYD (Brasilien) Nische Top 10 Top 3
Import-Zollsatz Argentinien (E-Autos) Variabel 0 % (bis 2029) 0 %

VW schlägt zurück: Die 16-Milliarden-Real-Wette

Die deutschen Hersteller lassen sich nicht kampflos verdrängen. Volkswagen hat seine Investitionen in Brasilien massiv aufgestockt. Bis 2028 sollen insgesamt 16 Milliarden Real (ca. 2,5 Mrd. Euro) in die lokalen Werke fließen. Geplant sind 16 neue Modelle, wobei der Fokus auf Hybrid-Technologien und dem Ausbau der ID-Familie liegt. Doch während VW lokal produziert, nutzt die chinesische Konkurrenz aggressive Importstrategien und staatliche Subventionen.

Schattenseiten der Expansion: Arbeitsrecht im Fokus

Der Erfolg der Newcomer ist jedoch nicht unumstritten. In Brasilien (Bahia) deckten Medien im letzten Jahr „sklavenartige“ Arbeitsbedingungen in chinesisch geführten Werken auf. Während europäische Konzerne strengen Lieferkettengesetzen und Gewerkschaftsdruck (Forderung nach 5-Tage-Woche) unterliegen, scheinen chinesische Akteure oft „unter dem Radar“ der NGOs zu fliegen. Dies verzerrt den Wettbewerb zusätzlich.

Das „Trojanische Pferd“ der Zollbefreiung

Ein besonderer Dorn im Auge der Europäer ist die argentinische Zollpolitik. Bis 2029 erlaubt das Land die zollfreie Einführung von bis zu 250.000 Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Da chinesische Marken ihre Produktion in China massiv subventionieren und über eigene Schiffsflotten wie die „BYD Changzhou“ verfügen, können sie den argentinischen Markt mit Preisen fluten, bei denen lokal produzierte Fahrzeuge (oft aus Brasilien exportiert) nicht mithalten können. Die Folge: Argentiniens Exporte nach Brasilien brachen 2025 bereits um 10 % ein.

Fazit: Europa muss sich entscheiden

Die Ankunft der „BYD Changzhou“ ist ein Weckruf. Wenn Europa den Mercosur-Raum nicht als gleichberechtigten Partner gewinnt, wird der Kontinent zum Hinterhof der chinesischen Automobilindustrie. Für deutsche Autobauer wie Volkswagen steht viel auf dem Spiel: Südamerika ist nicht mehr nur Absatzmarkt, sondern das neue Schlachtfeld der globalen Mobilitätswende. Ohne das Freihandelsabkommen kämpfen VW, BMW und Mercedes mit stumpfen Waffen gegen eine hocheffiziente, staatlich gestützte Exportmaschine aus Fernost.

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