Nicht alles ist perfekt am türkischen Elektroauto: Meine 5 Kritikpunkte am TOGG T10X

Nico Pliquett

Nico Pliquett

Obwohl der TOGG T10X ein spannendes Konzept und viel Fahrspaß bietet, gibt es noch deutlichen Optimierungsbedarf bei der Effizienz, der teils englischen Software, dem überladenen Bedienkonzept, der Smartphone Integration und praktischen Details wie dem fehlenden vorderen Kofferraum.

Meine 5 Kritikpunkte am türkischen Elektroauto TOGG T10X

Moin Leute! In meinem letzten Test habe ich euch bereits die besten Eigenschaften des neuen TOGG T10X vorgestellt. Nun bin ich den Wagen ausgiebig gefahren und möchte euch die Dinge zeigen, die definitiv noch optimiert werden müssen. Grundsätzlich gefällt mir das Auto sehr gut, aber es ist eben der erste Wurf des Herstellers. Hier sind die Bereiche, in denen das Fahrzeug noch schwächelt.

1. Reichweite und Ladegeschwindigkeit

Die Hauptaufgabe eines Elektroautos ist es, mich zuverlässig ans Ziel zu bringen. Hier ist der Wagen leider nur Mittelmaß. Bei meiner Fahrt in der Stadt lag der Verbrauch bei 26,6 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, der historische Wert des Bordcomputers zeigte sogar 29,3 Kilowattstunden. Die Reichweite liegt selbst beim Modell mit großem Akku und Allradantrieb unter 500 Kilometern nach dem WLTP Standard.

Auch beim Laden gibt es Nachholbedarf. Das Auto nutzt 400 Volt Technologie und braucht 28 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent zu laden. Konkurrenten schaffen das in 18 Minuten. Andere Fahrzeuge laden zwar ähnlich langsam, bieten dafür aber eine deutlich bessere Effizienz.

2. Infotainment und Softwarefehler

Das Bedienkonzept im Innenraum ist schnell und innovativ, aber leider noch nicht perfekt auf den deutschen Markt abgestimmt. Zwar sind die meisten Texte auf Deutsch, die Navigation ist jedoch komplett auf Englisch. Auch nach mehreren großen Updates wurde die Sprache der Navigation bisher nicht angepasst.

Zusätzlich gibt es noch kleine Fehler im System. Der hauseigene App Store bietet bisher nur wenige Anwendungen und bei meinem Test hat eine installierte Foto App nicht richtig funktioniert. Ein weiteres störendes Detail ist der klassische Startknopf, der bei einem so modernen System, in dem man alles konfigurieren kann, überflüssig wirkt und beim Aussteigen unnötig stört.

3. Überladenes Bedienkonzept und Materialqualität

Obwohl das zentrale Touchdisplay gut funktioniert, hat man sich dazu entschieden, zusätzlich sehr viele physische Knöpfe zu verbauen. Hier ein kurzer Überblick der Bedienelemente, die sich teilweise billig anfühlen:

  • Ein klassischer Wahlhebel in der Mittelkonsole.
  • Knöpfe für die Rekuperation auf der Rückseite des Lenkrads.
  • Ein Drehknopf für die Lautstärke, der anfangs nicht funktionierte und aus einfachem Plastik besteht.
  • Große Touchfelder am Lenkrad, die beim Drücken unangenehm vibrieren.

Dazu kommt eine optisch unschön platzierte Kamera für die Gesichtserkennung. Die Entwickler haben viele gute Ideen gehabt, aber das Fahrzeug wirkt dadurch etwas überladen. Eine Reduzierung auf das Wesentliche wäre hier der bessere Weg gewesen.

4. Fehlendes Apple CarPlay und Android Auto

Für viele Käufer ist das ein absolutes Ausschlusskriterium: Der Wagen bietet weder Apple CarPlay noch Android Auto. Man kann sein Smartphone zwar für Medien und Telefonie verbinden, aber das war es auch schon. Die Entwickler scheinen hier auf ihr eigenes System und eine eigene tiefe Integration setzen zu wollen. Ob eine entsprechende Funktion jemals per Update nachgereicht wird, bleibt fraglich.

5. Kein vorderer Kofferraum und ein unpraktischer Schlüssel

Unter der Motorhaube gibt es zwar hochwertige Gasdruckdämpfer, aber leider keinen zusätzlichen Stauraum, also keinen sogenannten Frunk. Das ist schade, denn gerade deutsche Hersteller haben mittlerweile erkannt, wie praktisch dieser Platz ist. Immerhin ist der hintere Kofferraum groß und punktet mit einer elektrischen Heckklappe.

Ein weiteres Detail, das mich stört, ist der Schlüssel. Er besteht aus billigem Plastik und lässt sich haptisch kaum bedienen. Es fehlen kleine Erhebungen auf den Tasten, sodass ich jedes Mal genau hinschauen muss, ob ich das Auto gerade aufschließe oder abschließe. Das System zur automatischen Entriegelung bei Annäherung funktioniert zwar, aber der Schlüssel selbst liegt einfach nicht gut in der Hand.

Mein Fazit

Für eine junge türkische Firma hat TOGG ein wirklich solides Elektroauto auf die Beine gestellt. Das Konzept ist spannend und das Fahren macht großen Spaß. Es scheitert aktuell noch an kleineren Entscheidungen und Softwarefehlern. Ich bin sehr gespannt, was der Hersteller in Zukunft noch per Update nachliefern wird.

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