In Norwegen sind 96 % aller Neuwagen elektrisch – in Oslo ist das E-Auto längst der Standard. Doch ausgerechnet beim öffentlichen Laden in den Wohngebieten herrschte bisher ein ungerechtes System: Man zahlte nach Zeit, nicht nach Strom. Das ändert sich im Herbst 2026 grundlegend.
Schluss mit der „Lade-Lotterie“
Bisher wurden E-Auto-Fahrer in Oslo bestraft, wenn ihr Fahrzeug langsam lädt. Wer mit 3,7 kW an einer Säule hing, zahlte pro Stunde das Gleiche wie ein moderner 11-kW-Lader – bekam aber nur ein Drittel des Stroms. Der Osloer Stadtrat hat nun beschlossen: Ab Herbst 2026 wird nach Kilowattstunden (kWh) abgerechnet. Damit wird das Laden für Laternenparker endlich fair und transparent.
Das 3-Säulen-Preismodell: So setzt sich der Preis zusammen
Oslo führt ein dynamisches Modell ein, das drei Komponenten kombiniert. Damit will die Stadt sicherstellen, dass die Infrastruktur effizient genutzt wird und die Ladeplätze nicht als Dauerparkplätze missbraucht werden:
- Der Spotpreis: Die Kosten für den Strom basieren auf dem aktuellen Marktpreis (Börse) und werden täglich aktualisiert.
- Der Betriebszuschlag: Ein fester Betrag pro kWh (aktuell ca. 0,07 €) deckt die Kosten für Wartung und Netzausbau.
- Die zeitbasierte Parkgebühr: Hier wird es spannend. Es gibt keine "Blockiergebühr" erst nach vier Stunden, wie wir es in Deutschland kennen, sondern eine Parkgebühr ab der ersten Minute.
| Zeitraum & Ort (Mo-Sa, 09-20 Uhr) | Bis zur 5. Stunde | Ab der 5. Stunde |
|---|---|---|
| Innenstadt (Zentrum) | ca. 1,00 € / Std. | ca. 2,00 € / Std. |
| Außerhalb des Zentrums | ca. 0,90 € / Std. | ca. 1,80 € / Std. |
Nachts (nach 20 Uhr) und sonntags entfällt die Parkgebühr komplett – ideal für Anwohner.
Was Deutschland von Oslo lernen kann
In Deutschland kämpfen wir oft mit einer starren 4-Stunden-Regelung für Blockiergebühren. Wer um 18 Uhr sein Auto ansteckt, muss es theoretisch um 22 Uhr umparken, um horrende Strafen (oft 10-15 Cent pro Minute) zu vermeiden.
Oslos Modell ist cleverer: Durch die moderate, aber stetige Parkgebühr während der Geschäftszeiten wird ein natürlicher Anreiz zur Rotation geschaffen. Wer nur kurz lädt, zahlt wenig Parkgebühr. Wer den Platz blockiert, spürt das im Geldbeutel – aber ohne die in Deutschland üblichen „Strafschocks“ nach Ablauf einer Frist.
„Oslo zeigt: Elektromobilität in der Stadt funktioniert nur, wenn Laden und Parken getrennt betrachtet werden. Das neue Modell ist ein Kompromiss zwischen Fairness für Langsam-Lader und der nötigen Rotation in einer Millionenstadt.“
Die größte Hürde: Die Beschilderung
Interessanterweise ist nicht die Technik in den Ladesäulen das Problem, sondern die physische Welt. Rund drei Monate wird die Umstellung dauern, da Tausende Schilder an den Straßenrändern ausgetauscht werden müssen. In Norwegen ist die Preistransparenz direkt am Parkplatz gesetzlich vorgeschrieben.
Fazit von Elektroquatsch
Oslo beweist einmal mehr Mut zur Veränderung. Das neue Modell ist eine Blaupause für deutsche Kommunen, die mit zugeparkten Ladesäulen kämpfen. Die Kopplung an den Spotpreis sorgt zudem für echtes "Smart Charging" – wer nachts lädt, wenn der Wind weht, spart bares Geld. Wir hoffen, dass sich deutsche Stadtwerke hiervon eine Scheibe abschneiden, statt weiterhin auf starre Zeittarife oder drakonische Blockiergebühren zu setzen.




