Porsche-Krise in China: Jedes dritte Center schließt bis 2026

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Porsche-Krise in China: Jedes dritte Center schließt bis 2026

Porsche zieht in China die Notbremse: Nach einem dramatischen Absatzeinbruch von 60 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2021 halbiert der Sportwagenbauer bis Ende 2026 sein Händlernetz. Parallel dazu stellt Porsche sein eigenes Ladenetzwerk im Reich der Mitte ein und setzt zur Rettung der Marge auf eine überraschende Rückkehr zu Verbrenner-Modellen und lokale Forschung in Shanghai.

Die einstige Goldgrube China wird für Porsche zum Sanierungsfall. Mit einem Absatzminus von 26 Prozent im Jahr 2025 (nur noch ca. 42.000 Fahrzeuge) setzt sich der freie Fall des Stuttgarter Autobauers fort. Konzernchef Pan Liqi reagiert nun mit einem radikalen Kahlschlag: Das Händlernetz wird massiv zusammengestrichen und die bisherige Elektro-Strategie wird zugunsten von Verbrenner-Hybriden und lokalen Kooperationen neu kalibriert.

Radikaler Rückzug: Von 150 auf 80 Standorte

Die Zahlen sind alarmierend: War Porsche im Jahr 2021 mit fast 96.000 ausgelieferten Fahrzeugen noch unangefochtener Liebling der chinesischen Oberschicht, ist das Volumen bis heute um über 50 Prozent eingebrochen. Als direkte Konsequenz dünnt Porsche das Vertriebsnetz aus. Von den ursprünglich 150 autorisierten Verkaufsstellen im Jahr 2024 sollen bis Ende 2026 nur noch 80 übrig bleiben.

Erste prominente Schließungen wie das Zhengzhou Zhongyuan Porsche Center zeigen, dass selbst etablierte Standorte der finanziellen Schieflage nicht mehr standhalten konnten. Porsche übernimmt nun teilweise selbst die Verwaltung von Anzahlungen und Dokumenten, um das Vertrauen der Kunden nicht vollständig zu verlieren.

Strategiewechsel: Aus für das eigene Ladenetz

Ein deutliches Signal für den Kurswechsel ist das Ende der porsche-eigenen Ladeinfrastruktur. Ab dem 1. März 2026 stellt Porsche den Betrieb von rund 200 Premium-Ladestationen in China schrittweise ein. Statt auf teure Eigenlösungen setzt man künftig auf Kooperationen mit Drittanbietern. Dieser Schritt unterstreicht die neue Marschrichtung: Kostensenkung und Fokus auf das Wesentliche.

Porsche China im Zahlencheck

Kennzahl 2021 (Peak) 2025 Trend / Ziel 2026
Absatz (Fahrzeuge) 95.671 41.938 Stabilisierung durch Exklusivität
Händlerstandorte ca. 140 114 Reduzierung auf 80
Ladestationen (Eigene) Aufbau 200 0 (Einstellung ab März '26)

Rettung durch Verbrenner und "In China für China"

Interessanterweise rudert Porsche bei der reinen Elektro-Offensive zurück. Um der Kaufzurückhaltung entgegenzuwirken, sollen bis Ende 2026 neue Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Varianten des 718 und des Cayenne das Portfolio stützen. Da lokale Konkurrenten wie Xiaomi oder Yangwang (BYD) das E-Segment im Luxusbereich technisch und preislich dominieren, besinnt sich Porsche auf seine Kernkompetenz: hochemotionale Verbrennungsmotoren.

Gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in den Standort Shanghai. Das im November 2025 eröffnete Forschungs- und Entwicklungszentrum (F&E) soll mit über 300 Ingenieuren lokale Software-Lösungen entwickeln. Ziel ist es, die "German Engineering"-DNA mit dem rasanten digitalen Ökosystem Chinas zu verschmelzen.

"Wir durchlaufen eine Phase der Neukalibrierung. Unser Ziel ist nicht der maximale Absatz um jeden Preis, sondern eine wertorientierte Steuerung, die unsere Marge schützt." – Pan Liqi, CEO Porsche China.

Fazit: Porsche muss sich neu erfinden

Die Krise in China ist mehr als ein konjunkturelles Tief; sie ist ein Strukturwandel. Porsche opfert Masse für Marge und hofft, durch die Straffung des Netzes und die Rückkehr zu hybriden Antriebskonzepten die Exklusivität der Marke zu retten. Ob die Strategie "Weniger ist mehr" gegen die technologische Übermacht der chinesischen EV-Marken ausreicht, werden die nächsten 24 Monate zeigen.

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