Porsche im Umbruch: Mit "Strategie 2035" zurück zur Weltspitze
Hinter Porsche liegt ein Geschäftsjahr zum Vergessen. Während die Stuttgarter Sportwagenschmiede jahrelang von einem Rekord zum nächsten eilte, markiert 2025 einen harten Einschnitt: Der operative Gewinn brach von über 5 Milliarden Euro auf lediglich 413 Millionen Euro ein. Doch anstatt in Schockstarre zu verharren, bläst der neue Vorstandsvorsitzende Michael Leiters nun zur Generalüberholung. Das Ziel ist klar definiert: Porsche soll schlanker, schneller und vor allem begehrlicher werden.
Leiters, der das Amt erst im Januar übernommen hat, setzt dabei auf eine radikale Verschlankung der Hierarchien. Unter dem Credo „Value over Volume“ verabschiedet sich Porsche vom reinen Stückzahl-Wachstum. Besonders im schwierigen Marktumfeld China will man die Exklusivität wahren, anstatt sich auf ruinöse Preiskämpfe einzulassen. Die Neuausrichtung kostet kurzfristig Geld – allein 3,9 Milliarden Euro an Einmaleffekten belasteten die Bilanz –, soll aber das Fundament für eine hochprofitable Zukunft legen.
Zahlen-Check: Das Krisenjahr 2025 im Fokus
Die nackten Zahlen der Jahrespressekonferenz verdeutlichen die Schwere der Lage. Hohe Investitionen in die Transformation, US-Zölle und eine gebremste Elektrifizierungsstrategie haben tiefe Spuren hinterlassen. Dennoch zeigt sich Porsche finanziell robust genug, um die notwendigen Milliarden-Investitionen für die kommenden Jahre zu stemmen.
| Kennzahl | Geschäftsjahr 2024 | Geschäftsjahr 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Konzernumsatz | 40,08 Mrd. Euro | 36,27 Mrd. Euro | -9,5 % |
| Operatives Ergebnis | 5,64 Mrd. Euro | 413 Mio. Euro | -92,7 % |
| Umsatzrendite | 14,1 % | 1,1 % | -13,0 %-Punkte |
| Auslieferungen | 310.718 Fzg. | 279.449 Fzg. | -10,1 % |
Trotz des Absatzrückgangs gibt es einen Lichtblick bei der Elektromobilität: Der Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) stieg auf 22,2 Prozent. Dies zeigt, dass die Akzeptanz für Stromer aus Zuffenhausen trotz der allgemeinen Marktabkühlung wächst.
Modell-Offensive: Neue Segmente jenseits des Cayenne
Um die Margen wieder in den Porsche-typischen Bereich zu treiben, plant Michael Leiters eine Erweiterung des Portfolios nach oben. Die "Strategie 2035" sieht neue Derivate und Modelle vor, die preislich und exklusiv oberhalb der aktuellen Zweitürer sowie des Cayenne angesiedelt sind. Porsche will dort wachsen, wo die Renditen am höchsten sind – im absoluten Ultra-Luxus-Segment.
Dabei bleibt die Marke technologisch agnostisch. Der neue 911 Turbo S mit innovativer T-Hybrid-Technologie und der erst im November 2025 vorgestellte vollelektrische Cayenne – der stärkste Serien-Porsche aller Zeiten – zeigen, dass Performance unabhängig von der Antriebsart im Fokus steht. "Wir stehen für kompromisslos gute Sportwagen, die man selbst fahren will", betont Leiters. Auch für 2026 sind bereits "neue emotionale Derivate" angekündigt.
Ausblick 2026: Ein steiniger Weg zur Besserung
Für das laufende Jahr bleibt Porsche realistisch. Die geopolitischen Unsicherheiten, der Preisdruck in China und die Zollpolitik der USA werden weiterhin als Belastungsfaktoren gewertet. Dennoch rechnet Finanzchef Jochen Breckner mit einer deutlichen Erholung der operativen Rendite auf eine Bandbreite von 5,5 bis 7,5 Prozent.
"Wir nutzen die aktuellen Herausforderungen als Chance, um noch entschlossener zu handeln. Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen."
Die Rekalibrierung des Unternehmens wird auch 2026 noch dreistellige Millionenbeträge kosten. Doch für die Stuttgarter ist dies der notwendige Preis, um langfristig die Resilienz zu stärken und die technische Exzellenz zu sichern, für die der Name Porsche seit jeher steht.



