Green Charge Flex: Nissan Leaf-Akkus starten zweites Leben in Galicien
Der Hafen von Vigo im Nordwesten Spaniens wird zum Testfeld für die Kreislaufwirtschaft der Elektromobilität. Seit März 2026 versorgen zwölf ausgemusterte Hochvoltbatterien des Nissan Leaf eine neue, modulare Schnellladestation. Das Pilotprojekt mit dem Namen „Green Charge Flex“ wurde vom spanischen Spezialisten Little Electric Energy in Zusammenarbeit mit Nissan entwickelt. Es adressiert eines der größten Probleme beim Infrastrukturausbau: begrenzte lokale Netzkapazitäten an strategisch wichtigen Orten wie Häfen oder Industriearealen.
Die zwölf Batteriepacks, die jeweils ursprünglich eine Kapazität von 30 kWh besaßen, sind zu einem stationären Energiespeichersystem mit einer Gesamtkapazität von 300 kWh gebündelt. Dieser Speicher fungiert als Puffer: Er lädt sich langsam aus dem bestehenden Netz auf und gibt die Energie bei Bedarf schlagartig an wartende Elektrofahrzeuge ab. Damit können Lastspitzen abgefangen werden, die das lokale Stromnetz sonst überfordern würden.
Technische Details: Vier Ladepunkte und 240 kW Leistung
Die Anlage ist als Plug-and-Play-Lösung konzipiert und kann flexibel an verschiedenen Standorten installiert werden. Trotz der Verwendung gebrauchter Komponenten bietet die Station moderne Leistungsdaten, die den Anforderungen aktueller E-Autos gerecht werden:
- Schnellladen (DC): Bis zu 240 kW Leistung für kurzes Zwischenladen.
- Normalladen (AC): Bis zu 22 kW Leistung.
- Kompatibilität: Unterstützung der Standards CCS Typ 1, CCS Typ 2 und CHAdeMO (ideal für ältere Leaf-Modelle und moderne EU-Fahrzeuge).
- Kapazität: 300 kWh stationärer Puffer für mehrere Ladevorgänge hintereinander.
Ein Jahr Härtetest unter EU-Förderung
Das Projekt wird maßgeblich von der Europäischen Union und der spanischen Energieagentur IDAE finanziert. Die geplante Testphase von mindestens einem Jahr soll belastbare Daten darüber liefern, wie sich die Second-Life-Batterien im harten Hafenalltag verhalten. Nissan sieht darin einen entscheidenden Baustein seiner Nachhaltigkeitsstrategie: Batterien, die für den fahrzeuginternen Einsatz nicht mehr die volle Performance (meist unter 70-80 % Restkapazität) bieten, können in stationären Speichern noch viele Jahre wertvolle Dienste leisten.
"Mit Green Charge Flex zeigen wir, wie Kreislaufwirtschaft und Infrastrukturausbau Hand in Hand gehen. Wir entlasten die Netze und verlängern die Nutzungsdauer unserer Batterien massiv über den ersten Einsatz im Auto hinaus."
Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit
Für Ruben Blanco, CEO von Little Electric Energy, ist das System vor allem eine wirtschaftliche Lösung. An Standorten, an denen eine Verstärkung des Stromnetzes Monate dauern oder Millionen kosten würde, bietet das System eine sofortige Alternative. Da die Kosten für die gebrauchten Batterien deutlich unter denen neuer stationärer Speicher liegen, sinken die Investitionskosten für die Betreiber erheblich.
Fakten zum Pilotprojekt Vigo (Stand April 2026)
| Parameter | Details |
|---|---|
| Projektname | Green Charge Flex |
| Batteriequelle | 12x Nissan Leaf (je 30 kWh) |
| Gesamtspeicher | 300 kWh |
| Max. Ladeleistung | 240 kW (DC) / 22 kW (AC) |
| Standort | Hafen von Vigo, Spanien |
| Förderung | EU & IDAE (Spanien) |
Fazit: Blaupause für industrielle Ladelösungen
Das Projekt in Vigo ist mehr als nur eine Ladestation; es ist ein Beweis für die industrielle Skalierbarkeit von Second-Life-Konzepten. Sollte sich das System im kommenden Jahr bewähren, plant Little Electric Energy den Rollout an weiteren Standorten in ganz Europa. Für Nissan-Besitzer ist es zudem ein beruhigendes Signal, dass ihre Fahrzeugbatterien auch nach vielen Jahren auf der Straße noch einen messbaren ökologischen und ökonomischen Wert besitzen.



