Sixt-Chef geht auf Distanz: "Gut gemeinte Politik rutscht in Planwirtschaft ab"
Die Pläne der EU-Kommission, gewerbliche Flotten im Eiltempo zu elektrifizieren, stoßen beim Mobilitätsriesen Sixt auf massiven Widerstand. Geht es nach Brüssel, sollen Unternehmensflotten in Deutschland bis 2030 zu 83 Prozent aus emissionsfreien Fahrzeugen bestehen – bis 2035 sogar zu 95 Prozent. Konstantin Sixt warnte im Interview mit dem Handelsblatt nun vor den Folgen: Sollten die Fahrzeugkosten durch diese Quoten steigen, müssten die Kunden mit deutlich höheren Mietpreisen rechnen.
Besonders kritisch sieht der Münchner Vermieter die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und der Realität auf der Straße. Während 60 Prozent der Ladesäulen in nur drei Ländern (Deutschland, Frankreich, Niederlande) stehen, herrscht auf 80 Prozent des EU-Territoriums laut Sixt gähnende Leere. In Deutschland verfüge sogar jede zweite Kommune über keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt – ein K.O.-Kriterium für Mietwagenkunden auf Langstrecke.
Nadelöhr Flughafen: Infrastruktur hinkt hinterher
Mehr als die Hälfte des Sixt-Geschäfts wird an Flughäfen abgewickelt. Doch genau dort fehle es an der notwendigen Schnellladeinfrastruktur, um große Elektroflotten effizient zu managen. Viele Flughafenbetreiber seien technisch oder finanziell gar nicht in der Lage, den Ausbau bis 2030 zu stemmen. "Die Nachfrage folgt der Infrastruktur, nicht umgekehrt", betont Sixt und verweist darauf, dass Kunden in der Kurzzeitmiete aus Angst vor Ladeproblemen vermehrt wieder zum Verbrenner greifen.
"Wir sehen das Risiko, dass das geplante Verbrenner-Aus der EU durch die Hintertür verschärft wird, indem man gewerbliche Neuzulassungen bereits für 2030 faktisch auf Elektro zwingt."
Rückschlag beim E-Auto-Anteil: Nachfrage sinkt
Interessanterweise ist der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge in der Sixt-Flotte zuletzt wieder auf rund 20 Prozent gesunken. Das Unternehmen musste die Flottenzusammensetzung korrigieren, da die Kunden das Tempo der Transformation nicht mitgehen. Neben der Lade-Problematik belasten vor allem die hohen Abschreibungen und der unsichere Restwert von gebrauchten E-Autos das Geschäftsmodell. Sixt setzt daher verstärkt auf Buyback-Vereinbarungen mit Herstellern, um das finanzielle Risiko zu begrenzen.
Die geplanten EU-Quoten im Überblick (Entwurf 2026)
| Zieljahr | Geplante Quote (Emissionsfrei/arm) | Betroffener Bereich |
|---|---|---|
| 2030 | bis zu 83 % | Gewerbliche Flotten (Neuzulassungen) |
| 2035 | 95 % | Gewerbliche Flotten (Neuzulassungen) |
| Status Quo Sixt | ca. 20 % | Aktueller Flottenanteil (EU) |
Gefahr der Überalterung: Das "Frankreich-Szenario"
Sixt warnt davor, dass zu starre Quoten den gegenteiligen Effekt haben könnten: Wenn Elektroautos für Kunden unpraktisch oder zu teuer sind, nutzen Unternehmen ihre alten Verbrenner einfach länger. In Frankreich lässt sich dieser Trend bereits beobachten: Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge steigt, während die Neuwagenverkäufe zurückgehen. Für Sixt bleibt die Premiumstrategie mit deutschen Marken zwar Kern des Geschäfts, doch ohne einen massiven Ausbau der öffentlichen Schnelllader sieht der Vermieter die ambitionierten EU-Ziele zum Scheitern verurteilt.



