Härtetest im Eis: Der Slate-Pickup rüstet sich für den US-Markt
Während große Player wie GM ihre Elektro-Produktion drosseln, gibt das US-Startup Slate Vollgas. Der "No-Frills"-Pickup, der erst vor rund einem Jahr aus dem Stealth-Modus auftauchte, hat gerade seine Wintererprobung im Keweenaw Research Center in Michigan abgeschlossen. Das Ziel der von Jeff Bezos unterstützten Marke: Ein elektrisches Arbeitstier zu bauen, das nicht nur extrem günstig ist, sondern auch unter härtesten Bedingungen funktioniert.
Bei den Tests in Houghton County wurden die Prototypen einer Prozedur unterzogen, die jeden Mechaniker erschauern lässt: Nach einer Fahrt durch Schneematsch wurden die Fahrzeuge in Kältekammern bei -11 Grad Fahrenheit (-24 Grad Celsius) schockgefrostet. Das Ergebnis war eine massive Eiskruste, die den gesamten Wagen umschloss. Dennoch starteten die Systeme fehlerfrei, und die Testwagen verließen die Kammer aus eigener Kraft – ein wichtiger Meilenstein für die Zuverlässigkeit der thermischen Systeme.
Minimalismus als Erfolgsrezept
Der Slate-Truck verfolgt einen radikal anderen Ansatz als der luxuriöse Hummer EV oder der Ford F-150 Lightning. Er ist einfach, robust und verzichtet auf unnötigen Ballast. Die Karosseriepaneele sind unlackiert, und in der Basisversion sucht man elektrische Fensterheber vergeblich. Dieser Purismus ermöglicht einen Einstiegspreis, der laut aktuellen Schätzungen im mittleren 20.000-Dollar-Bereich liegen soll.
Nachdem die Slate-Mules bereits im vergangenen Jahr bei extremer Hitze und maximaler Anhängelast ihre thermische Stabilität unter Beweis stellen mussten, markiert der Wintertest den Abschluss der groben Validierung. Im Juni 2026 wird das Unternehmen die finalen Preise bekanntgeben, bevor Ende des Jahres die ersten Auslieferungen an US-Kunden starten.
"Wir bauen kein Lifestyle-Spielzeug, sondern ein Werkzeug. Der Slate-Truck muss bei minus 20 Grad genauso zuverlässig anspringen wie bei plus 40 Grad – und das zu einem Preis, den sich jeder Handwerker leisten kann."
Technische Daten: Slate Electric Truck (2026)
Die Spezifikationen des Slate unterstreichen seinen Charakter als ehrliches Nutzfahrzeug für den Nahverkehr und die Baustelle:
| Spezifikation | Standard Range | Extended Range |
|---|---|---|
| Antrieb | Heckmotor (RWD) | Heckmotor (RWD) |
| Leistung | 150 kW (201 PS) | 150 kW (201 PS) |
| Batteriekapazität | 52,7 kWh | 84,3 kWh |
| Reichweite (geschätzt) | ca. 240 km (150 Meilen) | ca. 385 km (240 Meilen) |
| Ladeanschluss | NACS (Tesla-Standard) | NACS (Tesla-Standard) |
| Preis (erwartet) | ab ca. 25.000 USD | noch offen |
Impact auf den US-Markt
Sollte Slate das Versprechen eines zuverlässigen Elektro-Pickups unter 30.000 Dollar einlösen, könnte dies den US-Markt für Nutzfahrzeuge nachhaltig verändern. Bisher waren Elektro-Pickups fast ausschließlich im hochpreisigen Luxussegment angesiedelt. Slate zielt direkt auf die Flottenbetreiber und Kleingewerbetreibenden ab, für die Betriebskosten und Anschaffungspreis an erster Stelle stehen. Die Wahl des NACS-Ladeanschlusses (Tesla-Standard) ab Werk unterstreicht zudem die Ambition, von Anfang an auf die beste Infrastruktur in Nordamerika zu setzen.


