Software-Glitch: Sprachbefehl schaltet Scheinwerfer während der Fahrt aus

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Software-Glitch: Sprachbefehl schaltet Scheinwerfer während der Fahrt aus

Ein gefährlicher Software-Fehler bei Lynk & Co führte in China zu einem Unfall, nachdem ein Sprachbefehl für die Innenraumbeleuchtung fälschlicherweise die Frontscheinwerfer während der Fahrt deaktivierte. Der Hersteller reagierte mit einem Notfall-Patch, doch Tests zeigen, dass auch andere Marken wie Zeekr von ähnlichen Sicherheitslücken betroffen sein könnten.

Gefährlicher Bug: Wenn die Sprachsteuerung das Licht ausknipst

Moderne Autos sind rollende Computer, und wie jedes smarte Device sind sie nicht immun gegen Software-Fehler. Doch während ein hängendes Infotainment-System meist nur nervig ist, lebensgefährlich wurde es nun für einen Fahrer in China. Ein missverstandener Sprachbefehl im neuen Lynk & Co Z20 (in Europa als Lynk & Co 02 bekannt) führte dazu, dass der Wagen mitten während der Fahrt die Hauptscheinwerfer ausschaltete – mit fatalen Folgen.

Der "Blackout"-Befehl: Analyse eines Unfalls

Der Vorfall, der durch die Dashcam des Fahrzeugs dokumentiert wurde, klingt bizarr: Der Fahrer bat den digitalen Assistenten lediglich darum, die Leseleuchten im Innenraum auszuschalten. Das System interpretierte diesen natürlichsprachlichen Befehl jedoch falsch und deaktivierte die gesamte Fahrzeugbeleuchtung inklusive der Scheinwerfer. Ein Versuch des Fahrers, das Licht per Sprachbefehl wieder einzuschalten, schlug fehl – das System meldete lediglich, die Operation könne nicht durchgeführt werden. Kurz darauf rammte der Wagen im Dunkeln einen Mittelstreifen.

Fahrzeugmodell Marktname (EU) Status des Fehlers
Lynk & Co Z20 Lynk & Co 02 Notfall-Patch (OTA) veröffentlicht
Zeekr (diverse) Zeekr 001 / X Potenziell betroffen (Nutzerberichte)
Deepal - Sicherheitslücke bei "Alle Lichter aus" bestätigt

Kein Einzelfall: Auch Zeekr und Deepal betroffen

Nachdem der Vorfall in den sozialen Medien (Weibo) die Runde machte, testeten Besitzer anderer Marken ihre Fahrzeuge auf ähnliche Schwachstellen. Erschreckendes Ergebnis: Bei Marken wie Zeekr und Deepal gelang es ebenfalls, durch pauschale Befehle wie "Schalte alle Lichter aus" die eingebauten Sicherheitsmechanismen zu umgehen. Dass eine KI-gesteuerte Sprachsteuerung kritische Sicherheitssysteme wie das Fahrlicht während der Fahrt ohne physische Bestätigung deaktivieren kann, offenbart eine eklatante Lücke im Software-Design.

"Programmierung ist keine perfekte Wissenschaft. Aber dass ein uneindeutiger Sprachbefehl eine technische Sperre für sicherheitskritische Systeme überschreiben kann, ist ein Alarmsignal für die gesamte Branche." — Technik-Analyse zum Lynk & Co Glitch

Reaktion des Herstellers: Notfall-Update

Lynk & Co reagierte prompt auf den medialen Druck. Mu Jun, stellvertretender General Manager für den Vertrieb, bestätigte am Donnerstag, dass bereits ein Over-the-Air-Update (OTA) ausgerollt wurde. Dieses korrigiert die Logik der Sprachsteuerung: Befehle zur Deaktivierung der Beleuchtung werden nun ignoriert, wenn sich das Fahrzeug in Bewegung befindet oder die Umgebungsbedingungen (Dunkelheit) dagegen sprechen.

Real-World-Impact: Smart-Device-Probleme im Auto

Der Vorfall ist eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass Autos durch die zunehmende Vernetzung auch die Probleme von Smartphones erben. Traditionelle Fahrzeugsicherheit basierte auf physisch verriegelten Systemen. In der Ära von "Software-defined Vehicles" müssen Ingenieure sicherstellen, dass KI-Modelle niemals die Kontrolle über Basisfunktionen wie Bremsen, Lenkung oder Licht erhalten, ohne dass eine plausible Logikprüfung im Hintergrund stattfindet.

Ob auch europäische oder US-amerikanische Modelle von Lynk & Co oder anderen Geely-Marken betroffen sind, ist aktuell noch unklar. Es ist jedoch ratsam, im Zweifel auf manuelle Schalter zurückzugreifen, statt sicherheitsrelevante Funktionen rein der Spracheingabe zu überlassen.

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