Es ist eine finanzielle Kernschmelze von historischem Ausmaß: Der Stellantis-Konzern (u.a. Jeep, Fiat, Ram, Opel) hat am 6. Februar 2026 eine gigantische Abschreibung in Höhe von 22,2 Milliarden Euro (rund 26 Milliarden US-Dollar) bekannt gegeben. Der Grund? Eine massive Fehlkalkulation bei der Geschwindigkeit der Mobilitätswende. Während Konkurrenten wie Tesla weiter investieren, kehrt Stellantis nun teilweise zu Verbrenner-Wurzeln zurück.
Strategie-Reset: Kunden wollen „Wahlfreiheit“ statt E-Zwang
Stellantis-CEO Antonio Filosa, der das Ruder im Sommer 2025 übernahm, räumte in einem emotionalen Statement Fehler der Vergangenheit ein. Die bisherige Strategie unter Carlos Tavares habe das Tempo der Energiewende völlig überschätzt und die realen Bedürfnisse der Kunden aus den Augen verloren.
Die Konsequenz: Stellantis streicht das Ziel, in Europa bis 2030 nur noch E-Autos zu verkaufen. Stattdessen setzt man auf das Motto „Freedom of Choice“. Das bedeutet einen bunten Mix aus hocheffizienten Verbrennern, Plug-in-Hybriden (PHEV), Range-Extender-Fahrzeugen (EREV) und Batteriefahrzeugen (BEV) – je nachdem, was der Markt tatsächlich kauft.
„Die heute angekündigten Kosten spiegeln die Folgen einer Überschätzung der Energiewende wider, die uns von den realen Wünschen und Möglichkeiten unserer Kunden entfernt hat.“ – Antonio Filosa, CEO Stellantis
Ausstieg aus Batteriewerk in Ontario
Ein prominentes Opfer des Strategiewechsels ist das Mega-Batteriewerk „NextStar Energy“ im kanadischen Windsor. Stellantis verkauft seinen 49-Prozent-Anteil an den Partner LG Energy Solution – für einen symbolischen Preis von nur 100 US-Dollar. Damit verabschiedet sich der Konzern von der direkten Beteiligung an der Batteriezellfertigung in Nordamerika, bleibt aber als Kunde an Bord, um das finanzielle Risiko der Fabrikauslastung auf LG abzuwälzen.
Die Rückkehr der Legende: V8 statt Volt
Besonders Fans US-amerikanischer PS-Monster horchen auf: Der eigentlich bereits totgesagte HEMI V8-Motor kehrt 2026 in den Ram 1500 zurück. Gleichzeitig wurde die Entwicklung des rein elektrischen Ram 1500 REV offiziell eingestellt. Stellantis begründet dies mit mangelnder Rentabilität und den veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen in den USA.
Finanzieller Scherbenhaufen: Die Zahlen im Überblick
| Posten | Betrag / Status |
|---|---|
| Gesamtabschreibung | 22,2 Mrd. € ($26 Mrd.) |
| Netto-Verlust H2 2025 (prognostiziert) | ca. 19 - 21 Mrd. € |
| Dividende 2026 | Komplett gestrichen |
| Börsenwert-Verlust (Tag der Meldung) | -25 % |
| Zukunftsinvestition USA | $13 Mrd. in 4 Jahren (Fokus Hybrid/ICE) |
Sanierungsplan: Hybrid-Anleihen und Effizienz
Um die Bilanz zu stabilisieren, hat der Vorstand die Ausgabe von Hybridanleihen im Wert von bis zu 5 Milliarden Euro genehmigt. Zudem wird das Personal in Europa weiter reduziert, was allein Kosten von 1,3 Milliarden Euro verursacht. Filosa betitelt 2026 als das „Jahr der Exekution“ – Kritiker an der Börse sprechen eher von einem Jahr des Überlebens.
Fazit: Ein Weckruf für die Branche
Der Stellantis-Schock zeigt: Die Transformation zur Elektromobilität ist kein Selbstläufer. Während Premiummarken wie Porsche (Cayenne Electric) und innovative Player wie CATL (Natrium-Akku) voranschreiten, kämpfen die Volumenhersteller mit der Preissensibilität der Masse. Für Stellantis bedeutet der Reset den Rückzug in die Komfortzone des Verbrenners – ein riskanter Schritt, falls die Kraftstoffpreise oder Emissionsvorgaben in den kommenden Jahren wieder anziehen.




