Studie zeigt: Deutsche Autoindustrie will am Verbrenner-Aus festhalten
Eine gemeinsame Pilotstudie des Forschungsprojekts EMPOCI an der Universität Sussex und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) liefert neue Erkenntnisse zur Transformation der deutschen Automobilbranche. Entgegen der politischen Debatte um eine Lockerung des Verbrenner-Ausstiegs spricht sich eine klare Mehrheit der befragten Führungskräfte für verlässliche Rahmenbedingungen und gegen die Abschwächung der CO2-Grenzwerte aus.
Gespaltene Branche: Vorreiter fordern Planungssicherheit
Die Umfrage unter 74 Führungskräften aus der automobilen Wertschöpfungskette zeichnet das Bild einer zweigespalteten Industrie. Während rund 60 Prozent der Unternehmen als „Vorreiter“ gelten und ihren Transformationsprozess bereits weitgehend abgeschlossen oder fortgeschritten haben, stehen andere noch am Anfang („Nachzügler“). Die Vorreiter fordern die Beibehaltung der EU-Vorgaben, um ihre Milliardeninvestitionen abzusichern. Eine Aufweichung der CO2-Ziele würde vor allem den Nachzüglern nützen, jedoch die Innovationsdynamik der Vorreiter ausbremsen.
Forderungen der Industrie im Überblick
| Forderung / Maßnahme | Zustimmung der Unternehmen |
|---|---|
| Staatliche Investitionen (Bildung, Forschung, Innovation) | > 80 % |
| Senkung der Strompreise für alle | > 80 % |
| Erhalt der CO2-Flottengrenzwerte / Verbrenner-Aus ab 2035 | > 60 % (Vorreiter fordern Beibehaltung) |
| Flankierende Maßnahmen zur Stärkung der E-Auto-Nachfrage | > 80 % |
Glaubwürdigkeit der Politik als Schlüsselfaktor
Die Forschenden betonen, dass abrupte politische Kurswechsel – wie das Auslaufen der E-Auto-Förderung Ende 2023 – das Vertrauen der Investoren geschwächt haben. Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie im globalen Innovationsrennen zu sichern, sei ein stabiler und glaubwürdiger politischer Rahmen essenziell.
"Gerade jetzt, wo in Deutschland und auf EU-Ebene über Flottengrenzwerte und den Ausstiegspfad aus der Verbrennertechnologie diskutiert wird, sollte Deutschland nicht nur auf die Stimmen der Nachzügler hören, sondern auch die Unternehmen ernst nehmen, die bereits in die Elektromobilität investiert haben." – Prof. Dr. Karoline Rogge, Fraunhofer ISI / Universität Sussex.



