Vorbei mit dem Model S (und dem Model X)! Es wird zukünftig kein Premium-Auto mehr von Tesla geben

Nico Pliquett

Nico Pliquett

Tesla stellt die Produktion von Model S und Model X im Frühjahr zugunsten des Roboters Optimus ein, da sinkende Verkaufszahlen und der Fokus auf autonomes Fahren die Premium-Modelle verdrängen, während gleichzeitig der Energiesektor massiv wächst.

Ende einer Ära: Tesla stellt Produktion von Model S und Model X ein

Es ist eine Nachricht, die viele Tesla-Fans und Enthusiasten schwer trifft: Tesla wird die Produktion seiner Flaggschiff-Modelle, dem Model S und dem Model X, einstellen. Elon Musk hat angekündigt, dass die Fertigung dieser Fahrzeuge im Werk in Fremont voraussichtlich im März oder April dieses Jahres enden wird. Während der Tesla Roadster weiterhin als technologisches Aushängeschild geplant ist und im April vorgestellt werden soll, weicht die Produktionslinie der beiden Premium-Modelle einer neuen Priorität: dem humanoiden Roboter Optimus.

Fokus auf Autonomie statt Luxus-Limousinen

Der strategische Wechsel ist radikal. Tesla entfernt sich von klassischen Premium-Fahrzeugen mit hoher Leistung und manuellem Fahrspaß hin zu einer vollständigen Ausrichtung auf autonomes Fahren. Ein 1.000-PS-Auto wie das Model S Plaid passt laut der neuen Firmenphilosophie nicht mehr in ein Portfolio, das von autonomen Robotaxis dominiert werden soll. Diese benötigen weder die brachiale Leistung noch die klassischen Attribute eines Fahrerautos.

Die Entscheidung begründet sich auch in den Verkaufszahlen. Tesla verzichtet weitgehend auf klassisches Marketing, während Wettbewerber wie Mercedes, Porsche oder Audi massiv in Werbung und Leasingangebote investieren. Ein Vergleich der Marketingausgaben verdeutlicht die unterschiedlichen Strategien:

  • Mercedes-Benz: Investiert rund 9 % des Umsatzes in Marketing und Branding.
  • Tesla: Investiert unter 1 % des Umsatzes in Marketing und setzt fast ausschließlich auf das Produkt selbst.

Dramatischer Rückgang der Produktionszahlen und der Cybertruck-Faktor

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen aus dem Earnings Call offenbart die wirtschaftlichen Hintergründe dieser Entscheidung. Die Produktionszahlen sind in den relevanten Segmenten deutlich zurückgegangen. Besonders die Kategorie der "sonstigen Modelle" (Model S, Model X, Cybertruck und Semi) zeigt eine besorgniserregende Entwicklung, die darauf hindeutet, dass auch der Cybertruck weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Kategorie Produktionszahlen (Letztes Jahr) Veränderung zum Vorjahr
Model 3 / Model Y 1,6 Millionen -5 %
Andere Modelle (S, X, Cybertruck, Semi) 53.900 -43 %

Die Analyse dieser Zahlen ist ernüchternd: Tesla gab die Kapazität für Model S und X in Fremont stets mit 100.000 Fahrzeugen an. Die Kapazität für den Cybertruck in Texas sollte bei 250.000 liegen. Dass insgesamt nur 53.900 Fahrzeuge dieser Gruppen produziert wurden, deutet darauf hin, dass der Cybertruck die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Auch in Deutschland sind die Zulassungszahlen für das Model S massiv eingebrochen, von teilweise über 300 Einheiten pro Monat (Dezember 2022) auf einstellige Werte in einigen Monaten des Jahres 2023.

Lichtblick: Energiesparte und Infrastruktur

Während die Fahrzeugsparte mit Herausforderungen kämpft, verzeichnet Tesla in anderen Bereichen massives Wachstum. Besonders der Energiesektor (Tesla Energy) entwickelt sich zu einer tragenden Säule des Unternehmens.

  • Energiespeicher: Anstieg der installierten Kapazität von 31,4 GWh (2024) auf 46,7 GWh (2025), ein Plus von 49 %.
  • Supercharger-Standorte: Weltweit 8.182 Standorte (+17 %).
  • Ladesäulen: Insgesamt 77.682 Anschlüsse (+19 %).
  • Service-Standorte: Weltweiter Ausbau auf 1.553 Filialen.

FSD und die Wette auf die Zukunft

Bezüglich der Software "Full Self-Driving" (FSD) gab es leichte Verwirrung bei den Zahlen. Eine Tabelle wies 1,1 Millionen Abonnenten aus, während der CFO von 330.000 aktiven Abonnements sprach. Dies lässt darauf schließen, dass etwa 770.000 Nutzer das Paket in der Vergangenheit einmalig gekauft haben. Ab Mitte Februar wird die Kaufoption entfallen und FSD nur noch als Abonnement verfügbar sein.

Tesla geht eine riskante Wette ein: Der Verzicht auf klassische Modellpflege und Marketing zugunsten eines technologischen Vorsprungs beim autonomen Fahren. Sollte diese Technologie marktreif werden, wäre Tesla der Konkurrenz Jahre voraus. Bis dahin müssen Fans jedoch Abschied nehmen vom Model S und Model X, die als reine Liebhaberstücke in die Geschichte eingehen werden.

Winter-Test am Rande: Unabhängig von den Hiobsbotschaften zeigte ein kurzer Test im Schnee, dass die Traktionskontrolle des Model S Plaid im "Schlupfstart"-Modus sowie im "Track Mode" die Reifen erwartungsgemäß durchdrehen lässt, was die technischen Spielereien des scheidenden Modells noch einmal unterstreicht.

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