Margen-Check bei VW: Elektroautos holen bei der Profitabilität auf
Die Transformation zur Elektromobilität war für Volkswagen bisher ein kostspieliges Unterfangen, doch die Zahlen beginnen sich zu stabilisieren. Wie Konzern-Finanzchef Arno Antlitz im Rahmen der aktuellen Quartalszahlen bekannt gab, erreichen moderne Stromer wie der kommende ID.2 Cross bereits 70 bis 80 % der Gewinnmarge vergleichbarer Verbrennermodelle. Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den ersten ID-Generationen, zeigt aber auch, dass die "E-Lücke" noch nicht vollständig geschlossen ist.
Der Weg zur vollen finanziellen Gleichberechtigung führt laut Antlitz über radikale Kostensenkungen in der Produktion. Während die aktuellen Plattformen MEB (Mainstream) und PPE (Premium) die Basis bilden, ruhen die Hoffnungen für die Zeit nach 2028 auf einer völlig neuen Architektur. Erst mit dieser technologischen Neuausrichtung will VW die Profitabilität auf das Niveau bringen, das Aktionäre von den klassischen Benzin- und Dieselmodellen gewohnt sind.
SSP-Plattform: Der Hebel für 20 % weniger Kosten
Das Kürzel SSP steht für "Scalable Systems Platform" und ist das Herzstück der zukünftigen VW-Strategie. Ziel ist es, die Komplexität massiv zu reduzieren und die Produktionskosten um bis zu 20 % im Vergleich zum heutigen MEB-Standard zu senken. Ursprünglich früher geplant, wird die SSP-Architektur nun gegen Ende des Jahrzehnts erwartet. Sie soll die aktuelle Zersplitterung der Plattformen beenden und vom Kleinwagen bis zum Luxus-Audi alles abdecken.
| Kennzahl / Plattform | Status & Zielsetzung |
|---|---|
| Aktuelle Marge (E-Auto) | 70 - 80 % im Vergleich zum Verbrenner |
| Ziel-Marge (Konzern 2030) | 8 % bis 10 % operative Rendite |
| Einsparpotenzial SSP | ca. 20 % geringere Produktionskosten |
| Prognose Rendite 2026 | 4,0 % bis 5,5 % (Steigerung zu 2025) |
Real-World-Impact: Warum günstigere Batterien den Unterschied machen
Ein wesentlicher Faktor für die verbesserte Marge bei Modellen wie dem ID.2 Cross ist der Wechsel der Zellchemie. VW setzt verstärkt auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) sowie ein effizientes "Cell-to-Pack"-Design. Da LFP-Akkus ohne teures Kobalt und Nickel auskommen, sinken die Materialkosten pro Kilowattstunde massiv. Für den Endkunden bedeutet das: Elektromobilität wird in der Anschaffung günstiger, ohne dass der Hersteller bei jedem verkauften Fahrzeug draufzahlt.
"Wir erwarten, dass die Margen erst mit unserer zukünftigen SSP-Plattform vollständig vergleichbar sein werden. Bis dahin hilft uns die MEB-Plus-Architektur, die Verwässerung der Gewinne zu minimieren." – Arno Antlitz, CFO Volkswagen Group.
Kostendisziplin als Überlebensstrategie
Die Herausforderungen bleiben jedoch groß. Während der Absatz in Nordamerika (-10 %) und China (-8 %) im Jahr 2025 schwächelte, muss Konzernchef Oliver Blume den Spagat zwischen Milliarden-Investitionen und strikter Ausgabendisziplin meistern. Die Prognose für 2026 sieht eine operative Marge von bis zu 5,5 % vor – ein wichtiger Zwischenschritt, um das langfristige Ziel von 10 % bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen.
Um diese Ziele zu stützen, fokussiert sich VW kurzfristig auf renditestarke Segmente wie SUVs und Oberklasse-Stromer. Gleichzeitig wird an digitalen Erlösquellen gearbeitet, um die Hardware-Margen durch Software-Abonnements zu ergänzen. Verbrennungsmotoren dienen derzeit noch als finanzielle Basis, um die Brücke in eine Zukunft zu schlagen, in der hocheffiziente Elektro-Plattformen die Gewinnzonen dominieren.



