Machtwechsel in Peking: VW profitiert von Pekings neuem Sparkurs
Zwei Jahre lang schien der Aufstieg des chinesischen Giganten BYD unaufhaltsam, doch das Jahr 2026 beginnt mit einer handfesten Überraschung: Volkswagen ist zurück auf dem Thron. In den ersten beiden Monaten des Jahres konnten die Wolfsburger Joint Ventures (FAW-VW und SAIC-VW) ihren kombinierten Marktanteil auf 13,9 % steigern und damit die Konkurrenz hinter sich lassen. Geely folgt dicht auf den Fersen mit 13,8 %, während der bisherige Platzhirsch BYD auf einen enttäuschenden vierten Platz (7,1 %) durchgereicht wurde.
Der Grund für diesen dramatischen Umschwung liegt weniger in einer plötzlichen Modelloffensive aus Deutschland, sondern in einer politischen Kehrtwende der chinesischen Regierung. Peking hat die Steuerbefreiungen und direkten Subventionen für Elektroautos ("New Energy Vehicles") massiv zusammengestrichen. Da das Portfolio von BYD fast ausschließlich aus elektrifizierten Modellen besteht, traf dieser Einschnitt das Unternehmen weitaus härter als die breiter aufgestellte Konkurrenz.
Marktanteile in China (Januar/Februar 2026)
| Rang | Hersteller / Joint Venture | Marktanteil (%) |
|---|---|---|
| 1 | Volkswagen (FAW & SAIC JVs) | 13,9 % |
| 2 | Geely | 13,8 % |
| 3 | Toyota (GAC & FAW JVs) | 7,8 % |
| 4 | BYD | 7,1 % |
Zwischenbilanz: Erleichterung in Wolfsburg, Sorgen beim Gewinn
Für Konzernchef Oliver Blume ist die Rückkehr an die Spitze ein wichtiges Signal an die Investoren. Die Strategie einer "konsequenteren Lokalisierung" – also Autos schneller und gezielter für den chinesischen Geschmack zu entwickeln – scheint Früchte zu tragen. Dennoch bleibt die Lage ernst: Im vergangenen Geschäftsjahr 2025 brach der operative Gewinn des Konzerns um die Hälfte auf 8,9 Milliarden Euro ein, während der Nettogewinn um 44 % absackte.
Der Preiskampf in China und die hohen Investitionen in die Software-Sparte fordern ihren Tribut. Dass VW nun wieder vorn liegt, verdankt man ironischerweise der Renaissance des Verbrennungsmotors und der Hybride, die von den gekürzten E-Subventionen weniger stark betroffen sind als reine Stromer.
Ausblick: Nachhaltiger Trend oder Momentaufnahme?
Branchenexperten warnen davor, BYD zu früh abzuschreiben. Der Konzern hat 2025 bewiesen, dass er Tesla weltweit bei den E-Auto-Verkäufen überholen kann. Ob VW die Führung behaupten kann, hängt maßgeblich davon ab, ob Peking die Förderung für NEVs dauerhaft niedrig hält oder bei einer konjunkturellen Abkühlung erneut stützend eingreift.
„Die Rückkehr an die Spitze ist ein Etappensieg für VW. Doch der wahre Test kommt Ende 2026, wenn die neuen lokal entwickelten Elektro-Modelle gegen die preisaggressive Konkurrenz von Geely und BYD antreten müssen.“
Für den Moment atmet man in Wolfsburg jedoch auf: Der wichtigste Einzelmarkt der Welt ist zumindest absatzseitig wieder fest in "blauer" Hand.



