Kehrtwende in Wolfsburg: Das Ende der "iPhone-Ära" bei Volkswagen
Lange Zeit galt "Touch" als das Maß aller Dinge im Cockpit-Design, doch Volkswagen zieht nun die Notbremse. In einem aktuellen Interview stellte VW-Markenchef Thomas Schäfer klar, dass die Ära der kapazitiven Slider und berührungsempfindlichen Lenkradtasten abgelaufen ist. Für künftige Modellgenerationen seien physische Bedienelemente "nicht verhandelbar", so der CEO.
Die Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf massive Kundenkritik. Besonders die unbeleuchteten Slider für Temperatur und Lautstärke sowie die komplizierte Bedienung der Fensterheber in der ID.-Familie sorgten für Unmut. Schäfer gab offen zu, dass man sich zu sehr von einem "iPhone-ähnlichen Design-Spirit" habe leiten lassen, der die intuitive Bedienung im Alltag vernachlässigte.
Fokus auf Haptik und Intuition
Für Schäfer geht es bei der Neuausrichtung um mehr als nur Knöpfe. Es geht um die Kernidentität der Marke. Ein Volkswagen müsse "ein freundliches Gesicht" haben und in jeder Situation – etwa mit vollen Einkaufstüten in den Händen – intuitiv bedienbar sein. Dazu gehören laut dem Markenchef auch klassische Türgriffe, die ohne elektronische Spielereien funktionieren.
"Ich verstehe nicht, warum man überhaupt Touch-Slider verbauen sollte. Für mich sind zwei Dinge absolut unumstößlich: Vernünftige Türgriffe und echte Tasten."
Traditionelle Namen statt ID.-Logik?
Nicht nur die Hardware, auch die Nomenklatur steht auf dem Prüfstand. Während die Elektro-Offensive unter dem Label "ID." startete, deutet Schäfer eine Rückkehr zu emotional besetzten Namen an. Fahrzeuge sollen wieder Namen tragen, die man sofort versteht und mit denen Kunden eine Geschichte verbinden. Dies könnte bedeuten, dass Ikonen wie der Golf oder der Tiguan auch in der rein elektrischen Zukunft ihre Namen behalten dürfen.
Vergleich: Bedienkonzepte im Wandel
| Feature | ID.-Generation (2020-2024) | Zukünftige VW-Modelle (ab 2025/26) |
|---|---|---|
| Lenkrad | Touch-Flächen mit haptischem Feedback | Physische Drucktasten und Scrollräder |
| Klimasteuerung | Touch-Slider (teils unbeleuchtet) | Direktzugriff über Tasten oder Drehregler |
| Türgriffe | Elektronische E-Latches / bündig | Klassische, mechanische Bügelgriffe |
| Infotainment | Menü-fokussiert | Reduzierte Menütiefe mit Hardkeys |
Ausblick: Erste Vorboten der neuen Strategie
Die ersten Anzeichen dieser Kurskorrektur sind bereits in aktuellen Facelifts wie dem Golf 8.5 und dem neuen Tiguan sichtbar, wo beleuchtete Slider und ein verbessertes MIB4-System Einzug hielten. Mit der kommenden Generation, allen voran dem für 2026 erwarteten ID.2 (der möglicherweise einen traditionellen Namen erhält), will VW die intuitive Bedienung wieder zum zentralen Verkaufsargument machen. Auch die Konzernschwester Scout Motors setzt in den USA bereits voll auf dieses "Back-to-Basics"-Konzept mit massiven Kippschaltern und haptischen Reglern.



