Volkswagen-Vertriebschef: „Wer einmal elektrisch fährt, will nicht zurück“
Martin Sander, Vertriebsvorstand von Volkswagen Pkw, zeichnet im aktuellen Interview ein optimistisches, aber realistisches Bild der Transformation. Trotz geopolitischer Spannungen und dem massiven Druck durch chinesische Hersteller verzeichnet VW einen starken Start ins Jahr 2026. Besonders der Golf bleibt ein Phänomen: Jeder zweite in Deutschland verkaufte Golf ist ein Performance-Modell (GTI oder R). Doch der Fokus liegt klar auf der Elektrifizierung – ohne dabei die Peitsche der Verbote zu schwingen.
Sander betont, dass Kunden nicht durch Verbote, sondern durch das Produkt überzeugt werden müssen. Laut seinen Erfahrungen gibt es einen „Point of no Return“: Wer einmal den Komfort und die Dynamik eines Elektroautos erlebt hat, entscheidet sich in der Regel nie wieder für einen Verbrenner. Für den Massenmarkt fehlen laut Sander jedoch noch zwei Faktoren: die richtigen Preise und eine einheitliche, günstige Ladeinfrastruktur.
Die Hoffnungsträger: Elektro-Polo und Elektro-Cross
Ab Ende 2026 rollt die nächste große Welle aus Wolfsburg an. Die Modelle ID. Polo und ID. Cross sollen den Einstieg in die E-Mobilität ab ca. 25.000 Euro ermöglichen. Dass Mitbewerber wie Renault oder Citroën bereits günstigere Modelle auf dem Markt haben, sieht Sander gelassen. Er ist überzeugt, dass Volkswagen zum richtigen Zeitpunkt kommt, um die hohen Volumina in Europa – insbesondere im Süden – abzugreifen.
| Modell / Thema | Strategische Ausrichtung & Ziele |
|---|---|
| ID. Polo & ID. Cross | Einstiegspreis ab ca. 25.000 €; Fokus auf Volumen ab 2027. |
| Design | Rückkehr zu klassischer VW-Optik und bekannten Namen (Polo/Golf). |
| Flottengrenzwerte | Forderung nach Ausgleichszeitraum (2028–2032) statt Strafen. |
| Marktanteil DE | Erwarteter E-Auto-Anteil von rund 25 % im Jahr 2026. |
| Gebrauchtwagen | Forderung nach Einbeziehung von gebrauchten E-Autos in die Förderung. |
Kritik an der Förderpolitik
Zwar begrüßt VW die neue E-Prämie der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, doch Sander sieht eine entscheidende Lücke: den Gebrauchtmarkt. Da aktuell viele Leasingrückläufer den Markt fluten, wäre eine Prämie für gebrauchte Stromer essenziell, um auch Käufergruppen mit kleineren Einkommen den Umstieg zu ermöglichen und das Vertrauen in die Restwerte zu stärken.
Geopolitik und Energiepreise
Die aktuelle Weltlage, insbesondere die Unsicherheiten durch den Iran-Krieg, belasten die Planung. Zwar steigen krisenbedingt die Spritpreise, doch Sander erwartet dadurch keinen künstlichen Boom für E-Autos. Viel wichtiger seien „verlässlich günstige und einheitliche Ladestrompreise“. Nur wenn die Betriebskosten kalkulierbar bleiben, werde der Verbrenner langfristig abgelöst.
„Strafzahlungen sind kontraproduktiv, weil sie genau die Investitionsmittel binden, die wir für die Transformation brauchen.“ – Martin Sander, VW-Vertriebsvorstand.
In China will Volkswagen seinen Rückstand bei den sogenannten „New Energy Vehicles“ (NEVs) mit einer Produktoffensive von über zehn neuen Modellen bis Ende 2026 wettmachen. In Europa setzt man derweil auf die Kraft der Marke und die Rückkehr zum vertrauten Design.



