Zäsur bei Mercedes: Skoda überholt den Stern – Luxus-Strategie am Ende?

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Zäsur bei Mercedes: Skoda überholt den Stern – Luxus-Strategie am Ende?

Historische Schlappe für Mercedes-Benz: Im Januar 2026 zieht Skoda in der deutschen Zulassungsstatistik an den Stuttgartern vorbei. Während Mercedes-Chef Ola Källenius seine „Luxury First“-Strategie bereits unter dem Druck einbrechender Gewinne und Kritik korrigieren muss, übernimmt mit Skoda ein ehemaliger Budget-Akteur den zweiten Platz auf dem Heimatmarkt. Zudem verlässt Design-Ikone Gorden Wagener das Unternehmen in einer Phase, in der auch die elektrische Identität der Marke wankt.

Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für den Januar 2026 lesen sich wie ein politisches Erdbeben in der Autowelt: Mercedes-Benz verliert massiv an Boden und muss sich in Deutschland hinter Skoda auf Rang drei einordnen. Mit einem Minus von 6,5 Prozent bei den Neuzulassungen ist der Stern so schwach wie lange nicht mehr. Es ist die Quittung für eine Preispolitik, die viele langjährige Kunden schlichtweg überfordert hat.

"Luxury First" als Bumerang: Skoda ist jetzt Vize-König

Dass ausgerechnet Skoda mit 18.550 Neuzulassungen (+12,2 %) an Mercedes (18.454 Einheiten) vorbeizieht, ist eine Demütigung für das Management in Stuttgart. Während Skoda mit dem neuen Elroq das aktuell meistverkaufte Elektroauto Deutschlands stellt, kämpft Mercedes mit dem Image seiner EQ-Reihe. Die Strategie von CEO Ola Källenius, Einstiegsmodelle wie die A-Klasse zu vernachlässigen und voll auf Hochpreis-Luxus zu setzen, scheint in wirtschaftlich unsicheren Zeiten krachend gescheitert zu sein.

Intern wird die Notbremse bereits gezogen: Das Reizwort "Luxus" soll aus der offiziellen Strategie gestrichen werden, um wieder breitere Kundenschichten anzusprechen. Sogar über eine Rückkehr kompakterer Formate auf der neuen MMA-Plattform wird laut spekuliert, um den Anschluss an den Massenmarkt nicht endgültig zu verlieren.

Der Abgang von Gorden Wagener: Ende einer Design-Ära

Mitten in der Krise verliert Mercedes seinen prägendsten Kopf der letzten Jahrzehnte: Gorden Wagener, der Schöpfer der "Sinnlichen Klarheit", hat das Unternehmen zum 31. Januar 2026 verlassen. Sein Nachfolger Bastian Baudy (vorher Leiter Design AMG) übernimmt ein schweres Erbe. Kritiker werfen Wagener vor, dass das "seifige" Design der elektrischen EQ-Modelle zu wenig Prestige ausstrahle – ein Vorwurf, der angesichts der schwachen Verkaufszahlen schwer wiegt.

Wirtschaftlicher "Sturm": Gewinne halbiert, Zölle fressen Marge

Die nackten Finanzzahlen untermauern die Misere. Im Jahr 2025 brach der Gewinn von Mercedes zeitweise um bis zu 50 Prozent ein. Die Gründe sind global:

  • China-Krise: Einheimische Marken wie BYD und Xiaomi verdrängen Mercedes im Elektro-Segment.
  • US-Zölle: Die drastische Erhöhung der Importzölle auf 27,5 % kostete den Konzern allein 2025 Hunderte Millionen Euro.
  • Absatzflaute: In Deutschland halten sich Privatkunden trotz neuer E-Förderung zurück, da die Preisdifferenz zu Marken wie Skoda schlicht zu groß ist.

Marktanteile Deutschland Januar 2026

Hersteller Zulassungen Jan. 2026 Veränderung vs. 2025
1. Volkswagen ~38.200 -17,5 %
2. Skoda 18.550 +12,2 %
3. Mercedes-Benz 18.454 -6,5 %
4. BMW 17.070 +5,4 %

Die E-Statistik lügt: Warum 24 % Plus kein Grund zum Feiern sind

Zwar meldet das KBA ein Plus von fast 24 Prozent bei Elektroautos, doch Branchenkenner warnen vor Euphorie. Das Wachstum ist eine statistische Verzerrung, da der Absatz klassischer Benziner (-30 %) und Diesel (-17 %) kollabiert ist. Die Elektromobilität gewinnt also nicht durch massive Nachfrage, sondern weil die Verbrenner-Welt noch schneller schrumpft. Für Mercedes ist das doppelt bitter: Die teuren Stromer wie EQS und EQE finden nicht genug Abnehmer, um die Lücke zu füllen.

"Wer den Parkplatz vor dem Supermarkt für den Luxus aufgibt, darf sich nicht wundern, wenn dort jetzt ein Skoda parkt." – Branchenfazit zur aktuellen KBA-Statistik.

Fazit: Ola Källenius unter Zugzwang

Mercedes steht am Scheideweg. Die radikale Transformation zur reinen Luxusmarke ist vorerst gestoppt. Um 2026 den Turnaround zu schaffen, braucht es mehr als nur Rabatte: Nötig ist eine Design-Korrektur unter dem neuen Chefdesigner Baudy und eine Preispolitik, die den "Stern" auch für die Mittelschicht wieder erreichbar macht. Sonst droht Mercedes, zum prestigeträchtigen, aber wirtschaftlich unbedeutenden Nischenplayer zu schrumpfen.

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