Effizienz vor Neubau: Chery will europäische Fabriken mit Partnern füllen
Der chinesische Automobilriese Chery schaltet bei seiner Europa-Invasion zwei Gänge höher. Doch statt hunderte Millionen in neue Betonbauten zu investieren, verfolgt Vorstandschef Yin Tongyue eine smartere Strategie: Er will ungenutzte Kapazitäten europäischer Hersteller übernehmen. Bei einem Event in Paris zur Markteinführung der Marken Omoda und Jaecoo bekräftigte das Management, dass man kurz vor dem Abschluss neuer lokaler Partnerschaften stehe.
1. Die "Barcelona-Blaupause": Vorhandenes nutzen
Chery hat bereits bewiesen, wie schnell dieser Ansatz funktioniert. Im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona produziert Chery bereits gemeinsam mit dem Partner Ebro. Bis 2029 soll die Kapazität dort auf 200.000 Fahrzeuge pro Jahr hochgefahren werden. Dieses Modell der "Fabrik-Übernahme" will Chery nun skalieren:
- Zielmärkte: Frankreich steht ganz oben auf der Liste für den nächsten Produktionsstandort.
- Strategie: Zeitersparnis ist der Hauptgrund. Der Aufbau eines neuen Werks dauert Jahre; die Kooperation mit schwächelnden europäischen Herstellern ermöglicht einen Start in Monaten.
- Politik-Bonus: Durch lokale Produktion umgeht Chery potenzielle EU-Strafzölle und sichert sich das Label „Made in Europe“.
2. Beeindruckendes Wachstum: Absatz versiebfacht
Die Zahlen geben der Strategie recht. Während viele etablierte Marken stagnieren, schießt Chery durch die Decke:
- Verkaufszahlen: Von 17.035 Fahrzeugen im Jahr 2024 steigerte sich Chery auf 120.147 Einheiten im Jahr 2025 – fast eine Versiebfachung des Absatzes.
- Globale Power: Mit 2,8 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit (fast 50 % davon außerhalb Chinas) ist Chery mittlerweile eine echte Weltmacht.
- Neue Marken: Neben Omoda und Jaecoo bereitet Chery aktuell den Start der neuen Marke Lepas für den europäischen Markt vor.
3. Wer sind die potenziellen Partner?
Offiziell hält sich Chery-Chef Yin Tongyue noch bedeckt. Brancheninsider spekulieren jedoch über Gespräche mit Herstellern, die in Europa mit Überkapazitäten kämpfen. Infrage kämen Marken aus dem Stellantis-Kosmos oder auch Standorte von Renault, die durch den Fokus auf kleinere Modellpaletten Flächen frei haben könnten.
"Wir bevorzugen es, vorhandene Kapazitäten zu nutzen. Das erfordert Vertrauen und die richtigen lokalen Partner, aber ich hoffe, schon in den kommenden Monaten Neuigkeiten verkünden zu können." – Yin Tongyue, CEO Chery.
Chery in Europa: Der Status Quo 2026
| Standort / Marke | Status | Ziel / Kapazität |
|---|---|---|
| Barcelona (Spanien) | In Betrieb (mit Ebro) | 200.000 Autos/Jahr bis 2029 |
| Frankreich | In Prüfung | Potenzieller zweiter EU-Hub |
| Markenportfolio | Omoda, Jaecoo, Lepas | Fokus auf SUV-Segmente & Elektro |
| Absatz 2025 | 120.147 Fahrzeuge | Marktanteil-Steigerung auf >2,5 % geplant |
Fazit: Ein Trojanisches Pferd für die europäische Industrie?
Cherys Vorgehen ist extrem pragmatisch. Indem sie in strauchelnde europäische Werke einziehen, retten sie Arbeitsplätze und nehmen den Politikern den Wind aus den Segeln, die nach Importbeschränkungen rufen. Für die europäischen Autobauer ist es ein zweischneidiges Schwert: Einerseits wird die Fabrikauslastung gerettet, andererseits holt man sich den stärksten Konkurrenten direkt ins eigene Haus. Eines ist sicher: Wenn Chery in diesem Tempo weitermacht, werden Omoda und Jaecoo bald so alltäglich auf unseren Straßen sein wie heute ein Hyundai oder Kia.



