Kanada öffnet die Tore: Chinesische Stromer vor dem Verkaufsstart
Der kanadische Automarkt steht vor einem historischen Umbruch. Nachdem Ottawa Anfang 2026 die protektionistischen 100-Prozent-Zölle auf in China produzierte Elektrofahrzeuge gekippt und auf den Standardregelsatz von 6,1 Prozent gesenkt hat, bringen sich die großen chinesischen Player in Stellung. BYD, Chery und Geely arbeiten derzeit mit Hochdruck an Zulassungsverfahren (Homologation), Händlernetzwerken und Finanzierungspartnern. Branchenexperten rechnen damit, dass die ersten Fahrzeuge noch vor Ende dieses Jahres auf kanadischem Boden landen.
Die neue Regelung ist an strikte Bedingungen geknüpft: Pro Jahr dürfen zunächst 49.000 chinesische E-Autos zum niedrigen Zollsatz importiert werden. Bis 2030 soll dieses Kontingent auf 70.000 Einheiten steigen. Um den Markt für erschwingliche Mobilität zu öffnen, schreibt die Regierung zudem vor, dass bis Ende des Jahrzehnts mehr als die Hälfte dieser Importe weniger als 35.000 CAD kosten müssen.
BYD, Chery und Geely: Drei Strategien für den Norden
Obwohl die Goldgräberstimmung groß ist, gehen die Hersteller unterschiedliche Wege, um die kanadischen Kunden zu erobern.
| Hersteller | Strategie & Status | Potenzielle Modelle |
|---|---|---|
| BYD | Am weitesten fortgeschritten; Werke bereits bei Transport Canada registriert. | Seal, Dolphin, Atto 3, Seagull |
| Chery | Fokus auf Markenportfolio und Personalakquise in den Bereichen Engineering & Zertifizierung. | Omoda, Jaecoo, iCar |
| Geely | Nutzt bestehende Volvo/Polestar-Strukturen; Zeekr als Premiummarke registriert. | Zeekr 001, Zeekr X |
| Tesla | Profitiert als "Fast Mover" von bereits bestehenden Zulassungen für Shanghai-Modelle. | Model 3 (Giga Shanghai) |
Tesla als lachender Dritter?
Während BYD und Chery noch durch die bürokratischen Mühlen der Erstzulassung müssen, könnte Tesla der eigentliche Gewinner der Zollsenkung sein. Da der US-Hersteller bereits 2023 und 2024 Fahrzeuge aus seiner Gigafactory in Shanghai nach Kanada exportierte, sind die nötigen Zertifizierungen vorhanden. Beobachter bemerkten bereits, dass Tesla in Kanada Bestände des US-amerikanischen Model 3 aus den Showrooms entfernt hat – ein deutliches Indiz dafür, dass die günstigeren Importe aus China kurz bevorstehen.
Herausforderungen bis zum Showroom
Trotz der politischen Öffnung ist der Weg zum Kunden kein Selbstläufer. Die Fahrzeuge müssen Kanadas strenge Sicherheits- und Regulierungsstandards (Appendix G) erfüllen. Besonders Chery investiert massiv in lokales Fachpersonal, um diese Hürden zu nehmen. Zudem müssen landesweite Service-Netzwerke aufgebaut werden, um das Vertrauen der kanadischen Käufer zu gewinnen, die bisher kaum Kontakt mit chinesischen Automarken hatten.
„Wir erwarten, dass die ersten Fahrzeuge Ende des Jahres eintreffen. Die Senkung der Tarife hat das Spielfeld komplett verändert.“ – Jason Zhao, Analyst bei DSMA.
Mit dem Markteintritt von Modellen wie dem kompakten BYD Seagull könnte erstmals ein Elektroauto in Kanada verfügbar sein, das preislich direkt mit günstigen Verbrennern konkurriert. Dies dürfte den schleppenden Hochlauf der E-Mobilität im zweitgrößten Land der Erde massiv beschleunigen.



