DIW-Analyse 2026: E-Auto-Markt erholt, aber Ziel 2030 in Gefahr

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

DIW-Analyse 2026: E-Auto-Markt erholt, aber Ziel 2030 in Gefahr

Die Elektromobilität in Deutschland stabilisiert sich, doch für echte Jubelsprünge ist es noch zu früh. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bescheinigt dem Markt in seiner neuesten Analyse zwar ein Ende der Talfahrt, warnt aber vor einer gefährlichen Stagnation. Während die Ladeinfrastruktur boomt und längst kein Nadelöhr mehr ist, droht die politische Debatte um E-Fuels und das „Verbrenner-Aus vom Verbrenner-Aus“ den Hochlauf zu sabotieren.

Nach dem turbulenten "Schock-Jahr" 2024, in dem das Ende der staatlichen Kaufprämie den Markt zeitweise einbrechen ließ, zeigen die Zahlen für 2025 und den Start in 2026 wieder nach oben. Dennoch ist der Weg zur angestrebten Verkehrswende noch weit: Nur etwa 4 % der gesamten Fahrzeugflotte in Deutschland fahren aktuell rein elektrisch.

Zahlen-Check: Erholung auf moderatem Niveau

Im Jahr 2025 war fast jedes fünfte neu zugelassene Auto (19,1 %) ein reiner Stromer (BEV). Das ist zwar ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, liegt aber nur minimal über den Werten von 2022 und 2023. Das DIW spricht daher eher von einer Erholung als von einem echten Durchbruch. Besonders auffällig: Neue Elektroautos werden immer größer und teurer.

Segment / Typ Anteil am E-Markt 2026 Entwicklung
SUVs & Geländewagen ca. 50 % Steigend
Ober- / obere Mittelklasse über 10 % Stabil
Europäische Hersteller 80 % (davon 50 % DE) Dominant
Nordamerikanische Marken Stark rückläufig Kriselnd (Tesla-Fokus)

Das Ende des "Ladesäulen-Mythos"

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie: Die Angst vor fehlenden Lademöglichkeiten ist heute unbegründet. Die Infrastruktur ist schneller gewachsen als die Zahl der Autos. Rechnerisch teilen sich heute nur noch 44 Elektroautos einen Schnellladepunkt – 2022 waren es noch 70. Insgesamt stehen bundesweit fast 190.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung, ein Viertel davon sind leistungsstarke Schnelllader.

Politik unter Beschuss: Schill fordert "Technologieklarheit"

Studienautor Wolf-Peter Schill findet deutliche Worte für die aktuelle politische Debatte. Das Festhalten am Ideal der Technologieoffenheit (Stichwort E-Fuels) wertet er als Bremsklotz für Investitionen und Kaufentscheidungen. Wer signalisiere, dass der Verbrenner vielleicht doch eine Zukunft habe, riskiere den Klimaschutz im Verkehr.

  • Lkw & Busse: Hier ist die Dynamik hoch. Fast jeder vierte neue Bus ist bereits elektrisch.
  • PHEV-Comeback: Plug-in-Hybride liegen wieder bei ca. 10 % Marktanteil, tragen laut DIW aber kaum zum Klimaschutz bei, da sie zu selten elektrisch gefahren werden.
  • Wasserstoff: Mit weniger als 2.000 Fahrzeugen im Bestand (0,03 Promille) spielt diese Technik bei Pkw faktisch keine Rolle mehr.
„Solange die Politik signalisiert, alle Optionen offenhalten zu wollen, verzögert das den Umstieg. Wir brauchen keine Technologieoffenheit, sondern Technologieklarheit: Die Zukunft ist batterieelektrisch.“ – Wolf-Peter Schill, DIW.

Fazit von Elektroquatsch

Die DIW-Analyse ist ein Weckruf. Die Technik ist da, die Ladeinfrastruktur ist bereit – was fehlt, ist das Vertrauen der Käufer in eine klare politische Linie. Das Ziel von 15 Millionen E-Autos bis 2030 rückt in immer weitere Ferne, wenn nicht endlich mehr bezahlbare Kleinwagen auf den Markt kommen und die politische Diskussion aufhört, den Verbrenner künstlich am Leben zu erhalten. Wir bleiben dran und schauen, ob die neue 2026er Kaufprämie den nötigen Turbo zündet!

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