Durchbruch bei Next-Gen-Solar: First Solar lizenziert Perowskit-Patente von Oxford PV
Die Solarbranche steht vor einem technologischen Sprung, und First Solar sichert sich einen Platz in der ersten Reihe. Der US-Marktführer für Dünnschicht-Module hat ein weitreichendes Patent-Lizenzabkommen mit dem britischen Spezialisten Oxford PV geschlossen. Ziel der Kooperation ist es, die Entwicklung hocheffizienter Perowskit-Halbleiter massiv zu beschleunigen und für den US-Markt serienreif zu machen.
Perowskit gilt als das „Wundermaterial“ der Photovoltaik, da es das Potenzial hat, die Effizienzgrenzen herkömmlicher Silizium-Zellen deutlich zu sprengen. Das Abkommen gibt First Solar Zugriff auf bestehende und angemeldete Patente, konzentriert sich jedoch explizit auf reine Dünnschicht-Anwendungen – klassische kristalline Silizium-Halbleiter sind vom Deal ausgeschlossen. Damit bleibt First Solar seiner Linie treu, unabhängige Lieferketten abseits der Silizium-Dominanz aufzubauen.
Warum Perowskit der Gamechanger ist
Bisherige Solarmodule basieren meist auf Cadmium-Tellurid (Dünnschicht) oder Silizium. Perowskit-Materialien lassen sich extrem dünn auftragen und können so optimiert werden, dass sie Lichtspektren nutzen, die herkömmliche Zellen ungenutzt lassen. Oxford PV hält hierfür eines der weltweit stärksten Patent-Portfolios und hat bereits Wirkungsgrade von über 26 Prozent auf Modulebene demonstriert.
| Technologie-Check | Standard-Silizium | First Solar Dünnschicht | Perowskit (Zukunft) |
|---|---|---|---|
| Marktanteil weltweit | ~95% | Größter US-Hersteller | In Pilotphase |
| Effizienzpotenzial | ~20-22% | Konkurrenzfähig | 30% + möglich |
| Hauptvorteil | Bewährt, günstig | Wenig CO2, kein Silizium | Extreme Effizienzsprünge |
Gigawatt-Ausbau: Die USA im Fokus
Für First Solar ist der Deal kein reines Forschungsprojekt. Das Unternehmen betreibt bereits eine Testlinie für Perowskit-Module an seinem Campus in Perrysburg, Ohio. Hier werden bereits kleine, voll funktionsfähige Module (ca. 60 x 20 cm) produziert, um Stabilität und Fertigungsprozesse unter realen Bedingungen zu testen. Gleichzeitig drückt der Konzern beim Kapazitätsausbau aufs Tempo.
In South Carolina entsteht derzeit die sechste Fabrik des Unternehmens, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Bis 2027 plant First Solar, eine jährliche Produktionskapazität von rund 18 GW allein in den USA zu erreichen. Die Integration der Perowskit-Technologie in diese Massenfertigung könnte First Solar einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber asiatischen Billig-Panels verschaffen.
"Diese Vereinbarung ermöglicht es uns, viable Wege zur Kommerzialisierung von Perowskit-Produkten zu verfolgen und unsere langfristige Vision für alle Solarmärkte umzusetzen." – Mark Widmar, CEO First Solar.
Markt-Impact: Unabhängigkeit von China
Der strategische Wert dieses Deals liegt vor allem in der geopolitischen Unabhängigkeit. Während die globale Solarindustrie stark von chinesischem Silizium abhängig ist, nutzt First Solar Cadmium-Tellurid und nun Perowskite. Durch die Produktion in den USA profitiert das Unternehmen zudem massiv von den Förderungen des Inflation Reduction Act (IRA), was die Investitionen von über 4,5 Milliarden Dollar in US-Standorte seit 2019 zusätzlich absichert.



