Kehrtwende in Hethel: Lotus verabschiedet sich von reinen Elektro-Zielen
Die neue Marschrichtung sieht eine klare Aufteilung des künftigen Absatzvolumens vor: 60 Prozent der Fahrzeuge sollen als Plug-in-Hybride (PHEV) vom Band rollen, während die restlichen 40 Prozent für batterieelektrische Modelle (BEV) reserviert bleiben. Damit reiht sich Lotus in eine wachsende Liste von Premiumherstellern ein, die ihre elektrischen Ambitionen zugunsten von hocheffizienten Teilzeitstromern korrigieren müssen, um die Rentabilität der Marke zu sichern.
Comeback des V8: Das Hybrid-Supercar "Type 135" kommt 2028
Trotz der Abkehr vom reinen Elektro-Kurs sorgt Lotus im High-Performance-Segment für ein echtes Ausrufezeichen. Für das Jahr 2028 kündigen die Briten die Rückkehr zu ihren Motorsport-Wurzeln an – verpackt in modernste Technologie. Unter dem Projektnamen "Type 135" entsteht ein völlig neuer, in Europa gefertigter Supersportwagen, der Gerüchten zufolge den legendären Namen Esprit wiederbeleben könnte. Das Besondere daran: Statt eines lautlosen Elektroantriebs schlägt im Heck des Boliden ein brachialer V8-Verbrennungsmotor.
Unterstützt wird das Triebwerk von einem hochentwickelten Hybridsystem, das auf einer extrem schnellen 900-Volt-Architektur aufbaut. In Kombination soll das Aggregat eine Systemleistung von über 1.000 PS (735 kW) auf die Straße bringen. Mit diesem Setup positioniert sich Lotus direkt als Herausforderer für die elektrifizierte Konkurrenz aus Maranello und Sant’Agata Bolognese, während der rein verbrennergetriebene Mittelmotor-Sportwagen Emira weiterhin im britischen Stammwerk vom Band läuft.
| Modell / Plattform | Antriebskonzept | Systemleistung | Highlights & Marktstart |
|---|---|---|---|
| Eletre X (Super-SUV) | 2.0L Turbo + Dual-E-Motor (PHEV) | 700 kW (952 PS) | 70 kWh Akku, 1.200 km Gesamtreichweite, Auslieferung Europa Ende 2026 |
| Type 135 (Supercar) | V8-Zylinder + Hybrid-System (HEV) | > 735 kW (1.000+ PS) | 900-Volt-Architektur, Produktion in Europa geplant für 2028 |
| Emira | Reiner Verbrenner (ICE) | bis zu 298 kW (405 PS) | Verbleibt als klassischer Sportwagen in Hethel (UK) |
| Evija / Emeya | Vollelektrisch (BEV) | bis zu 1.470 kW (2.000 PS) | Repräsentieren weiterhin die rein elektrische Speerspitze |
Volumentreiber Eletre X: Großes Interesse in China, Europa folgt
Wie gut die neue Hybrid-Strategie beim Kunden ankommt, zeigt sich bereits auf dem hart umkämpften chinesischen Markt. Das dort kürzlich eingeführte Plug-in-Hybrid-SUV Eletre X verzeichnet bereits über 1.000 feste Vorbestellungen. Das Fahrzeug kombiniert einen 2,0-Liter-Turbo-Benziner mit zwei Elektromotoren zu einer Systemleistung von gewaltigen 952 PS (700 kW). Ein 70-kWh-NMC-Akku sorgt für eine rein elektrische Reichweite von bis zu 350 Kilometern (nach WLTP), während die Gesamtreichweite bei über 1.200 Kilometern liegt.
Für den europäischen Markt, wo der Eletre X im Herbst zu Preisen ab rund 100.000 Euro starten soll, wird das Modell eine Schlüsselrolle einnehmen. Unter dem Plan Focus 2030 fungiert das Luxus-SUV als primärer Volumentreiber. Lotus peilt eine jährliche Absatzmarke von weltweit 30.000 Einheiten an, wobei der Löwenanteil auf die flexiblen Hybrid-Varianten entfallen soll. Dank der 900-Volt-Ladetechnologie lässt sich die Batterie des Eletre X in nur neun Minuten von 20 auf 80 Prozent nachladen, was den SUV voll alltagstauglich macht.
"Wir setzen auf einen agilen Ansatz zwischen Verbrennern, Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos. Der Type 135 wird unsere Performance-DNA mit einem V8-Hybrid-Verbund perfekt in die moderne Ära übersetzen."
Strukturreform: Fusion soll Kosten in Millionenhöhe einsparen
Um die ambitionierten Ziele des Strategieplans finanziell abzusichern, baut das Unternehmen auch intern radikal um. Die bisher getrennt agierenden Sparten Lotus UK und Lotus Technology werden zu einer einzigen, gestrafften Unternehmenseinheit verschmolzen. Ziel ist es, Doppelstrukturen abzubauen, die Verwaltungskosten drastisch zu senken und die Synergien mit dem Mutterkonzern Geely in den Bereichen Entwicklung und globaler Einkauf maximal auszuschöpfen.
Dieser Schritt folgt auf einen schmerzhaften Restrukturierungsprozess in Großbritannien, bei dem im vergangenen Jahr rund 550 Arbeitsplätze abgebaut wurden. Ob die neue Fusion weitere Einschnitte an den britischen Standorten nach sich zieht, lässt das Management derzeit noch offen. Fest steht, dass Geely der Tochtermarke den Rücken stärkt, um Lotus durch die Konsolidierung der operativen Einheiten dauerhaft auf die Gewinnspur im hart umkämpften Luxussegment zu führen.



