"Made in Europe" als Joker: Opels Plan gegen CO₂-Strafzahlungen
Der Druck auf die europäischen Automobilhersteller wächst: Während chinesische Hersteller mit aggressiven Preisen auf den Markt drängen, rücken die strengen CO₂-Flottenziele der EU immer näher. Opel-Chef Florian Huettl hat nun auf dem Mobility Summit des VDA in Berlin einen brisanten Vorschlag eingebracht: Einen "Europa-Bonus" bei der Berechnung der Emissionswerte. Elektroautos, die in Europa gefertigt werden, sollen demnach in der CO₂-Bilanz eines Herstellers schwerer gewichtet werden als Importfahrzeuge.
Konkret schlägt der Stellantis-Manager vor, in Europa produzierte E-Autos mit einem Faktor von 1,2 anzurechnen. Für besonders kleine und effiziente Elektroautos – eine Kernkompetenz von Marken wie Opel, Peugeot und Fiat – fordert Huettl sogar einen Faktor von 1,5. Ein solches System würde es den Herstellern massiv erleichtern, die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten, ohne Milliarden an Strafzahlungen nach Brüssel überweisen zu müssen.
Schutzschild gegen China und Bürokratie-Kritik
Huettl verbindet mit seinem Vorstoß ökologische Ziele mit industriepolitischer Protektion. „Made in Europe kann ein wichtiger Teil der Lösung sein“, so der Opel-Chef. Damit greift er den Entwurf des „Industrial Accelerator Act“ der EU auf, der vorsieht, dass Förderungen künftig an einen europäischen Wertschöpfungsanteil von mindestens 70 Prozent gekoppelt werden. Doch Huettl warnt: Der aktuelle Entwurf drohe ein „Bürokratiemonster“ zu werden, das die Transformation eher bremst als beschleunigt.
"Die CO₂-Verordnung bietet einen Hebel, um die Autoproduktion in Europa gezielt zu stärken und den Standort angesichts geopolitischer Herausforderungen neu zu justieren."
Neben dem Bonus für Elektroautos fordert Opel auch mehr zeitliche Flexibilität. Statt jährlich starrer Grenzwerte plädiert Huettl für eine Durchschnittsberechnung über Zeiträume von fünf Jahren (z. B. 2025 bis 2029). Dies gäbe den Unternehmen den nötigen Spielraum, um auf Schwankungen im Markt reagieren zu können, ohne durch „unrealistische Ziele“ finanziell gelähmt zu werden.
Die Forderungen von Opel im Überblick
| Maßnahme | Vorgeschlagener Faktor / Zeitraum | Ziel |
|---|---|---|
| Standard E-Auto (EU-Produktion) | Faktor 1,2 | Anreiz für lokale Produktion |
| Kleinwagen E-Auto (EU-Produktion) | Faktor 1,5 | Förderung bezahlbarer Stadtmobilität |
| CO₂-Grenzwerte (Zeitrahmen) | 5-Jahres-Intervalle | Vermeidung von kurzfristigen Strafzahlungen |
| Lokalanteil Komponenten | Mindestens 70 % Europa | Unabhängigkeit von China-Importen |
Mit diesem Vorstoß positioniert sich Stellantis an der Spitze einer Bewegung, die eine engere Verknüpfung von Klimaschutz und Wirtschaftspolitik fordert. Ob die EU-Kommission bereit ist, die Berechnungsformeln für CO₂-Emissionen so grundlegend zu ändern, bleibt abzuwarten – der Druck aus Wolfsburg und Paris wächst jedenfalls stetig.
