Machtwort aus Schweden: Polestar renoviert seine Premium-SUVs radikal
Im extrem hart umkämpften Markt für elektrische Luxus-SUVs reicht es längst nicht mehr aus, sich auf einem gelungenen Design auszuruhen. Polestar geht deshalb in die Vollen und spendiert seinen beiden wichtigsten Hoffnungsträgern ein tiefgreifendes Hardware- und Software-Update. Sowohl der Polestar 3 als auch der frisch umbenannte Bruder Polestar 4 Coupé sind ab sofort mit den technischen Neuerungen des Modelljahres 2026 bestellbar. Während die Preise für das technologische Flaggschiff Polestar 3 bei 78.900 Euro starten, wechselt das sportliche Coupé ab 61.900 Euro den Besitzer.
Die Updates zeigen deutlich, dass der schwedisch-chinesische Hersteller unter der neuen Führung von CEO Michael Lohscheller das Tempo massiv anzieht. Anstatt sich auf kosmetische Retuschen an der Karosserie zu beschränken, greifen die Ingenieure tief in die technische Basis ein. Das Ziel ist klar: Maximale Performance an der Ladesäule und eine noch schärfere Dynamik auf dem Asphalt, um der etablierten Konkurrenz wie dem Porsche Macan Electric oder dem BMW iX die Rücklichter zu zeigen.
Polestar 3: Der 800-Volt-Quantensprung im Detail
Die wichtigste technologische Revolution betrifft das Flaggschiff Polestar 3. Der Premium-Stromer verabschiedet sich von der alten 400-Volt-Ebene und basiert ab sofort auf einer hochmodernen 800-Volt-Elektroarchitektur. Dieser Systemwechsel ermöglicht an entsprechenden HPC-Schnellladesäulen eine maximale DC-Ladeleistung von bis zu 350 kW. Für den Fahrer schrumpft der obligatorische Ladestopp von 10 auf 80 Prozent damit auf nur noch 22 Minuten zusammen – eine Zeitersparnis von mehr als einem Viertel im Vergleich zum Vorgängermodell.
Flankiert wird das Hardware-Upgrade von der intelligenten Batteriesoftware „Breathe Charge“. Diese adaptive Steuerung simuliert und überwacht den Zustand der CATL-Akkuzellen permanent in Echtzeit. Anstatt stur einer festen Ladekurve zu folgen, passt das System den Stromfluss Millisekunde für Millisekunde dynamisch an. Das sorgt nicht nur für ein konstant hohes Ladetempo selbst bei kühlen Außentemperaturen, sondern liefert bei einem kurzen 10-Minuten-Zwischenstopp bis zu 38 Prozent mehr Reichweite, ohne die Lebensdauer der Batterie zu gefährden.
| Technische Daten & Specs | Polestar 3 Performance (800V) | Polestar 4 Coupé (Dual Motor) |
|---|---|---|
| Antriebskonzept | Allrad (Dual Motor mit Rear-Bias) | Allrad (Dual Motor permanent) |
| Systemleistung / Drehmoment | 500 kW (680 PS) / 910 Nm | 400 kW (544 PS) / 686 Nm |
| Beschleunigung (0-100 km/h) | 4,2 Sekunden | 3,8 Sekunden |
| Batteriekapazität (Netto) | 103,0 kWh | 94,0 kWh |
| Max. DC-Ladeleistung | 350 kW (800-Volt-System) | 200 kW (400-Volt-System) |
| Ladezeit (10-80 % DC) | ca. 22 Minuten | ca. 30 Minuten |
| Einstiegspreis (UVP) | Ab 78.900 Euro (Rear Motor) | Ab 61.900 Euro (Rear Motor) |
Achtfache Rechenpower und schwedisches Gold
Auch bei der Fahrdynamik legt der Polestar 3 spürbar nach. Das neue Antriebs-Setup kombiniert einen hocheffizienten, permanentmagnetischen Synchronmotor an der Hinterachse mit einem Asynchronmotor an der Vorderachse. Um im Alltagsbetrieb wertvolle Energie einzusparen, entkoppelt sich das vordere Triebwerk bei konstanter Fahrt automatisch. Im schärfsten Fahrmodus mobilisiert die Performance-Variante gewaltige 500 kW (680 PS). Gekoppelt mit neu abgestimmten Stabilisatoren und einer präziseren Lenkungssoftware vermittelt das 2,5-Tonnen-SUV ein ungeahnt leichtfüßiges Handling.
Unter der skandinavisch-cleanen Außenhaut schlägt zudem ein komplett neues digitales Herz. Der zentrale Zentralrechner wechselt auf den NVIDIA DRIVE AGX Orin-Prozessor, was die Rechenleistung im Vergleich zum alten Xavier-Chip mehr als verachtfacht. Die künstliche Intelligenz verarbeitet Sensor- und Radardaten nun mit bis zu 254 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde (TOPS), was die aktiven Sicherheitssysteme auf ein neues Level hebt. Ein genialer Schachzug: Polestar bietet diesen Chip-Umbau für bereits ausgelieferte Kundenfahrzeuge im Laufe des Jahres als kostenlose Nachrüstung an.
"Das Hardware-Update für den Polestar 3 ist so tiefgreifend, dass wir faktisch von einem komplett neuen Fahrzeug sprechen. Durch die Kombination aus 800-Volt-Technik und der achtfachen Rechenleistung setzen wir ein klares Statement im Premium-Segment."
Polestar 4 Coupé: Feinschliff für den Dynamik-König
Der flachere Bruder bekommt im Zuge der Modellpflege nicht nur den offiziellen Namen Polestar 4 Coupé verpasst – eine strategische Differenzierung im Hinblick auf die für 2027 angekündigte Kombi-Variante –, sondern holt auch beim Fahrwerkskomfort auf. Die Varianten Rear Motor und Dual Motor rollen ab Werk mit einem neu kalibrierten passiven Fahrwerk an den Start. Hochleistungs-Dämpfer, straffere Federraten und innovative Rückprallanschläge aus Polyurethan ersetzen die alten internen Stahlfedern. Das Resultat im Real-World-Impact: Ein spürbar kontrollierteres Abrollverhalten auf schlechten Straßen ohne Einbußen bei der messerscharfen Lenkpräzision.
Mit einer Sprintzeit von 3,8 Sekunden auf Tempo 100 bleibt das Allrad-Coupé das am schnellsten beschleunigende Serienmodell im gesamten Portfolio. Gleichzeitig untermauert die Marke ihren ökologischen Anspruch: Durch optimierte Produktionsprozesse im Werk Hangzhou Bay sank der CO2-Fußabdruck bei der Herstellung um 1,1 Tonnen auf nun 20,3 Tonnen CO2-Äquivalente für das Dual-Motor-Modell. Damit weißt das Fahrzeug die aktuell sauberste Produktionsbilanz der gesamten Geely-Flotte auf.
Für Struktur im Cockpit sorgt zudem die neue, vom Polestar 5 übernommene Ausstattungslogik mit den klaren Bezeichnungen „Rear Motor“ und „Dual Motor“. Wer optisch Akzente setzen will, erkennt die Leistungsstufen an den Sicherheitsgurten: Klassisches Schwarz für den Einstieg, Schwarz mit schwedisch-goldenen Streifen für den Dual Motor und pures Schwedengold für die kompromisslosen Performance-Topmodelle.



