TESLA FSD in Deutschland vermeidet Unfall! Eine Stunde autonom in Hamburg im Model 3

Nico Pliquett

Nico Pliquett

Nico Pliquett testet die Tesla FSD Beta eine Stunde lang autonom im Hamburger Stadtverkehr, wobei das System bis auf zwei verständliche Eingriffe bei einem Rettungswagen und einer Polizeikontrolle sowie kleineren Schwächen bei der Parkplatzwahl beeindruckend souverän und sicher agierte.

Exklusiver Einblick: Tesla "Full Self-Driving" (FSD) Beta im Härtetest durch Hamburg

Es ist ein Szenario, auf das Tesla-Fans und Kritiker in Deutschland gleichermaßen gewartet haben: Eine komplette Stunde autonomes Fahren durch den dichten Hamburger Stadtverkehr. In einem aktuellen Video dokumentiert Nico Pliquett eine ungeschnittene Fahrt mit der FSD (Full Self-Driving) Beta-Software in einem Tesla Model 3. Das Ergebnis ist verblüffend: Der Wagen lenkte, wählte Spuren und navigierte durch komplexe Situationen fast vollständig selbstständig.

Wichtig zur Einordnung: Es handelte sich um eine Beta-Software, bei der jederzeit ein Tesla-Mitarbeiter auf dem Fahrersitz bereit saß, um einzugreifen. Dies ist aktuell die rechtliche Voraussetzung für solche Testfahrten in Deutschland. Dennoch lief das System so stabil, dass sich die Fahrt laut Pliquett extrem "menschlich" anfühlte.

Die Highlights der autonomen Fahrt

Die Fahrt führte vom Tesla Service Center durch diverse städtische Szenarien, Baustellen und über die Autobahn. Besonders die Visualisierung auf dem Display fiel auf: FSD bietet eine deutlich umfangreichere Darstellung der Umgebung als der herkömmliche Autopilot, inklusive einer Vogelperspektive an Kreuzungen und einer Priorisierung relevanter Verkehrsteilnehmer durch Schärfe und Helligkeit in der Darstellung.

Beeindruckende Manöver:

  • Baustellen: Das System erkannte frühzeitig zusammenführende Spuren anhand von Schildern und ordnete sich proaktiv ein. Es unterschied problemlos zwischen gelben Baustellenmarkierungen und weißen Fahrbahnlinien.
  • Autobahnauffahrt: Das Einfädeln bei 120 km/h verlief souverän und ohne das typische "Zittern" am Lenkrad.
  • Rettungsgasse: In einer Stausituation am Horner Kreisel bildete der Tesla selbstständig eine Rettungsgasse, indem er sich am linken Rand der Fahrspur hielt.
  • Engstellen: In schmalen Einbahnstraßen passte das Fahrzeug die Geschwindigkeit adaptiv an, teilweise bis auf 20-30 km/h, um auf mögliche Gefahren wie spielende Kinder reagieren zu können.
  • Linksabbiegen: Selbst komplexe Linksabbiegevorgänge ohne grünen Pfeil und mit Gegenverkehr wurden gemeistert, indem das System geduldig auf Lücken wartete.

Die zwei notwendigen Eingriffe

Trotz der beeindruckenden Leistung gab es zwei Momente, in denen der menschliche Fahrer eingreifen musste. Diese Situationen verdeutlichen die aktuellen Grenzen der KI im Konflikt mit komplexen Verkehrsregeln und menschlicher Intuition.

Situation Das Problem Lösung
Rettungswagen an roter Ampel Der Tesla stand als erstes Fahrzeug an einer roten Ampel, als sich von hinten ein Rettungswagen näherte. Das System wusste nicht, dass es im Notfall erlaubt ist, die Haltelinie bei Rot vorsichtig zu überfahren, um Platz zu machen. Der Tesla-Mitarbeiter übernahm das Steuer und fuhr über die Ampelkreuzung zur Seite.
Polizeiregelung an Kreuzung Eine Ampel zeigte Grün, aber Polizisten regelten den Verkehr (bzw. standen in der Nähe). Der Tesla blieb trotz grüner Ampel stehen, vermutlich irritiert durch die Präsenz der Beamten oder unklare Signale. Der Fahrer griff ein, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern.

Verbesserungspotenzial: Geschwindigkeit und Parken

Neben den Eingriffen zeigten sich kleinere Schwächen im Detail. So interpretierte der Tesla Geschwindigkeitsbegrenzungen teilweise zu starr oder übersah zeitliche Einschränkungen (z.B. Tempo 30 nur nachts). In einer Situation fuhr der Wagen 40 km/h in einer 30er-Zone, vermutlich getrieben durch den fließenden Verkehr von hinten.

Auch beim Parken zeigte sich die Software "ambitioniert": Zwar fand der Wagen selbstständig Parklücken auf einem Supermarktparkplatz, wählte jedoch einmal eine Lücke, die so eng war, dass die vier Insassen kaum hätten aussteigen können. Hier fehlt der KI noch das Verständnis für den menschlichen Komfortbedarf beim Aussteigen.

Fazit und Ausblick: Kameras statt LiDAR?

Nico Pliquett zeigte sich nach der Fahrt überzeugt vom "Vision Only"-Ansatz Teslas. Die Argumentation: Menschen fahren auch nur mit "zwei Kameras" (den Augen). Wenn ein System, das nie müde wird, 360-Grad-Rundumblick hat und Reaktionszeiten im Millisekundenbereich besitzt, sicherer fährt als ein Mensch, ist die Diskussion um zusätzliche Sensoren wie LiDAR zweitrangig.

Die Fahrt in Hamburg demonstrierte, dass die Technologie bereits jetzt in der Lage ist, 90% der alltäglichen Fahraufgaben sicher und komfortabel zu übernehmen. Die verbleibenden Herausforderungen liegen in extrem spezifischen Sondersituationen (Polizeikontrollen, Rettungswagen). Für die breite Masse könnte diese Technologie nicht nur mehr Komfort, sondern vor allem mehr Sicherheit durch die Vermeidung menschlicher Fehler wie Müdigkeit oder Ablenkung bedeuten.

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