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VW in der Krise: Oliver Blumes radikaler Schrumpfkurs

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

25. März 2026·2 Min. Lesezeit
VW in der Krise: Oliver Blumes radikaler Schrumpfkurs

Volkswagen steckt in der schwersten Krise seit der Diesel-Ära: Bei einer operativen Marge von nur 2,8 Prozent und massiven Überkapazitäten plant Konzernchef Oliver Blume den Rückbau statt Wachstum. Bis zu 50.000 Stellen sollen gestrichen und die Kostenbasis um 20 Prozent gesenkt werden, um das Überleben des Giganten in einem schwierigen geopolitischen Umfeld zu sichern.

Volkswagen am Scheideweg: Effizienz statt Größenwahn

Die goldenen Zeiten der Absatzrekorde sind in Wolfsburg endgültig vorbei. Konzernchef Oliver Blume verordnet dem weltweit zweitgrößten Automobilhersteller eine Rosskur, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Nach einem enttäuschenden Jahr 2025, in dem das operative Ergebnis auf weniger als die Hälfte einbrach, steht fest: Das alte Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Mit einer operativen Marge von 2,8 Prozent agiert VW derzeit auf Krisenniveau.

Besonders bitter: Rund neun Milliarden Euro an Sondereffekten belasteten die Bilanz, darunter massive Abschreibungen auf die Elektro-Strategie von Porsche. Blume, der das Unternehmen in Personalunion führt, muss nun den Spagat zwischen notwendigen Investitionen in die Zukunft und drakonischen Sparmaßnahmen im Hier und Jetzt meistern.

Überkapazitäten: Vier Fabriken zu viel

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während Volkswagen früher von 14 Millionen verkauften Autos träumte, wurden 2025 lediglich neun Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Das Problem: Die Infrastruktur des Konzerns ist weiterhin auf rund zehn Millionen Einheiten ausgelegt. Dieses Delta entspricht rechnerisch dem Output von vier kompletten Fabriken.

Besonders die Standorte in Deutschland stehen unter gewaltigem Druck. Während die Konkurrenz in Europa ein Auto für durchschnittlich 2.500 Euro produziert, liegen die Kosten bei VW bei rund 4.000 Euro. In Werken wie Emden und Zwickau wird zwar bereits gespart, doch der "Weihnachtskompromiss" mit der IG Metall gilt nur als Atempause. Sollten die Kostenziele bis Ende 2026 nicht erreicht werden, steht die Standortfrage erneut auf der Agenda.

Kennzahl Status Quo (2025/26) Herausforderung / Ziel
Operative Marge 2,8 % Ziel 2030: 8 - 10 % (korrigiert)
Absatz ca. 9 Mio. Fahrzeuge Rückgang von ehemals 12 Mio.
Produktionskosten (∅) 4.000 € pro Fahrzeug Wettbewerb: 2.500 €
Stellenabbau - 50.000 (konzernweit) davon 35.000 bei der VW AG

Der Umbau zur "Operativen Holding"

Um die Trägheit des Tankers Volkswagen zu überwinden, zentralisiert Blume die Macht. Die Schlüsselressorts Entwicklung, Beschaffung, Produktion und Vertrieb laufen künftig direkt bei ihm zusammen. Intern wird dieses Modell als "operative Holding" bezeichnet. Ziel ist eine Kostenreduktion der Basis um bis zu 20 Prozent.

Doch dieser Kurs stößt auf Widerstand. Arbeitnehmervertreter warnen vor einer "zentralistischen Übersteuerung", die die Identität und Schlagkraft der starken Einzelmarken wie Audi oder Porsche gefährden könnte. Zudem wackelt Blumes Rückhalt in den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, die mit der aktuellen Renditeentwicklung unzufrieden sind.

"Wir verkaufen zu viele Autos für das Geld, das wir damit verdienen. Das bisherige Geschäftsmodell trägt nicht mehr – wir müssen schrumpfen, um zu überleben."

Real-World-Impact: Was bedeutet das für die Kunden?

Für dich als Autofahrer bedeutet der VW-Umbau vor allem ein gestrafftes Modellprogramm. Nischenmodelle werden gestrichen, Plattformen stärker vereinheitlicht. Zudem könnte der Fokus auf Rendite dazu führen, dass Einstiegsmodelle teurer werden oder ganz verschwinden, während sich der Konzern auf margenstarke Segmente konzentriert. Gleichzeitig muss VW beweisen, dass die Qualität trotz des massiven Spardrucks in der Produktion nicht auf der Strecke bleibt.

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