Winter-Härtetest bestanden: VW und Rivian bündeln die Kräfte
Ein entscheidender Wendepunkt für die digitale Zukunft des Volkswagen-Konzerns ist geschafft. Das Gemeinschaftsunternehmen „Rivian and Volkswagen Group Technologies“ (kurz: RV Tech) hat das mehrmonatige Wintertestprogramm für seine neue zonale Architektur erfolgreich beendet. In Phoenix (USA) und dem schwedischen Arjeplog mussten sich die Referenzfahrzeuge extremen Bedingungen stellen.
Das Ziel der Tests war die Validierung der sogenannten "Software-Defined Vehicle" (SDV) Architektur. Dabei arbeiteten Ingenieure von VW, Audi, Scout und Rivian Hand in Hand, um das Zusammenspiel von Hardware und Software bei Schnee, Eis und extremer Kälte zu perfektionieren. Laut Konzernchef Oliver Blume zeigt der schnelle Abschluss, wie präzise das Joint Venture die gesetzten Meilensteine erreicht.
Zonale Architektur: Das Ende des Steuergeräte-Dschungels
Der Kern der Kooperation mit Rivian liegt in einer radikalen Vereinfachung der Bordelektronik. Während klassische Autos oft über 70 einzelne Steuergeräte für jede kleinste Funktion besitzen, setzt die neue SDV-Architektur auf leistungsstarke Zonenrechner. Diese bündeln Funktionen räumlich im Fahrzeug, was nicht nur das Gewicht senkt, sondern die Fehleranfälligkeit der Software drastisch reduziert.
In den Tests standen vor allem sicherheitskritische Systeme wie der Allradantrieb und die Traktionskontrolle im Fokus. Auch die Stabilität von Over-the-Air-Updates (OTA) unter widrigen Bedingungen wurde bestätigt. Damit rückt das Ziel, Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg digital aktuell zu halten, in greifbare Nähe.
| Merkmal | Vorteil / Spezifikation |
|---|---|
| Steuergeräte (ECUs) | Reduktion von ca. 17 auf 7 Hauptrechner |
| Verkabelung | Einsparung von bis zu 2,5 km Kabel pro Fahrzeug |
| Update-Fähigkeit | Vollständige OTA-Integration für alle Zonen |
| Ziel-Modelle | VW ID.Every1 (2027), Audi, Scout & Porsche |
Know-how-Transfer: Von Palo Alto nach Wolfsburg
Um die neue Technologie schnell in die Serie zu bringen, startet Volkswagen im Mai 2026 ein großangelegtes Qualifizierungsprogramm. Software-Spezialisten aus Wolfsburg werden direkt an Standorten wie Palo Alto geschult. Diese Experten sollen als "Multiplikatoren" fungieren und den neuen Code-Standard in die heimischen Entwicklungsabteilungen tragen.
"Wir treiben die Entwicklung entschlossen voran, mit dem Anspruch, der globale automobile Technologietreiber zu werden", betont Oliver Blume den strategischen Stellenwert der Partnerschaft.
Das erste Serienmodell, das von der Rivian-Expertise profitieren wird, ist der für 2027 angekündigte VW ID.Every1. Das Einstiegs-Elektroauto für rund 20.000 Euro soll beweisen, dass hochmoderne Software-Architektur auch in bezahlbaren Segmenten realisierbar ist. Für Volkswagen ist dies nach den Software-Schwierigkeiten der letzten Jahre die wohl wichtigste "Wiedergutmachung" am Kunden.



