Vom E-Auto-Pionier zum Recycling-Boss: VW Zwickau wird globales Labor für Kreislaufwirtschaft

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

Vom E-Auto-Pionier zum Recycling-Boss: VW Zwickau wird globales Labor für Kreislaufwirtschaft

Zwickau war das erste VW-Werk, das komplett auf E-Autos umgestellt wurde. Jetzt folgt der nächste logische Schritt: Der Standort wird zum globalen Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft. Mit Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro soll hier erforscht werden, wie man E-Autos effizient demontiert, Batterien recycelt und Komponenten ein "zweites Leben" schenkt. Wir schauen uns den Plan an.

Zwickau hat Benzin im Blut – oder besser gesagt: Elektronen. Nachdem das Werk in Sachsen als erstes im Konzern den harten "Switch" auf 100% E-Mobilität durchgezogen hat (wir erinnern uns an den Start des ID.3), bekommt der Standort jetzt eine neue, nicht minder wichtige Aufgabe. Zwickau wird das globale Gehirn für die Kreislaufwirtschaft von Volkswagen.

Das klingt erst mal nach trockenem Konzern-Sprech, ist aber strategisch hochspannend. Denn VW will nicht mehr nur Autos bauen, sondern auch lernen, wie man sie am Ende ihres Lebenszyklus am besten wieder auseinandernimmt, um an das "Gold" im Inneren zu kommen.

Der 90-Millionen-Euro-Plan

Volkswagen meint es ernst und plant Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro am Standort. Auch der Freistaat Sachsen buttert über 10 Millionen Euro dazu. Das Ziel: Standards setzen. Was in Zwickau ausgetüftelt wird, soll später weltweit in allen VW-Werken als Blaupause für Recycling und Refurbishment dienen.

Was genau passiert da?

Es geht nicht um die Schrottpresse, wie wir sie vom Schrottplatz kennen. Es geht um High-Tech-Demontage. Zwickau startet mit der systematischen Zerlegung von Fahrzeugen, um:

  • Wertvolle Rohstoffe (Lithium, Kobalt, Nickel etc.) zurückzugewinnen.
  • Komponenten zu retten, die noch gut sind, um sie als "Second-Life"-Ersatzteile oder in anderen Anwendungen (z.B. stationäre Speicher) zu nutzen.
  • Reine Rezyklate zu gewinnen, die direkt in die Produktion neuer Neuwagen fließen.

Klein anfangen, groß skalieren

Der Startschuss fällt dieses Jahr mit einer "Testflotte" von 500 Vorserienfahrzeugen. Das sind oft Autos, die nicht verkauft werden dürfen und sonst geschreddert würden – jetzt werden sie zu Forschungsobjekten. Bis 2030 soll die Kapazität dann stufenweise auf 15.000 Fahrzeuge pro Jahr hochgefahren werden.

Warum macht VW das?

Andreas Walingen, der Leiter der "Group Circular Economy", bringt es auf den Punkt: Es geht um Resilienz. Wer seine Rohstoffe selbst recycelt, ist weniger abhängig von schwankenden Weltmarktpreisen und dubiosen Lieferketten. Zudem senkt der Einsatz von Recycling-Material drastisch den CO2-Fußabdruck neuer Autos.

Außerdem spielt KI eine riesige Rolle. VW will Datenplattformen nutzen, um genau zu wissen, welche Materialien in welchem Auto wo verbaut sind, um den Recycling-Prozess so effizient wie möglich zu steuern.

Unser Take: Ein cleverer Schachzug. Die Kritiker rufen immer "Wohin mit dem Elektroschrott?". Zwickau liefert jetzt die Antwort. Dass damit auch Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region gesichert werden (Teil der Einigung der Tarifverhandlungen vom Dezember), ist ein willkommener Nebeneffekt.

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