Zeitenwende in Zuffenhausen: Michael Leiters trimmt Porsche auf Effizienz
Nach der Ära von Oliver Blume weht bei Porsche seit dem 1. Januar 2026 ein neuer Wind. Der neue Vorstandsvorsitzende Michael Leiters hat eine Phase der Konsolidierung eingeleitet, um den Sportwagenhersteller wetterfest für eine wirtschaftlich angespannte Zukunft zu machen. Mit einem Mix aus klassischer Management-Disziplin – wie der Rückkehr zur Präsenzpflicht und einem Business-Dresscode – und einer radikalen Analyse der Kostenstrukturen reagiert Leiters auf die jüngsten Absatzrückgänge in den Kernmärkten USA und China.
Leiters, der als ehemaliger Technikchef von Ferrari und CEO von McLaren für seine kompromisslose Qualitätskontrolle bekannt ist, stellt aktuell jedes Projekt auf den Prüfstand. Sein Credo: „Nur technisch ausgereifte Autos kommen auf die Straße.“ Damit zieht er die Konsequenzen aus den Software-Verzögerungen der Vergangenheit, fordert jedoch gleichzeitig eine deutlich höhere Teilegleichheit zwischen den Baureihen, um die Komplexität und Kosten zu senken.
Strategische Korrekturen: Elektro-Roadmap und Verbrenner-Optionen
Besonders die Elektrifizierungsstrategie erfährt derzeit Anpassungen. Aufgrund von Engpässen bei der Batterieversorgung – bedingt durch die Northvolt-Insolvenz und den Wechsel zu Samsung SDI – verschiebt sich der Marktstart des elektrischen 718 auf das Jahr 2027. Auch beim geplanten Luxus-SUV „K1“ wird neu gedacht: Ursprünglich rein elektrisch konzipiert, wird nun aufgrund der Marktlage auch über eine Variante mit Verbrennungsmotor nachgedacht.
| Modell / Projekt | Ursprünglicher Plan | Aktueller Status (unter Leiters) |
|---|---|---|
| Porsche 718 (E-Modell) | Marktstart 2024/25 | Verschoben auf 2027 (Batterie-Thematik) |
| Projekt K1 (High-End SUV) | Rein elektrisch | Prüfung einer Verbrenner-Variante |
| Rendite-Zielschwelle | Fokus auf Wachstum | Profitabel bereits ab 180.000 Einheiten/Jahr |
| Stellenabbau | ca. 4.000 Stellen | Potenzial für weitere Streichungen wird geprüft |
Effizienzprogramm: Zurück zur „Wiedeking-Schule“?
Interne Beobachter ziehen Parallelen zur Ära von Wendelin Wiedeking. Leiters verlangt volle Transparenz bis in die kleinsten Kosteneinheiten und lehnt grobe Milliarden-Budgets ohne Detailtiefe ab. Sein ambitioniertes Ziel ist es, die Gewinnschwelle so weit zu senken, dass Porsche bereits bei einem Absatz von 180.000 Fahrzeugen pro Jahr profitabel bleibt. Zum Vergleich: 2023 lieferte Porsche noch rund 320.000 Fahrzeuge aus.
„Wir brauchen volle Loyalität zur neuen Führung und eine strikte Trennung der Informationsflüsse. Porsche muss wieder lernen, mit kleineren Stückzahlen maximale Erträge zu erwirtschaften.“
Das Verhältnis zu Wolfsburg und der Familien-Holding
Trotz der Neuausrichtung bleibt die Konstellation komplex: Oliver Blume ist als VW-Konzernchef weiterhin Leiters' Vorgesetzter. Gemeinsam müssen sie ein konzernweites Sparziel von 20 Prozent bis 2028 umsetzen. Leiters sicherte sich intern zunächst eine 20-tägige „Schonfrist“, in der Führungskräfte Probleme ohne Konsequenzen offenlegen durften. Auf Basis dieser Bestandsaufnahme wird nun über die Zukunft von Schlüsselprojekten und weiteren Stellenstreichungen entschieden.



