VW & Rivian Software-Krise: Bangen um ID.1 und Audi Q8 e-tron

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

VW & Rivian Software-Krise: Bangen um ID.1 und Audi Q8 e-tron

Die 5-Milliarden-Dollar-Wette von VW-Chef Oliver Blume auf den US-Partner Rivian wackelt. Während die Kooperation offiziell als Erfolg verkauft wird, wächst intern der Frust – besonders bei Audi. Massive funktionale Lücken und kulturelle Unterschiede in der Software-Entwicklung bringen Prestigeprojekte wie den ID.1 und den elektrischen Audi Q8 e-tron in Bedrängnis. Ohne "Plan B" wird die Allianz für Volkswagen zur riskanten Geduldsprobe.

Es sollte der Befreiungsschlag werden. Nach dem Desaster um die hauseigene Software-Tochter Cariad setzte VW-Konzernchef Oliver Blume alles auf eine Karte: das Joint Venture „RV Tech“ mit dem US-Elektroauto-Pionier Rivian. Rund fünf Milliarden Euro fließen in das Projekt, das die Basis für alle kommenden Stromer bilden soll. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig.

Audi-Ingenieure entsetzt: "Lücke ist gewaltig"

Besonders bei der Premium-Tochter Audi wächst die Nervosität. Wie das Manager Magazin berichtet, förderte eine interne Prüfung der Rivian-Verträge Erschütterndes zutage: Der US-Partner liefert zwar formal, was vereinbart wurde, doch der Reifegrad der Software entspricht keineswegs deutschen Premium-Ansprüchen.

Die Kritikpunkte sind drastisch:

  • US-Logik vs. German Engineering: Die Rivian-Software ist stark auf den amerikanischen Markt zugeschnitten. Komplexe Regelstrategien für Fahrdynamik oder die Klimatisierung, die Audi-Kunden erwarten, fehlen schlichtweg.
  • Hardware-Anbindung: Während Rivian auf eine radikal einfache zonale Architektur setzt, kämpfen VW-Ingenieure damit, die gewohnte Funktionsvielfalt in dieses starre Gerüst zu pressen.
  • Funktionale Lücken: Berichten zufolge ließen sich zeitweise nur einzelne Smartphones einbinden, und die Klimasteuerung kannte kaum mehr als "An" und "Aus".

Die Taskforce "Knigge" soll es richten

Um den geplanten Marktstart des Audi Q8 e-tron nicht zu gefährden, wurde eine Taskforce unter der Leitung von Christian Knigge ins Leben gerufen. Ihr Auftrag: Analysieren, welche Nacharbeiten intern geleistet werden müssen, um die "Audi-DNA" in die US-Software zu injizieren. Dass der Konzern für fünf Milliarden Euro nun massiv selbst Hand anlegen muss, sorgt in den Entwicklungsabteilungen für Hohn und Spott.

Status-Check: Die VW-Software-Partner im Vergleich

Partner Region / Fokus Status 2026
Rivian (RV Tech) Global / Next-Gen E-Auto Problematisch; Fokus auf ID.1 & Audi Q8 e-tron; Verzögerungen bei Paketen.
XPeng China ("In China for China") Reibungslos; Integration schreitet schnell voran; Fokus auf China-Modelle.
Cariad (intern) Global / Legacy & Verbrenner Stark reduziert; entwickelt "Notlösung" für Verbrenner bis 2030.

Alles oder Nichts für den ID.1

Für den VW ID.1 (ehemals als Elektro-Polo-Erbe geplant) gibt es kein Zurück mehr. Das Modell ist technisch so eng mit der Rivian-Architektur verzahnt, dass ein Scheitern der Software den kompletten Fahrzeuganlauf stoppen würde. Ein Vorstandsmitglied wird intern bereits mit den Worten zitiert: „Wenn Rivian nicht klappt, können wir unser Grab schaufeln.“

"Die Software-Wette von Oliver Blume ist das riskanteste Spiel der deutschen Industriegeschichte. Es gibt keinen Plan B mehr."

Während die Wintertests für den ID.1 in Schweden aktuell nur auf abgesperrten Geländen stattfinden – aus purer Vorsicht vor Software-Aussetzern auf öffentlicher Straße – bleibt die Frage offen: Kann ein deutsches Dickschiff wie VW wirklich im Silicon-Valley-Tempo von Rivian mitschwimmen, oder ertrinkt der Konzern gerade in seiner eigenen Abhängigkeit?

Artikel teilen

Ähnliche Artikel

Tesla Automations-App: Eigene Befehle & Abläufe erstellen (Update 2026)
TeslaTechnik & Software

Tesla Automations-App: Eigene Befehle & Abläufe erstellen (Update 2026)

Tesla bringt die „Automations“-App: Mit dem Update 2025.45.32.1 führt Tesla eine native App ein, die es Nutzern ermöglicht, komplexe „Wenn-Dann“-Regeln für ihr Fahrzeug zu erstellen. Ob personalisierte Sprachansagen beim Einsteigen oder automatisierte Licht-Szenarien – die App macht externe Lösungen überflüssig und gibt Usern die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug-Erlebnis.

Nissan Ariya Solar 2026: 23 km Gratis-Reichweite pro Tag
NissanTechnik & Software

Nissan Ariya Solar 2026: 23 km Gratis-Reichweite pro Tag

Nissan macht den Ariya zum Sonnenanbeter: Zum Clean Energy Day 2026 präsentiert der japanische Hersteller ein wegweisendes Konzept mit integrierter Solartechnik von Lightyear. Mit 3,8 m² Photovoltaik-Fläche generiert das SUV bis zu 23 Kilometer Gratis-Reichweite pro Tag. Während Pendler ihre Ladezyklen um bis zu 65 % senken könnten, zeigt das Projekt eindrucksvoll, dass das Auto der Zukunft nicht nur Strom verbraucht, sondern ihn selbst erzeugt.