Tesla FSD in Europa rückt näher, doch der Widerstand wächst
In Folge 75 von Elektroquatsch sprechen Nico Pliquett und Constantin Hoffmann über eine Reihe von Entwicklungen, die zeigen, wie schnell sich der Markt für Elektroautos und autonome Fahrfunktionen derzeit verändert. Im Mittelpunkt steht erneut Tesla FSD, das inzwischen in Australien und Neuseeland verfügbar ist. Der Start erfolgte mit Version 14.3.3 und bleibt zunächst auf Fahrzeuge mit Hardware 4 beschränkt.
Für Europa bleibt die Lage komplex. Nach den Niederlanden, Dänemark und Estland soll auch Belgien eine Genehmigung für FSD erhalten haben. Damit wächst die Zahl der Länder, die Tesla bei der Zulassung entgegenkommen. Gleichzeitig gibt es deutlichen Widerstand aus Schweden. Die schwedische Verkehrsverwaltung kritisiert vor allem, dass FSD in bestimmten Situationen eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit erlauben kann.
Für eine dauerhafte Zulassung in der Europäischen Union braucht es eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten, die zugleich 65 Prozent der EU Bevölkerung repräsentieren. Damit spielen große Länder wie Deutschland und Frankreich eine entscheidende Rolle. Deutschland scheint nach Einschätzung der Moderatoren nicht auf einen nationalen Sonderweg setzen zu wollen, sondern eher auf eine gesamteuropäische Regelung zu warten.
Finnland positioniert sich dagegen deutlich offener. Die finnische Transport und Kommunikationsagentur sieht in FSD ein erhebliches Potenzial zur Vermeidung menschlicher Fahrfehler. Zudem soll Tesla dort bereits seit mehreren Jahren mit Sondergenehmigungen testen. Eine Zulassung in Finnland könnte laut Podcast im Oktober relevant werden.
Parken bleibt eine der großen FSD Herausforderungen
Ein weiteres Thema ist die Frage, wie FSD künftig mit Parkplätzen umgehen soll. Tesla arbeitet laut den besprochenen Berichten daran, dass das System sich ortsbezogen merken kann, wie Fahrerinnen und Fahrer an bestimmten Stellen parken. Denkbar wäre etwa, dass das Auto bei regelmäßig besuchten Orten bevorzugte Parkpositionen erkennt und künftig automatisch ansteuert.
Zusätzlich sollen Sprachbefehle beim Parken eine größere Rolle spielen. Die Moderatoren sehen darin großes Potenzial, weisen aber auch auf die Schwierigkeit hin, menschliche Eingaben sicher zu interpretieren. Besonders heikel wird es, wenn ein System Anweisungen bekommt, die mit Sicherheitsregeln kollidieren könnten. Tesla muss also verhindern, dass eine künstliche Intelligenz durch unklare oder bewusst manipulative Befehle zu riskantem Verhalten gebracht wird.
Robotaxi Dienst ist ein Jahr alt, bleibt aber noch klein
Der Robotaxi Dienst von Tesla hat inzwischen seinen ersten Geburtstag gefeiert. Die große Skalierung ist nach Einschätzung der Moderatoren aber noch ausgeblieben. Zwar gibt es Fortschritte, erste Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer und Aktivitäten in Städten wie Austin, Dallas und Houston, doch die Flotte wirkt weiterhin überschaubar.
Positiv bewerten Nico und Constantin, dass es bislang keine großen schweren Unfälle mit breiter öffentlicher Wirkung gegeben hat. Gleichzeitig sei der Hochlauf langsamer, als viele erwartet hatten. Die großen Hoffnungen richten sich deshalb weiter auf das Cybercab. Zwei Cybercabs wurden in Neuseeland gesehen, offenbar für Tests unter winterlichen Bedingungen mit Eis und Schnee.
Tesla Software, App Funktionen und Supercharger Extras
Auch bei Tesla Fahrzeugen selbst gibt es Neuerungen. Ein Software Update erweitert die Warnung beim Öffnen der Türen. Wenn sich von hinten ein Fahrrad oder ein anderes Objekt nähert, kann sich die Ambientebeleuchtung an der Tür rot färben. Beim ersten Druck auf den Türöffner bleibt die Tür geschlossen, erst beim zweiten Druck wird sie freigegeben. Das Feature soll unter anderem auch bei neueren Model S und Model X ab Baujahr 2021 verfügbar sein.
Die Tesla App erhält mit Version 4.58 ebenfalls neue Funktionen. Nutzerinnen und Nutzer sollen künftig detaillierter sehen können, an welchen Superchargern sie in den vergangenen zwölf Monaten geladen haben. Dazu kommen Kartenansichten, Ladeauswertungen, digitale Abzeichen und ein Wettbewerb für besonders aktive Langstreckenfahrer. Als Hauptpreis wird lebenslang kostenloses Supercharging genannt.
Ein praktisches Detail testet Tesla außerdem an einem Supercharger in Pforzheim. Dort stehen kostenlose Staubsauger bereit. Die Moderatoren sehen darin ein einfaches, aber sinnvolles Zusatzangebot, das den Ladestopp aufwerten kann.
Cybertruck wird für Sicherheit ausgezeichnet
Der Cybertruck wurde laut Podcast von der US Sicherheitsorganisation IIHS als sicherster Pickup des Jahres 2026 ausgezeichnet. Besonders interessant ist das, weil der Cybertruck in der öffentlichen Debatte häufig als gefährlich oder unsicher wahrgenommen wird. Die Tests sollen dagegen gute Ergebnisse bei Frontalaufprall, Seitenaufprall und bei der Fußgängererkennung gezeigt haben.
Nico ordnet ein, dass Elektroautos bei der Crashsicherheit grundsätzlich konstruktive Vorteile haben können, weil kein großer Verbrennungsmotor im Vorderwagen sitzt. Dadurch kann mehr Raum für Verformung und Energieaufnahme entstehen. Der Cybertruck wird im Podcast deshalb als Beispiel dafür genutzt, dass optische Eindrücke nicht zwangsläufig etwas über tatsächliche Sicherheit aussagen.
Volkswagen startet Vehicle to Grid mit Elli
Bei Volkswagen geht Vehicle to Grid in Deutschland an den Start. Die Energietochter Elli bietet dazu ein Paket aus passendem Stromtarif, App und Gleichstrom Wallbox an. Teilnehmende Kundinnen und Kunden sollen im ersten Vertragsjahr einen Bonus von bis zu 720 Euro erzielen können.
Technische Grundlage sind Fahrzeuge auf der MEB Plattform mit Software Version 3.5. Der Einstieg ist allerdings nicht trivial, weil für Vehicle to Grid eine Gleichstrom Wallbox benötigt wird. Die Moderatoren sehen darin einen möglichen Kostenfaktor, der die Wirtschaftlichkeit für Privatkunden beeinflusst.
Porsche richtet beeinflusst. Porsche richtet sich neu aus
Bei Porsche steht eine strategische Korrektur an. Der neue Chef Michael Leiters kündigt eine strukturelle Verschlankung und eine Reduzierung der Modellkomplexität an. Porsche will sich weniger stark an reinen Absatzzahlen orientieren und stärker auf Exklusivität sowie Markenwert setzen.
Gleichzeitig investiert Porsche weiter parallel in Verbrenner, Hybride und Elektroautos. Hybridtechnik soll langfristig eine wichtige Säule bleiben. In den USA werden zwei Karosserievarianten des Taycan gestrichen. Der kommende vollelektrische Cayenne soll eine Schlüsselrolle übernehmen.
Die Moderatoren sehen diesen Kurs kritisch. Porsche habe in den vergangenen Jahren stark von Macan und Cayenne profitiert, also von Modellen, die weniger Sportwagenexklusivität und mehr Premium Alltagstauglichkeit verkörpern. Gleichzeitig wird die Konkurrenz bei elektrischen Luxusfahrzeugen immer stärker, besonders aus China.
BMW senkt Prognose und baut Leipzig für die Neue Klasse um
Auch BMW steht unter Druck. Der Konzern musste seine Finanzprognose deutlich senken. Statt einer Marge von 4 bis 6 Prozent rechnet BMW nun nur noch mit 1 bis 3 Prozent. Als wichtigster Auslöser wird der schwächere China Markt genannt, der bisher ein zentraler Absatz und Gewinnbringer für die Münchner war.
Gleichzeitig investiert BMW weiter in die Zukunft. Das Werk Leipzig wird im Sommer für 5,5 Wochen gestoppt und für die Produktion von Fahrzeugen der Neuen Klasse umgebaut. Dafür fließt ein dreistelliger Millionenbetrag. Die Moderatoren bewerten BMW trotz der schwächeren Zahlen vergleichsweise positiv, weil das kommende Elektroportfolio mit Modellen wie i3, iX3 und weiteren Varianten schlüssig wirkt.
Neue Elektroautos von Smart, Slate, Skoda, Renault, Kia und Zeekr
Auch bei den neuen Modellen war die Folge breit aufgestellt. Smart plant ein kleines Elektroauto, das preislich bei rund 22.500 Euro liegen könnte. Eine europäische Produktion sei möglich. Die Batterie soll auf 35,7 Kilowattstunden kommen, das Laden von 10 auf 80 Prozent soll rund 20 Minuten dauern. Auffällig ist das Innenraumkonzept mit einer durchgehenden Sitzbank im vorderen Bereich.
Slate sorgt in den USA mit einem besonders einfachen und modularen Elektro Pickup für Aufmerksamkeit. Das Basismodell soll 24.950 US Dollar kosten, die SUV Variante 29.950 US Dollar. Genannt werden rund 320 Kilometer Reichweite, 135 Kilowatt Leistung und 120 Kilowatt Ladeleistung. Das Konzept setzt auf starke Vereinfachung in der Produktion, einheitliche Grundfarbe und viele nachrüstbare Module.
Skoda bringt ein großes neues Elektro SUV ins Gespräch, das im Podcast als Peaq bezeichnet wird. Die Länge liegt bei rund 4,90 Metern, das Kofferraumvolumen kann in der fünfsitzigen Variante bis zu 935 Liter betragen. Es sind Heckantrieb und Allradantrieb vorgesehen, dazu Akkus mit bis zu etwa 90 Kilowattstunden und Ladezeiten von rund 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent.
Der Cupra Tavascan erhält eine Black Edition. Technisch bleibt es bei bis zu 340 PS, Akkus mit 58 oder 77 Kilowattstunden und einer Reichweite zwischen 441 und 557 Kilometern nach WLTP. Der Renault Megane E Tech bekommt ein Facelift mit 67 Kilowattstunden Akku, bis zu 500 Kilometern Reichweite, 165 Kilowatt Ladeleistung und neuer Google Software samt angekündigter Gemini Integration.
Kia legt beim EV2 eine Blackline Variante nach. Genannt werden 61 Kilowattstunden Akku, 400 Volt Technik, 135 PS, bis zu 418 Kilometer Reichweite und rund 30 Minuten Ladezeit von 10 auf 80 Prozent. Gegen Aufpreis soll auch 22 Kilowatt Wechselstromladen verfügbar sein.
Besonders stark wirken die Daten des Zeekr 7 GT. Der elektrische Kombi ist ab 47.990 Euro in Deutschland bestellbar. Die Business Edition kommt mit Heckantrieb, 421 PS und bis zu 519 Kilometern Reichweite. Das Topmodell Privilege bietet Allradantrieb, 646 PS, eine 100 Kilowattstunden Batterie und bis zu 655 Kilometer Reichweite. Beim Schnellladen sind bis zu 450 Kilowatt möglich, womit 10 auf 80 Prozent je nach Variante in etwa 13 bis 16 Minuten gelingen sollen.
China, Ladeinfrastruktur und der globale Wandel
China erreicht einen weiteren Meilenstein. Im April lagen Elektroautos bei den Neuzulassungen erstmals vor Verbrennern. Genannt werden 580.000 Elektroautos gegenüber 560.000 Verbrennern. Zugleich brach die Nachfrage nach Benzin und Dieselautos deutlich ein, was auch mit höheren Spritkosten erklärt wird.
In Europa wächst die Ladeinfrastruktur weiter. Inzwischen gibt es mehr als eine Million Ladepunkte. Die Niederlande liegen mit rund 203.000 Ladepunkten knapp vor Deutschland mit rund 201.000. Bei der Dichte je Quadratkilometer sind die Niederlande besonders stark. Deutschland kommt auf rund 0,56 Ladepunkte pro Quadratkilometer. Innerhalb Deutschlands liegen Nordrhein Westfalen, Bayern und Baden Württemberg vorne.
Folge 75 zeigt damit ein klares Bild. Autonomes Fahren, bidirektionales Laden und neue Elektroplattformen werden konkreter, während etablierte Hersteller unter Druck geraten und chinesische Anbieter mit Ladeleistung, Ausstattung und Preis neue Maßstäbe setzen.


