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Alpine A110 Future: Elektro-Erlkönig zeigt 800V-Sportwagen

Constantin Hoffmann

Constantin Hoffmann

6. Juli 2026·4 Min. Lesezeit
Alpine A110 Future: Elektro-Erlkönig zeigt 800V-Sportwagen

Alpine zeigt mit dem A110 Future einen auffällig getarnten Entwicklungsträger für die dritte Generation des A110 – und die soll komplett elektrisch werden. Im Fokus stehen eine neue Aluminium-Plattform, 800-Volt-Technik und ein Antriebskonzept, das klassische Sportwagen-Balance mit E-Performance verbinden soll.

Alpine A110 Future: Der Elektro-A110 nimmt Form an

Alpine hat einen neuen, demonstrativ auffällig gestalteten Erlkönig angekündigt: den Alpine A110 Future. Das Auto ist kein Serienmodell, sondern ein Entwicklungsträger, mit dem die Marke zentrale Technik-Bausteine für die dritte A110-Generation erprobt.

Spannend für alle Sportwagen-Fans im DACH-Raum: Alpine positioniert den kommenden A110 als konsequenten Elektro-Sportwagen – mit dem Anspruch, Fahrdynamik klassischer Alpine-Modelle nicht nur zu erhalten, sondern leistungsmäßig moderne Verbrenner-Sportwagen zu übertreffen. Das ist natürlich Marketing-Sprech, aber die technischen Eckpunkte deuten darauf hin, dass Alpine das Thema ziemlich ernst meint.

Die Basis: Alpine Performance Platform (APP) aus Aluminium

Herzstück des Projekts ist eine neu entwickelte Alpine Performance Platform (APP). Sie ist explizit für einen kompromisslosen Sportwagen ausgelegt und setzt auf eine Aluminiumarchitektur – ein Klassiker im Leichtbau, der gerade bei E-Autos wichtig bleibt, weil Batteriegewicht sonst schnell jede Dynamik-Story auffrisst.

Alpine nennt als Ziel, das typische, direkte Ansprechen (kurze Reaktionswege, leichtfüßiges Einlenken) beizubehalten. Der Trick dabei: Die Batteriepakete werden so im Fahrzeug verteilt, dass ein 40:60-Gewichtsverhältnis zwischen Vorder- und Hinterachse erreicht wird – also sportwagentypisch hecklastig, statt neutral "E-Auto-mittig".

Warum das für den Alltag (und die Rennstrecke) relevant ist

Ein heckbetontes Setup kann das Auto beim Herausbeschleunigen lebendig machen – und sorgt oft für das Gefühl, dass das Auto "um dich herum" rotiert, statt über die Vorderachse zu schieben. Für Kundinnen und Kunden heißt das: mehr Präzision auf kurvigen Straßen, weniger gefühlt träges Gewicht, und auf der Rennstrecke mehr Spielraum beim Lastwechsel.

800-Volt, Cell-to-Pack und energiedichte Zellen: Fokus auf Laden und Gewicht

Alpine setzt bei der APP auf 800-Volt-Technik und eine Cell-to-Pack-Bauweise mit Zellen hoher Energiedichte. Das zielt in zwei Richtungen: weniger Masse und bessere Ladeperformance. Beides ist bei einem Elektro-Sportwagen entscheidend, weil Leistung ohne wiederholbare Performance (und ohne praktikable Ladepausen) nur halb überzeugt.

800 Volt bedeuten in der Praxis vor allem: höhere mögliche Ladeleistungen bei gleicher Stromstärke, potenziell weniger Wärmeverluste und mehr Reserven für wiederholtes Schnellladen. Wie viel davon am Ende in der Serie ankommt, hängt aber von Batterie-Chemie, Thermomanagement und Ladefreigaben ab – Zahlen nennt Alpine hier noch nicht.

Technik-Baustein Was Alpine ankündigt Real-World-Impact
Plattform Alpine Performance Platform (APP), Aluminiumarchitektur Potenzial für geringeres Gewicht und agileres Handling
Gewichtsverteilung 40:60 (vorn:hinten) durch Positionierung von zwei Batteriepaketen Sportwagentypisches Einlenken, Traktion und Fahrgefühl
Batterie-Integration 800V, Cell-to-Pack, energiedichte Zellen Kürzere Ladepausen und bessere Effizienz des Gesamtsystems möglich
Antrieb hinten Zwei E-Motoren an der Hinterachse, 3-in-1-Bauweise, Siliziumkarbid-Inverter Präzisere Regelung, hohes Drehmoment, bessere Dauerleistung denkbar
Fahrwerk/Peripherie Aluminium-Fahrwerk, integrierte Brems- und Lenksysteme Direkteres Feedback, bessere Abstimmung zwischen Rekuperation und Bremse möglich

Heckantrieb neu gedacht: Zwei Motoren, 3-in-1 und Siliziumkarbid

Für die Hinterachse kündigt Alpine zwei E-Motoren in einer 3-in-1-Bauweise an, kombiniert mit einem Siliziumkarbid-Inverter. Zwei Motoren an der Hinterachse sind ein klarer Hinweis auf Performance-Regelung: Das System kann Drehmoment sehr fein dosieren und das Auto so beim Einlenken und Herausbeschleunigen stabilisieren oder bewusst agiler machen.

Siliziumkarbid (SiC) ist dabei ein typischer Performance-Hebel: Inverter mit SiC schalten effizienter, können kompakter ausfallen und helfen beim Thermohaushalt – wichtig, wenn ein Sportwagen wiederholt Leistung liefern soll, ohne nach zwei schnellen Runden spürbar einzuknicken.

Alpine nutzt den A110 Future als Entwicklungsträger, um genau die Technik zu testen, die später die dritte A110-Generation antreiben soll – mit 800-Volt-Architektur, sportwagentypischer Gewichtsverteilung und einem heckfokussierten Performance-Antrieb.

Goodwood als Bühne: A110-Historie trifft Elektro-Zukunft

Parallel zum Erlkönig will Alpine beim Festival of Speed in Goodwood auch die Geschichte des A110 erzählen – von historischen Modellen bis zur elektrischen Zukunft. Zusätzlich zeigt die Marke zwei aktuelle Elektro-Modelle aus der eigenen Wachstumsphase: den A290 sowie den A390 als fünfsitzigen Sport-Fastback mit 346 kW (470 PS).

Als Programmhöhepunkt ist ein Markenauftritt („Alpine Moment“) am Donnerstag, 9. Juli angekündigt: Der A110 Future trifft dabei in einer Parade auf klassische A110-Modelle; außerdem ist eine Demonstrationsfahrt des Formel-1-Boliden E20 vorgesehen.

Einordnung: Was bedeutet das für den Elektro-Sportwagen-Markt?

Alpines „erster echter Elektro-Sportwagen der Welt“-Claim ist sportlich formuliert – der Markt ist längst voll von schnellen E-Autos. Interessant ist hier eher die Kombination aus Leichtbau-Plattform, gezielter Gewichtsverteilung und 800-Volt-Performance-Setup, also ein Paket, das nicht nur auf 0–100 km/h optimiert ist, sondern auf Fahrgefühl und wiederholbare Leistung.

Damit rückt Alpine in ein Feld, das auch Tesla indirekt geprägt hat: Elektroautos können brutal schnell sein – die Herausforderung ist, daraus ein stimmiges Sportwagen-Erlebnis zu machen. Wer sich für Performance-EVs und deren Technik interessiert, sollte auch den Unterschied zwischen Architekturen auf dem Schirm haben: 800V vs. 400V: Welche E-Auto-Architektur brauchst du 2026?

Relevante Parallelen aus der Tesla-Welt

Dass Hersteller bei Batterien stärker auf Zell- und Pack-Integration sowie Schnellladefähigkeit setzen, ist ein klarer Branchentrend. Tesla treibt das Thema ebenfalls über neue Zulieferer und LFP-Weiterentwicklungen – wenn du wissen willst, wie aggressiv sich Ladezeiten über Zell- und Systemdesign drücken lassen, ist dieser Hintergrund spannend: Tesla setzt auf Sunwoda: Neue LFP-Zellen laden in 20 Minuten.

Was wir noch nicht wissen (und warum das okay ist)

Zum A110 Future fehlen derzeit zentrale Daten: Batteriegröße (kWh), Gewicht, Ladeleistung (kW), WLTP-Reichweite, Rundenfestigkeit und ob es zusätzlich eine Frontmaschine (AWD) geben wird. Das ist bei einem Entwicklungsträger normal – Alpine zeigt hier vor allem das technische Grundkonzept.

Sobald Alpine konkrete Serienwerte nennt, wird sich zeigen, ob der dritte A110 wirklich als leichtfüßiger Elektro-Sportwagen durchgeht oder am Ende doch eher ein sehr schnelles, aber schweres Performance-Coupé wird. Die Richtung stimmt jedenfalls: 800 Volt plus Leichtbau plus heckbetontes Layout ist genau das, was man von einem modernen Elektro-Sportwagen erwarten will.

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