Alpine macht aus der A110 ein Elektroauto, und setzt alles auf Performance
Die nächste, dritte Generation der Alpine A110 wird vollelektrisch. Damit verabschiedet sich Alpine beim Kernmodell vom klassischen Verbrenner-Konzept und baut die Modellfamilie technisch neu auf.
Im Rahmen eines Prototyps namens A110 Future hat Alpine-CEO Philippe Krief zentrale Eckpunkte genannt, samt Akku-Layout und Track-Fokus.
Neue Basis: Alpine Performance Platform (APP) mit Sportwagen-Layout
Das neue Modell steht auf einer eigenentwickelten Alpine Performance Platform (APP). Ziel der Architektur ist ein Sportwagen-Gefühl trotz Batterie, also tiefe Sitzposition, gute Gewichtsverteilung sowie ein sportwagentypisches Gewicht.
Für die neue A110 ist ein Akku mit rund 70 kWh Energiegehalt vorgesehen.
Zweiteiliges Batteriepaket für flache Proportionen
Um die klassische, flache Silhouette der A110 zu halten, nutzt Alpine ein zweigeteiltes Batteriekonzept. Ein kleinerer Teil liegt vor der Fahrgastzelle über der Vorderachse, der größere Teil über der Hinterachse.
Das soll eine 40:60-Gewichtsverteilung ermöglichen. Weil die Zellen damit höher sitzen als bei einem typischen Unterboden-Akku, will Alpine den höheren Schwerpunkt mit speziellem Fahrwerk und zwei E-Motoren an der Hinterachse ausgleichen.
Nordschleife als Messlatte: drei Runden in 20 Minuten ohne Leistungsabfall
Alpine definiert das Lastenheft auffällig klar über die Rennstrecke. Die neue A110 soll drei Runden auf der Nürburgring-Nordschleife innerhalb von 20 Minuten schaffen, und zwar ohne Leistungsverlust.
Die Idee dahinter: Wer einen Track Day fährt, soll eine typische 20-Minuten-Session am Stück absolvieren können, ohne dass die Performance spürbar einbricht.
Was das im Alltag bringt
Für E-Autofahrer ist das mehr als Stammtisch-PR. Wenn ein Antrieb auf wiederholte Volllast ausgelegt ist, profitieren meist auch Alltagsszenarien wie lange Autobahnpassagen, zackige Überholmanöver oder Bergstrecken bei Sommerhitze, weil das Thermomanagement weniger früh drosseln muss.
Zwei Plattform-Versionen: APP1 für Zweisitzer, APP2 für größere Modelle
Die APP teilt Alpine in zwei Ausbaustufen. APP1 ist für den Zweisitzer gedacht, also die kommende A110.
APP2 zielt auf größere Fahrzeuge. Hier ist unter anderem ein größerer Sportwagen mit 2+2-Sitzkonzept geplant, dessen Batterie dann konventionell im Unterboden sitzt.
Außerdem ist ein Cabrio-Ableger der A110 in Planung. Laut Alpine sind rund 95% der Plattformteile neu, die Entwicklung dauerte drei Jahre. Künftige Modelle auf der Basis sollen in unter zwei Jahren realisierbar sein.
Strategie dahinter: internationaler werden, Plattform auf mehrere Zyklen ausgelegt
Alpine legt die APP so aus, dass sie mindestens zwei Modellzyklen tragen kann. Anforderungen für Märkte wie Nordamerika, etwa bei Crashvorgaben oder Software, sind bereits berücksichtigt.
Parallel will Alpine den Anteil Frankreichs am Absatz von bisher 70% auf unter 50% drücken und stärker in Europa wachsen. Helfen sollen dabei auch die bereits gestarteten Elektro-Modelle A290 und A390, weitere Baureihen sollen folgen.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Antrieb | Zwei E-Motoren an der Hinterachse (geplant) |
| Akku | ca. 70 kWh (geplant) |
| Batterie-Layout | Zweiteilig, ein Teil vorne über Vorderachse, größerer Teil über Hinterachse |
| Gewichtsverteilung | 40:60 (geplant) |
| Track-Ziel | 3 Nordschleifen-Runden in 20 Minuten ohne Leistungsverlust (Zielvorgabe) |
| Plattform | Alpine Performance Platform (APP), Varianten APP1 (Zweisitzer) und APP2 (größere Modelle) |
| Plattform-Anteil neu | ca. 95% neu |
| Entwicklungszeit Plattform | 3 Jahre |
Elektroquatsch-Meinung: Endlich wieder ein E-Sportwagen, der das Temperatur-Thema ernst nimmt
Viele schnelle E-Autos sind brutal auf der Geraden, aber werden bei wiederholter Belastung weich, weil Akku und Antrieb zu warm werden. Wenn Alpine das 3-Runden-20-Minuten-Ziel wirklich seriennah einlöst, wäre das ein starkes Signal: nicht nur Leistung, sondern Leistung, die bleibt.
Spannend wird, ob Alpine beim Gewicht und beim Fahrgefühl die Messlatte der bisherigen A110 trifft, und wie schnell die Lade- und Kühlstrategie im Alltag funktioniert.



