Aston Martin zieht die Reißleine, aber nicht mit einem Elektroauto
Aston Martin steckt weiter in den roten Zahlen und soll wieder profitabel werden. CEO Adrian Hallmark setzt dafür auf eine klare Strategie, mehr Marge pro Auto, statt Wachstum um jeden Preis.
Der Plan basiert vor allem auf leistungsstärkeren sowie teureren Versionen der bestehenden Sportwagen und SUV, plus deutlich mehr Möglichkeiten zur Individualisierung. Ein Vollstromer spielt dabei aktuell keine Rolle.
Mehr Geld pro Fahrzeug: Individualisierung wird zum Geschäftsmodell
Aston Martin will bei den Konfigurationsoptionen aufholen. Im Vergleich zu direkten Premium-Rivalen bietet die Marke bislang spürbar weniger Sonderausstattung, genau dort liegt künftig ein großer Hebel für zusätzliche Einnahmen.
Geplant ist eine Ausweitung um hochwertige Komponenten, unter anderem Titanfelgen, Sportabgasanlagen sowie High-End-Audiosysteme. Das Ziel ist nicht, mehr Autos zu verkaufen, sondern jedes einzelne Auto teurer und margenstärker zu machen.
Produktion runter, Kosten runter: Fokus auf Profitabilität
Hallmark hat die Produktionsziele bereits früh angepasst. Statt auf hohe Stückzahlen zu setzen, wurde das Zielniveau auf rund 6.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgerichtet, nachdem die tatsächlichen Auslieferungen im Vorjahr bei 5.448 Autos lagen.
Parallel dazu lief eine Restrukturierung mit zwei Entlassungswellen. Laut CEO wurde die Kostenbasis um rund 30% gesenkt. Insgesamt laufen nach seinen Angaben 26 Programme, die Kosten, Gewinn und Cashflow verbessern sollen.
Was bisher bekannt ist, kompakt
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Auslieferungen im Vorjahr | 5.448 Fahrzeuge |
| Zielproduktion pro Jahr | ca. 6.000 Fahrzeuge |
| Produktionskürzung zu Beginn der Amtszeit | 1.000 Einheiten |
| Reduktion der Kostenbasis | ca. 30% |
| Laufende Verbesserungsprogramme | 26 Programme |
| Einnahmen aus Verkauf der Namensrechte am F1-Team | 50 Mio. Pfund |
| Zeithorizont zurück in die Gewinnzone | ca. 2 Jahre |
US-Zollkonflikt, Vorsteuerverlust und ein 50-Millionen-Pfund-Deal
Finanziell hat Aston Martin zusätzlich Gegenwind, ein US-Zollkonflikt trug im vergangenen Jahr zu einem hohen Vorsteuerverlust bei. Um Liquidität zu schaffen, wurden die Namensrechte am Formel-1-Team dauerhaft an Hauptaktionär Lawrence Stroll verkauft, das brachte 50 Millionen Pfund.
Neue Investoren sieht das Management derzeit nicht als notwendig. Die Linie lautet, die Rückkehr in die Gewinnzone soll aus eigener Kraft gelingen, mit einem erwarteten Zeitraum von etwa zwei Jahren.
Elektroauto vertagt: Vollstromer erst im nächsten Jahrzehnt
Das ist der Punkt, der E-Auto-Fans aufhorchen lässt, Aston Martin verschiebt seine BEV-Pläne ins nächste Jahrzehnt. Der CEO begründet das mit der Wahrnehmung, dass die eigenen Kunden diese Technologie aktuell nicht ausreichend nachfragen.
"Wir glauben nicht, dass unsere Kunden diese Technologie derzeit wollen."
Ganz ohne Elektrifizierung ist die Marke aber nicht, teilelektrische Systeme sind bereits im Einsatz, etwa beim Hybrid-Supersportwagen Valhalla.
Was bedeutet das für E-Autofahrer im Alltag?
Für den deutschen E-Auto-Markt ist das vor allem ein Signal, Aston Martin spielt kurzfristig keine Rolle als Anbieter eines alltagstauglichen Premium-EV. Wer auf eine elektrische Alternative mit Aston-Martin-Logo wartet, muss sich auf eine lange Pause einstellen.
Spannender ist die indirekte Wirkung, Luxusmarken testen gerade, wie weit sich Marge über Optionen treiben lässt. Das kann mittelfristig auch im E-Segment ankommen, teure Pakete, limitierte Performance-Varianten und mehr "Baukasten" beim Konfigurator.
Elektroquatsch-Meinung: Das ist ein klassischer Luxus-Turnaround, aber ohne E-Story
Hallmarks Kurs ist betriebswirtschaftlich logisch, geringere Stückzahlen plus höherer Erlös pro Fahrzeug ist in der Supersportwagen-Liga oft der schnellste Weg zurück zur Profitabilität. Für die E-Mobilität ist die Nachricht dagegen ernüchternd, Aston Martin überlässt das Feld weiter anderen.



