Das E-Segment im Visier: Stellantis verordnet Maserati eine Radikalkur
Die italienische Edelschmiede Maserati steht im Mai 2026 vor einer weitreichenden Neuausrichtung. Nach einem schmerzhaften Absatzminus von rund 30 Prozent im vergangenen Jahr schien die Zukunft der Traditionsmarke unter dem Dach des Stellantis-Konzerns zeitweise ungewiss. Auf dem jüngsten Investorentag erteilte die Konzernspitze allen Gerüchten über einen möglichen Verkauf jedoch eine klare Absage. Vielmehr sieht das Management den Dreizack weiterhin als das unumstößliche Luxus-Aushängeschild des Konzerns und kündigte eine massive Produktoffensive in der Oberklasse an.
Um das Ruder im Real-World-Impact herumzureißen, schickt Maserati zwei völlig neue Modelle in das prestigeträchtige E-Segment. Im Rahmen der Investoren-Konferenz wurden die Fahrzeuge bereits schemenhaft unter Abdeckungen präsentiert. Bei der ersten Neuentwicklung handelt es sich um ein hochgewachsenes, muskulöses Oberklasse-SUV mit einer markant gestreckten Frontpartie. Das zweite Modell reinterpretiert die klassische Kern-DNA der Marke: Ein extrem flacher, eleganter Gran Tourer mit langgezogener Motorhaube und einer weit nach hinten versetzten Fahrgastzelle.
Technologisch sorgt die Ankündigung in der Branche für reichlich Gesprächsstoff. Auf dem gleichen Event enthüllte Stellantis seine neue, modulare Mega-Plattform „STLA One“, die ab 2027 als hocheffiziente Basis für über 30 Modelle im B-, C- und D-Segment dienen soll. Da diese Architektur jedoch strikt auf Klein- bis Mittelklassewagen begrenzt ist, bleibt sie für die beiden großen Maserati-Flaggschiffe komplett außen vor. Für die exklusiven E-Segment-Modelle greift Maserati stattdessen auf eine maßgeschneiderte, eigenständige Luxus-Plattform zurück, die den extremen Performance-Ansprüchen der Kundschaft gerecht wird.
Rückzug aus der Elektro-Sackgasse: Der Verbrenner feiert sein Comeback
Die wohl größte strategische Kehrtwende betrifft das Antriebslayout der kommenden Luxusliner. Ursprünglich wollte Maserati eine kompromisslose Transformation erzwingen und setzte mit den hauseigenen „Folgore“-Versionen des Grecale, des GranTurismo und des GranCabrio voll auf den batterieelektrischen Antrieb. Die anhaltende Stromer-Skepsis im absoluten High-End-Markt hat diese Pläne im Jahr 2026 jedoch pulverisiert. Das Management strich bereits über 1,5 Milliarden Euro an geplanten E-Auto-Investitionen und cancelte unter anderem den elektrischen MC20 Folgore vorab.
Für die beiden neuen E-Segment-Modelle bedeutet das im Alltag: Der Fokus liegt wieder unzensiert auf hochemotionaler Verbrennertechnik. Die Ingenieure in Modena optimieren hierfür die nächste Evolutionsstufe des legendären Nettuno-V6-Biturbos, der im harten Dauereinsatz mit modernster Hybridisierung gekoppelt wird. Ganz vom Tisch ist der Elektroantrieb jedoch nicht. Die neue Fahrzeug-Architektur ist plattformübergreifend so flexibel ausgelegt, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch reine Batterie-Versionen fehlerfrei integriert werden können, sofern sich die globale Marktnachfrage wieder stabilisiert.
| Fahrzeug- & Entwicklungs-Parameter | Maserati Luxus-SUV (E-Segment / Vorschau 2026) | Maserati Gran Tourer (E-Segment / Vorschau 2026) |
|---|---|---|
| Marktsegmentierung | Oberklasse-Oberhaupt (E-Segment / SUV) | High-End Performance Coupé (E-Segment / GT) |
| Stellantis STLA One Kompatibilität | Nein (Da Plattform nur für Segmente B bis D ausgelegt) | Nein (Erfordert eigenständige Luxus-Architektur) |
| Fahrwerk & Karosserie-Layout | Erhöhte Sitzposition, lange Fronthaube | Flache Silhouette, weit nach hinten versetztes Cockpit |
| Primärer Antriebsfokus | Hocheffizienter Mild- und Plug-in-Hybrid (V6-Basis) | Performance-Hybrid mit Fokus auf Längsdynamik |
| Zukünftige Elektro-Option (Folgore) | Technisch vorbereitet; Umsetzung marktabhängig | Technisch vorbereitet; Umsetzung marktabhängig |
| Präsentation der Designlinie | Oktober 2026 (Konzeptfahrzeug, Pariser Autosalon) | Oktober 2026 (Konzeptfahrzeug, Pariser Autosalon) |
| Veröffentlichung detaillierter Seriendaten | Dezember 2026 (Offizielles technisches Datenblatt) | Dezember 2026 (Offizielles technisches Datenblatt) |
„Das aktuelle Design ist finished“: Designchef kündigt Revolution an
Nicht nur unter der Haube, sondern auch visuell bricht Maserati mit bestehenden Mustern. Das aktuelle, von weichen Rundungen geprägte Gesicht der Marke hat im Handumdrehen ausgedient. Die Designabteilung arbeitet unter Hochdruck an einer vollkommen neuen Formsprache für das kommende Jahrzehnt, die sich deutlich vom gewohnten Straßenbild abheben soll. Historisch gesehen erfand sich die italienische Nobelmarke alle zwanzig Jahre radikal neu – auf die fließenden Kurven der 1960er folgten die extrem kantigen Keil-Formen der 1970er und 1980er Jahre.
Ein erster unzensierter Ausblick auf dieses neue optische Zeitalter steht unmittelbar bevor. Ein wegweisendes Konzeptfahrzeug wird im Oktober auf dem Pariser Automobilmesse (Mondial de l’Auto) feierlich enthüllt, um die künftige visuelle Marschrichtung des Dreizacks zu demonstrieren. Die finalen Spezifikationen, exakten Modellnamen und Marktpreise der beiden Serienmodelle folgen im Dezember. Für uns Autofahrer bedeutet das: Maserati verlässt die Deckung und beweist, dass italienischer Luxus im Jahr 2026 Charakterstärke und mechanische Emotionen über kurzfristige Trends stellt.
"Maserati ist innerhalb unseres Markenportfolios eine reine, unantastbare Luxusmarke, die eine ganz besondere Kundschaft und ein einzigartiges historisches Erbe besitzt. Wir blicken nach vorn und entwickeln die Identität des Dreizacks konsequent weiter. Das aktuelle Design ist gewissermaßen abgeschlossen – wir haben die nächste Ära bereits eingeläutet. Wer ein paar Monate wartet, wird in Paris genau sehen, wie wir die Mobilität der Zukunft im absoluten High-End-Segment definieren. Wir bewegen uns schnell und ohne Kompromisse."



