Drei Mercedes eActros 400 gehen in Köln in den Entsorgungsbetrieb
In Köln sind drei neue Elektro-Lkw von Mercedes-Benz Trucks gestartet: Die AVG Köln setzt ab sofort eActros 400 der zweiten Modellgeneration ein. Die Fahrzeuge sind als Kippsattel ausgelegt und laufen im Projekt „BELLA“ im kommunalen Entsorgungsverkehr.
Wichtig für die Einordnung: Es sind keine klassischen Müllsammelfahrzeuge für die Abfuhr an der Tonne. Die eActros übernehmen Transportaufgaben, konkret geht es um Rostasche, also Rückstände aus der Müllverbrennung, die zu nahegelegenen Aufbereitungsanlagen gebracht werden.
Was an diesen eActros 400 besonders ist: mPTO ab Werk
Technisch spannend ist vor allem eine Neuerung, die im schweren Nutzfahrzeug-Alltag echten Impact hat: Die Lkw kommen erstmals mit einem ab Werk integrierten mechanischen Nebenantrieb (mPTO). Damit lassen sich hydraulische Anwendungen direkt über das Fahrzeug realisieren, statt zwingend auf externe Lösungen von Aufbau- und Systemanbietern angewiesen zu sein.
Die finale Komplettierung der Hydraulikeinheit sowie die Stahlhalbrundmulden übernimmt ein spezialisierter Nutzfahrzeug-Partner in Zusammenarbeit mit einem Aufbauhersteller. Für den Betrieb heißt das: weniger Schnittstellen, sauberere Integration und im besten Fall weniger Standzeiten, weil die Lösung von Anfang an auf den Einsatz als Kippsattel ausgelegt ist.
Akku-Setup: 414 kWh und LFP für langlebige Zyklen
Die drei Fahrzeuge wurden jeweils mit zwei Batteriepaketen konfiguriert, zusammen sind das 414 kWh Gesamtkapazität. Beim Zelltyp setzt Mercedes-Benz Trucks hier auf Lithium-Eisenphosphat (LFP). Diese Chemie ist im Nutzfahrzeug-Kontext besonders interessant, weil sie auf Robustheit und hohe Zyklenfestigkeit ausgelegt ist, also genau auf wiederkehrende Touren mit planbaren Ladefenstern.
| Merkmal | Mercedes eActros 400 (AVG Köln Konfiguration) |
|---|---|
| Einsatz | Kippsattel-Transporte, Rostasche zur Aufbereitung |
| Batteriepakete | 2 |
| Gesamtkapazität | 414 kWh |
| Zellchemie | LFP (Lithium-Eisenphosphat) |
| Besonderheit | Mechanischer Nebenantrieb (mPTO) ab Werk |
„Mit der Auslieferung der eActros 400 für den Kippsatteleinsatz zeigen wir, dass batterieelektrische Antriebe auch anspruchsvolle Anwendungen in der Entsorgungslogistik zuverlässig abdecken können.“
Christian Wilz, Mercedes-Benz Trucks Deutschland
Ladepark bei der AVG: bis zu 400 kW, Strom aus der eigenen Anlage
Damit der Umstieg nicht an der Infrastruktur scheitert, hat die AVG Köln bereits seit Oktober 2025 einen eigenen Ladepark aufgebaut. Auf rund 3.000 Quadratmetern stehen neun Stationen mit insgesamt zehn Ladepunkten zur Verfügung. Die Bandbreite reicht von 160 kW über 240 kW bis zu 400 kW an Hyperchargern.
Technisches Schwergewicht im wahrsten Sinne ist die Trafostation: Sie bringt rund 95 Tonnen auf die Waage. Versorgt werden die Ladesäulen direkt über die unternehmenseigene Restmüllverbrennungsanlage. Laut Betreiber fließen täglich rund 3.000 kWh Strom, als Vergleich wird der Verbrauch von etwa 200 Haushalten genannt.
Warum solche Einsätze für E-Lkw gerade jetzt wichtig sind
Kommunale Logistik hat häufig klare Routen, feste Zeitfenster und definierte Standzeiten. Genau das sind gute Voraussetzungen für batterieelektrische Lkw. Wenn dann noch ein eigener Ladepark vorhanden ist und der Strom aus einer lokalen, planbaren Quelle kommt, wird der Betrieb nicht nur leiser und lokal emissionsfrei, sondern auch kalkulierbarer.
Das Projekt in Köln zeigt zudem, wie schnell E-Lkw in Bereiche vordringen, die lange als „zu schwer“ oder „zu speziell“ galten, etwa durch Nebenantriebe und Aufbau-Hydraulik. Im Pkw-Bereich kennen viele die Diskussion um Ladeleistung und Infrastruktur, beim Nutzfahrzeug ist sie mindestens genauso entscheidend. Wer tiefer einsteigen will, findet bei uns auch eine Einordnung zu 800V vs. 400V und warum die Architektur beim Laden den Unterschied macht sowie aktuelle Trends rund um die Auslastung von Ladepunkten in Deutschland.
Einordnung für den DACH-Raum
Solche Flottenprojekte sind für Deutschland, Österreich und die Schweiz ein wichtiger Indikator: Nicht nur, weil Kommunen und Stadtreinigungen zunehmend Elektrifizierung verlangen, sondern weil sie Ladehubs, Netzanschlüsse und Betriebsmodelle praktisch erproben. Und je häufiger E-Lkw in „Normalbetrieb“ laufen, desto schneller werden Standardlösungen günstiger, von der Fahrzeugkonfiguration bis zum Aufbau.
Passend dazu lohnt auch der Blick auf andere Segmente, in denen Elektrifizierung über planbare Nutzung funktioniert, zum Beispiel bei Ladetarifen und Abos im Vergleich oder bei aktuellen Entwicklungen in der Fahrzeugtechnik, etwa wenn Hersteller ihre Elektro-Plattformen effizienter machen.
Ladepark der AVG Köln im Überblick
| Komponente | Angabe |
|---|---|
| Fläche | ca. 3.000 m² |
| Stationen | 9 |
| Ladepunkte | 10 |
| Leistung 160 kW | 6 Ladepunkte |
| Leistung 240 kW | 2 Ladepunkte |
| Leistung 400 kW | 2 Ladepunkte |
| Trafostation | ca. 95 t |
| Täglicher Energiefluss (Betreiberangabe) | ca. 3.000 kWh |



