Nextmove in Eigenverwaltung: Sanierung statt Vollbremsung
Die deutsche Elektromobilitäts-Branche verzeichnet einen prominenten Sanierungsfall. Die Cyx mobile KG, Betreiberin der bekannten E-Auto-Vermietung Nextmove, hat beim Amtsgericht Erfurt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht gab dem Antrag am 1. Juni 2026 statt, nachdem die Zahlungsunfähigkeit des Thüringer Unternehmens bereits seit Anfang April aktenkundig war. Als Sachwalter wurde der Erfurter Sanierungsexperte Marlon Foit bestellt, der die Restrukturierung kontrollierend begleitet.
Die Wahl der Eigenverwaltung signalisiert, dass das Gericht gute Chancen für den Fortbestand des Pioniers sieht. Bei diesem Verfahren bleibt die operative Führung in den Händen der Geschäftsleitung, die seit Beginn des Jahres von Silvia Berger verantwortet wird. Ein herber Schlag für die treue Community: Die Branchen-Bekanntheit Stefan Moeller, der Nextmove seit der Gründung 2016 als Gesicht nach außen prägte, ist bereits im Februar aus dem operativen Geschäft ausgeschieden.
Die Transporter-Falle: Warum das Geschäftsmodell kippte
Das Fundament von Nextmove basierte jahrelang auf dem anhaltenden Boom der Elektromobilität. Das Unternehmen positionierte sich geschickt als Brücke für Unentschlossene, die vor dem Kauf eines eigenen Stromers ausgiebige Praxistests im Rahmen von Kurz- und Langzeitmieten oder flexiblen Auto-Abos absolvieren wollten. Mit zehn Standorten in Deutschland wurde eine beachtliche Reichweite aufgebaut.
Der strategische Fehler lag laut Branchen-Insidern in einer massiven Flottenerweiterung im Segment der leichten Nutzfahrzeuge. Nextmove investierte im großen Stil in elektrische Transporter – vorwiegend des chinesischen Herstellers Maxus. Während der Pkw-Markt für Elektrofahrzeuge trotz des Wegfalls staatlicher Prämien stabil blieb, brach die Nachfrage nach gewerblichen E-Transportern im ersten Quartal 2026 drastisch ein. Hohe Leasingraten für ungenutzte Standzeuge führten schließlich zur Illiquidität.
| Unternehmens-Eckdaten | Status / Restrukturierung (Juni 2026) |
|---|---|
| Verfahrensart | Insolvenz in Eigenverwaltung (Eröffnet am 01.06.2026) |
| Standorte bundesweit | 10 Stationen (Eigenregie und Partner-Modelle) |
| Hauptursache der Krise | Überfokussierung auf elektrische Nutzfahrzeuge (Maxus Transporter) |
| Sanierungs-Fokus | Flottenbereinigung zurück zum Pkw, Standort-Optimierung |
| YouTube-Kanal | Bleibt als Marketing- und Infokanal vollumfänglich erhalten |
Real-World-Impact: Was Kunden und Abonnenten jetzt wissen müssen
Für bestehende Mieter und Abo-Kunden gibt es vorerst Entwarnung: Alle geschlossenen Verträge behalten ihre Gültigkeit, gebuchte Fahrzeuge werden wie vereinbart übergeben. Da der Geschäftsbetrieb nahtlos weiterläuft, sind auch Kautionen und laufende Zahlungen über das Insolvenzgeld und die Absicherung des Verfahrens geschützt. Wer ein laufendes Auto-Abo bei Nextmove hält, muss keine plötzliche Stilllegung des Fahrzeugs befürchten.
"Das Insolvenzgericht setzt Vertrauen in das dargelegte Sanierungskonzept. Der Betrieb geht ohne Unterbrechung weiter, während wir das Flottenportfolio korrigieren und neue strategische Kooperationen suchen."
Die Neuausrichtung sieht einen radikalen Kurswechsel vor. Die unrentablen Elektro-Transporter werden schrittweise ausgemustert und durch gefragte Pkw-Modelle der Kompakt- und Mittelklasse ersetzt. Zudem stehen Verhandlungen über Standort-Optimierungen an. Ein wichtiger Anker für die Kundenbindung bleibt der reichweitenstarke YouTube-Kanal von Nextmove: Er soll explizit als fachkundiges Sprachrohr und Marketing-Werkzeug erhalten bleiben, um das Vertrauen im Markt zurückzugewinnen.



