Befreiungsschlag ohne Partner: Smart baut den neuen #2 komplett in Eigenregie
Seit dem Produktionsende des legendären Fortwo im Jahr 2024 klaffte in der europäischen Autolandschaft eine gewaltige Lücke im Segment der ultrakompakten Stadtautos. Die neuen, deutlich größeren Crossover-Modelle Smart #1 und #3 ließen viele treue Fans der Kernmarke ratlos zurück. Hinter den Kulissen suchte das Management monatelang nach Kooperationspartnern, um die enormen Entwicklungskosten für einen ultrakompakten Nachfolger zu teilen. Doch die Verhandlungen scheiterten an zu vielen technischen Kompromissen, weshalb die Marke nun die Reißleine zieht und das Projekt komplett selbst realisiert.
Das Ergebnis dieser Neuausrichtung hört auf den Namen Smart #2. Anstatt fremde Verbrenner-Plattformen mühsam auf Elektroantrieb umzurüsten, haben die Ingenieure des Mercedes-Geely-Joint-Ventures eine eigene, rein elektrische Plattform aus dem Boden gestampft: die "Electric Compact Architecture" (ECA). Diese kompromisslose Fokussierung auf die Stärken eines dedizierten Elektro-Unterbaus sichert dem Neuling einen unschlagbaren Vorteil im urbanen Verkehrsdschungel. Mit einer Gesamtlänge von exakt 2,79 Metern erreicht der Zweisitzer einen extrem winzigen Wendekreis von nur 6,95 Metern – exakt auf dem Niveau des alten Fortwo.
Doppelte Reichweite im Vergleich zum Vorgänger
Technisch korrigiert der Smart #2 die größten Schwachstellen der elektrischen Ur-Modelle, deren magere Real-Reichweite von oft unter 100 Kilometern im Winter für viel Frust sorgte. Im Unterboden des ECA-Chassis verbirgt sich ein LFP-Akkupack (Lithium-Eisenphosphat) mit einer Kapazität von vorläufig 35,7 kWh. Durch den Verzicht auf schwere Kobalt-Metalle und die Nutzung einer modernen Zell-Integration verspricht die Marke eine alltagstaugliche WLTP-Reichweite von knapp 300 Kilometern. Das reicht für das wochenlange Pendeln in der City ohne Wallbox-Anschluss im Wohnviertel.
"Als wir im Entwicklungsprozess gemerkt haben, dass wir mit Partnern entweder keinen technologischen Vorteil erzielen oder schlicht zu viele faule Kompromisse eingehen müssen, haben wir komplett umgeschwenkt. Der Smart #2 wird ein echter, kompromissloser Charakterkopf."
Auch beim Ladestopp an der Ladesäule setzt der City-Flitzer neue Maßstäbe im Kleinstwagen-Segment. Während günstige Stromer oft stundenlang am Wechselstrom hängen, zieht der Smart #2 den Gleichstrom am DC-Schnelllader so rasant, dass der klassische Hub von 10 auf 80 Prozent Ladestand (SoC) in knapp 20 Minuten erledigt ist. Die passive Sicherheit wird durch eine Weiterentwicklung der legendären Tridion-Sicherheitszelle garantiert, die nun noch engmaschiger mit hochfesten Stählen um die LFP-Batterie herum konstruiert wurde.
Durchgehende Sitzbank und digitale Intelligenz im Innenraum
Das Design des künftigen Serienmodells orientiert sich sehr eng an dem unlängst präsentierten Concept #2. An der Front übernimmt der Zweisitzer die markante, leicht nach vorne geneigte Haifisch-Nase ("Sharknose") der größeren Geschwister #1 und #5, verzichtet aber bewusst auf einen übertriebenen Retro-Look. Ein echtes Highlight erwartet Kunden im Innenraum: Die Designer beleben die Idee einer durchgehenden, minimalistisch gestalteten Sitzbank wieder. Dieses clevere Layout bricht die klassische Barriere zwischen Fahrer und Beifahrer auf und schafft selbst im ultrakompakten Format ein überraschend luftiges Raumgefühl.
Das Infotainment wird über ein flaches, S-förmig geschwungenes Cockpit-Panel gesteuert, das sich nahtlos in das digitale Ökosystem der Marke einfügt. Neben dem serienmäßigen Google Assistant und einer cloudbasierten Routenplanung inklusive automatischer Ladestopp-Vorkonditionierung wird im Laufe des Jahres auch die generative künstliche Intelligenz Google Gemini einziehen. Damit lassen sich komplexe Fragen während der Fahrt im Dialog klären, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. Die Produktion erfolgt vorerst in den hochmodernen Geely-Werken in China, von wo aus die Fahrzeuge ab Mitte des kommenden Jahres nach Europa verschifft werden.
Technische Daten und Specs des Smart #2 im Überblick
Die harten Fakten zeigen den enormen technologischen Sprung im Vergleich zum alten Elektro-Fortwo (EQ fortwo), dessen Batteriekapazität und Reichweite quasi verdoppelt wurden.
| Spezifikation / Parameter | Alter Smart EQ fortwo (bis 2024) | Neuer Smart #2 (Modelljahr 2027) |
|---|---|---|
| Fahrzeug-Plattform | Daimler-Plattform (Kooperation mit Renault) | ECA (Electric Compact Architecture / Geely) |
| Fahrzeuglänge / Wendekreis | 2,69 Meter / 6,95 Meter | 2,79 Meter / 6,95 Meter (äußerst agil) |
| Sitzplatz-Konzept | Zwei Einzelsitze | Durchgehende, ergonomische Komfort-Sitzbank |
| Batterietyp / Kapazität | NMC (Lithium-Ionen) / 17,6 kWh | LFP (Lithium-Eisenphosphat) / 35,7 kWh |
| Reichweite (WLTP) | Maximal 135 km (Real oft unter 100 km) | Rund 300 km (Zielwert) |
| DC-Schnellladung (10-80%) | Nicht verfügbar (Nur 22 kW AC maximal) | In ca. 20 Minuten (High-Power-Charging) |
| Einstiegspreis (Deutschland) | Zuletzt ab ca. 22.000 Euro | Unter 22.500 Euro angekündigt |
| Marktstart / Auslieferung | Eingestellt im April 2024 | Weltpremiere im Oktober 2026 / ab Q2 2027 |
Kampfansage im Budget-Segment ab Herbst
Die offizielle Weltpremiere der finalen Serienversion inklusive der Enthüllung des kompletten Interiors ist für den Pariser Autosalon im Oktober 2026 fest eingeplant. Unmittelbar nach der Messe sollen auch die Bestellbücher geöffnet werden. Mit einem versprochenen Basispreis von deutlich unter 22.500 Euro wird der neue Smart #2 nur minimal teurer als sein spartanischer Vorgänger beim Produktionsende – bietet dafür aber den doppelten Nutzwert. Für die etablierte Konkurrenz um den kommenden VW ID.1 oder den Renault Twingo E-Tech dürfte der kleine Hecktriebler aus China zu einem extrem ungemütlichen Rivalen werden.



