BYD will in Europa ein zweites Werk, Entscheidung steht kurz bevor
BYD steht in Europa vor dem nächsten großen Schritt und prüft die Übernahme eines bestehenden Automobilwerks. Ziel ist es, die Expansion bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden deutlich zu beschleunigen.
Laut BYDs Europa-Sonderberater Alfredo Altavilla muss die Entscheidung sehr zeitnah fallen. Hintergrund sind erwartete EU-Vorgaben rund um „Made in Europe“, die lokale Produktion stärker gewichten sollen.
Spanien und Frankreich gelten als Favoriten
Als besonders wahrscheinliche Länder nennt BYD aktuell Spanien und Frankreich. BYD hat dafür nach eigenen Angaben Teams in verschiedenen Regionen vor Ort, um mögliche Standorte und bestehende Anlagen zu bewerten.
„Diese Woche haben wir zwei Teams, die sich in verschiedenen Regionen umsehen, wir stehen also kurz vor dem Abschluss.“
Warum BYD jetzt auf Produktion in Europa drückt
Der Druck kommt nicht nur aus dem Markt, sondern auch aus der Politik. Seit Ende 2024 gelten in der EU Strafzölle auf in China gebaute E-Autos, die Importe verteuern und lokale Fertigung attraktiver machen.
Für BYD wäre eine Werksübernahme der Turbo für „Made in Europe“, denn ein bestehendes Werk lässt sich typischerweise schneller hochfahren als ein kompletter Neubau.
Ungarn ist gesetzt, zweiter Standort wäre der nächste Hebel
BYD plant bereits einen ersten europäischen Montagestandort in Ungarn, Produktionsstart ist für Q4 vorgesehen. Ein zweites Werk würde die Lieferketten verkürzen und die Abhängigkeit von China-Exporten weiter reduzieren.
Passend dazu: Wir hatten zuletzt schon über BYDs Europa-Industrialisierung berichtet, inklusive Start der Testproduktion in Ungarn, siehe BYD Werk Ungarn mit Testproduktion für Dolphin Surf.
Was das für E-Autofahrer in Europa bedeutet
Für Käufer kann lokale Fertigung mittelfristig zwei sehr konkrete Effekte bringen: stabilere Preise und bessere Verfügbarkeit. Wenn BYD weniger Fahrzeuge importieren muss, wirken Zölle und Logistikkosten schwächer auf den Endpreis.
Außerdem können sich Lieferzeiten entspannen, weil Produktion, Ersatzteile und Transport näher am Markt liegen. Gerade im Volumensegment entscheidet das oft mehr als eine einzelne neue Ausstattungsoption.
Altavilla: Kein Interesse an „Technik gegen Minderheitsanteile“
In seinen Aussagen setzt Altavilla auch politisch ein Ausrufezeichen. Er kritisiert die Vorstellung, chinesische Hersteller würden in Europa einfach in Joint Ventures als Minderheit einsteigen und gleichzeitig ihre modernste Technik „gratis“ mitbringen.
„Das ist keine Koexistenz. Das ist brutale Gewalt.“
Blick auf Deutschland: Standortfrage und „Weckruf“ für die Industrie
Altavilla äußerte sich zudem skeptisch zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher Werke, auch im Kontext von Unterauslastung. Die verschärften Kostensenkungspläne bei VW bezeichnete er als „ersten echten Weckruf“ für die europäische Industrie.
BYD wächst in Europa rasant
Die Expansionspläne sind nicht theoretisch. BYD hat seine Europa-Verkäufe im vergangenen Jahr um 270 % gesteigert auf fast 188.000 Fahrzeuge. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres haben sich die Zahlen laut den genannten Angaben bereits mehr als verdoppelt.
Elektroquatsch-Meinung: Der entscheidende Punkt ist Tempo
Ob Spanien oder Frankreich, für BYD zählt vor allem die Geschwindigkeit. Wer in Europa schnell lokale Kapazität aufbaut, kann Zölle umgehen, „Made in Europe“-Vorgaben erfüllen und Preise aggressiver kalkulieren.
Für den Markt heißt das: Der Preiskampf wird härter. Und für Käufer heißt es ganz pragmatisch, mehr Auswahl, kürzere Lieferzeiten und noch mehr Druck auf etablierte Hersteller, ihre Kosten in den Griff zu bekommen.
Alle wichtigen Zahlen aus der Meldung
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| BYD Europa-Verkäufe (Vorjahr) | fast 188.000 Fahrzeuge |
| Wachstum Europa-Verkäufe (Vorjahr) | +270 % |
| Entwicklung Jan bis Mai (aktuelles Jahr) | mehr als verdoppelt |
| Geplante Produktion in Ungarn | Q4 (geplant) |
| Favoriten für zweites Europa-Werk | Spanien oder Frankreich |



