Sommerlicher Härtetest: Die absolute Langstrecken-Krone geht nach München
Wenn der norwegische Automobilverband NAF gemeinsam mit dem Fachmedium Motor zum legendären "El Prix" lädt, zittert die gesamte Elektroauto-Branche. Anfang Juni 2026 traten insgesamt 24 aktuelle Elektrofahrzeuge bei optimalen äußeren Bedingungen an, um die Batterien auf realen Straßen bis auf den allerletzten Prozentpunkt leerzufahren. Das wichtigste Ergebnis des weltgrößten Elektro-Härtetests vorab: Die absolute Distanz-Krone sichert sich die neue Generation des BMW iX3 (Neue Klasse), der mit einer spektakulären Fahrt bewies, wie viel Reichweite die modernisierte Antriebstechnik auf den Asphalt brennen kann.
Bei trockener Fahrbahn und perfekten Sommertemperaturen zwischen 12 und 18 Grad steuerten die Testfahrer die Flotte über einen anspruchsvollen Mix aus Stadtverkehr, Landstraßen und norwegischen Autobahnen. Letztere fordern die Aerodynamik und das Thermomanagement der Stromer bei Geschwindigkeiten von bis zu 110 km/h massiv heraus. Am Ende der epischen Testfahrt stand fest: Die überwältigende Mehrheit der Autobauer hat ihre Hausaufgaben gemacht, denn krasse Reichweiten-Einbrüche blieben im Sommer, ganz im Gegensatz zu den gefürchteten Winter-Tests, die absolute Ausnahme.
BMW iX3 düst der Konkurrenz auf der Langstrecke davon
Der neue BMW iX3, der als Speerspitze der mit Spannung erwarteten "Neuen Klasse" auf einer reinen 800-Volt-Architektur aufbaut, deklassierte die Konkurrenz in Sachen absoluter Ausdauer. Mit einer real erfahrenen Gesamtstrecke von 781 Kilometern übertraf das bayerische Mittelklasse-SUV seine offizielle WLTP-Angabe von 770 Kilometern um eine kleine Schippe. Das innovative Thermomanagement und hocheffiziente Rundzellen im Akkupaket sorgten dafür, dass der iX3 zeitweise wie der sichere Gesamtsieger aussah, bevor das hügelige norwegische Streckenprofil den anfänglichen Vorsprung im Tagesverlauf minimal zusammenschmelzen ließ.
| Modell & Antrieb | WLTP-Angabe | Erreichte Reichweite | Abweichung zum Prospekt |
|---|---|---|---|
| BMW iX3 (Neue Klasse) | 770 km | 781 km | +1,43 % (Absoluter Distanzsieger) |
| Xpeng X9 FWD Long Range | 580 km | 646 km | +11,40 % (Offizieller Testsieger) |
| MG S6 | Herstellerwert | Prospektwert + 3,4 % | +3,40 % (Solides Plus) |
| MG IM6 SUV-Coupé | 505 km | 446 km | -11,70 % (Test-Schlusslicht) |
Der Haken beim Reglement: Warum ein Riesen-Van den Gesamtsieg holt
Obwohl BMW die längste Distanz zurücklegte, durften die Münchner nicht den offiziellen Pokal des Testsiegers mit nach Hause nehmen. Das strikte Reglement des norwegischen El Prix kürt nämlich nicht das Auto mit den meisten Kilometern, sondern jenes Modell, das die positivste prozentuale Abweichung zur offiziellen Werksangabe erzielt. Diese skurrile Regelung katapultierte den wuchtigen Elektro-Van Xpeng X9 ganz nach oben auf das Podest. Der chinesische Siebensitzer rollte phänomenale 646 Kilometer weit, obwohl im Prospekt nur eine WLTP-Reichweite von 580 Kilometern verbrieft ist – eine sensationelle Übererfüllung von 11,4 Prozent.
"Die Ergebnisse des diesjährigen Sommer-Checks untermauern eindrucksvoll, dass Reichweitenangst in der warmen Jahreszeit endgültig der Vergangenheit angehört. Moderne Elektroautos liefern im Alltag exakt das, was die Hersteller im Hochglanzprospekt versprechen."
Wo viel Licht ist, gibt es im norwegischen Testfeld allerdings auch Schatten. Am enttäuschenden Ende der Tabelle landete das ebenfalls in China produzierte, große SUV-Coupé MG IM6. Der aerodynamisch gestylte Crossover strich bereits nach 446 Kilometern komplett die Segel, was bei einer versprochenen Werksangabe von 505 Kilometern einem satten Minus von 11,7 Prozent entspricht. Das Ergebnis verblüffte die Experten vor Ort umso mehr, als der kleinere Konzernbruder MG S6 im exakt selben Testszenario seine Werksvorgabe um ordentliche 3,4 Prozent übertreffen konnte.
Der Real-World-Impact für E-Autofahrer im Alltag
Für potenzielle Käufer liefert der El Prix wertvolle Erkenntnisse für die Praxis. Während Elektroautos im eisigen skandinavischen Winter durch den massiven Heizleistungsbedarf der Innenraumklimatisierung oft bis zu 40 Prozent ihrer Reichweite einbüßen, arbeiten die Lithium-Ionen-Zellen im Temperaturfenster zwischen 12 und 18 Grad im absoluten Wohlfühlbereich. Wer vorausschauend fährt und die Rekuperation im hügeligen Terrain clever nutzt, kann die WLTP-Angaben auf der Urlaubsreise ohne Verzicht auf den Komfort der Klimaanlage sogar übertreffen.
Besonders der BMW iX3 demonstriert eindrucksvoll den technologischen Generationenwechsel: Durch den Sprung auf die neue Plattform und die drastisch gesteigerte Effizienz des "Heart of Joy"-Leistungsrechners mutieren moderne Elektro-SUVs zu kompromisslosen Langstrecken-Gleitern. Gekoppelt mit der brachialen Ladeleistung von bis zu 400 kW an einer HPC-Schnellladesäule schrumpfen Reisezeiten auf Strecken von München nach Hamburg damit auf das Niveau klassischer Verbrenner-Plattformen.



